Einigung: Ölheizungen werden ab 2035 verboten, Gasheizungen ab 2040

Einigung: Ölheizungen werden ab 2035 verboten, Gasheizungen ab 2040
Schon ab 2022 muss beim Ersatz einer Kohle- oder Ölheizung ein klimafreundliches Heizsystem eingebaut werden.

In achtzehneinhalb Jahren, so der Plan von Bundeskanzler Sebastian Kurz, soll Österreich "klimaneutral" sein. Das bedeutet, dass bis dahin keinerlei fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl oder Erdgas verbrannt werden dürfen. Weder in Heizungssystemen oder zur Stromgewinnung, noch in Pkw oder Lkw.

Doch noch fehlen dazu die meisten der dafür notwenigen Regelungen. 

Vertreter des Umwelt- und des Finanzministeriums haben sich am Montag mit den Bundesländern aber als nächster großer Schritt darauf geeinigt, Kohle-, Öl- und Gasheizungen schrittweise zu verbieten. Der Ausstieg soll in zwei Schritten erfolgen: Kohle und Öl sollen nur noch bis 2035 für die Raumheizung verwendet werden dürfen, Erdgas bis 2040.

"Mit unseren Förderungen für den Ausstieg lösen wir zudem über 4,5 Milliarden Euro an Investitionen aus und schaffen und sichern an die 64.000 regionale, klimafreundliche Arbeitsplätze", sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Montag laut Mitteilung.

Für den Ausstieg aus Kohle und Öl bis 2035 ist vorgesehen, dass ab 2022 beim Ersatz einer Kohle- oder Ölheizung ein klimafreundliches Heizsystem eingebaut werden muss. Ab 2025 sind Kohle- und Ölkessel im Bestand, die ein bestimmtes Alter erreicht haben, auszutauschen. Der zweite Schritt legt den Ausstieg aus fossilem Gas in der Raumwärme bis 2040 fest. Dieser ist analog zum Stufenplan für Kohle und Öl vorgesehen und beinhaltet ein Einbauverbot von Gasheizsystemen in Neubauten ab 2025 und einen kompletten Ausstieg aus Gasheizungen bis 2040.

In Österreich heizen derzeit noch mehr als eine halbe Million Haushalte mit Öl und etwa eine Million Haushalte mit Gas. Um den schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Energien hin zur klimafreundlichen Raumwärme zu erleichtern, stellt das Klimaschutzministerium 650 Mio. Euro an Förderungen für die kommenden zwei Jahre für den Heizungstausch und die Gebäudesanierung zur Verfügung. Für besonders einkommensschwache Haushalte werden zusätzlich 100 Mio. Euro bereitgestellt.

Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich sieht die heutige Einigung von Bund und Ländern zum Ausstieg aus fossilen Heizsystemen als "Schritt in die richtige Richtung", allerdings geht es den Umweltschützern nicht schnell genug. "Wir müssen noch schneller raus aus Kohle, Öl und Erdgas, um die Klimaziele zu schaffen", sagte WWF-Energiesprecher Karl Schellmann in einer Reaktion. Parallel dazu müsse auch Energie gespart werden. "Die naturverträgliche heimische Energie wird nur dann ausreichen, wenn auch der Energieverbrauch der Gebäude massiv gesenkt wird. Neben dem Ausbau der Wärmedämmung muss eine konsequente Raumplanung die Zersiedelung stoppen, um auch die Verkehrsemissionen zu senken."

Auch Global 2000 glaubt, dass der Kohleausstieg beim Heizen früher möglich ist als 2035 und fordert eine Forcierung des Energiesparens. "Die Aktivitäten bei der Gebäudesanierung gilt es zu verdoppeln, damit der Energieverbrauch reduziert werden kann"; sagte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. Derzeit liege die Sanierungsrate bundesweit bei etwa 1,4 Prozent und sei damit weit entfernt von der angepeilten Sanierungsrate von 3 Prozent.

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