Coronoavirus

© EPA/NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES OF HEALTH HANDOUT

Politik Inland
03/01/2020

Ein Virus zeigt uns die Grenzen auf

Seit das Coronavirus vor einer Woche unser Nachbarland Italien erreicht hat, ist anscheinend vieles aus den Fugen geraten.

von Barbara Mader

Am Montag verabschiedete sich der erste Kollege mit Halskratzen aus dem Büro. Man scherzte, ob es sich um den „Patienten Zero“ in Österreich handeln könnte.

Am Dienstag kursierten Bilder von Nagern in den sozialen Netzwerken, man wollte sich damit über „Hamsterkäufe“ lustig machen – tatsächlich hatten da schon einige ihren Vorrat an Konserven aufgestockt. Sind wir Spinner, wenn wir endlich das tun, wozu Zivilschützer schon längst raten? Oder plötzlich doch keine?

Veränderungen

Mittwoch, das Lachen wird leiser. Das winzige Monster aus Wuhan kommt näher. Nach Tirol. Dort tauchen die ersten Coronafälle in Österreich auf. Unser Redaktionskollege mit der italienischen Ehefrau berichtetet, dass Frau und Kind, die sich auf Italienisch unterhielten, auf der Straße schief angeschaut würden.

Man beobachtet Szenen in öffentlichen Verkehrsmitteln wie diese: Eine ältere Dame hustet laut und lang. Etliche Augenpaare richten sich auf sie. „Ich hab nix, keine Angst, ich huste immer so“, versucht sie, die Mitpassagiere zu beruhigen. Noch sind die Blicke, die daraufhin ausgetauscht werden, belustigt.

Am Donnerstag dann der erste Corona-Patient in Wien. Freitagfrüh fünf bestätigte Fälle in Österreich, am Samstag kommen weitere hinzu. Die Scherze sind mit jeder neuen Nachricht weniger geworden.

Aus der Fassung

Die Ereignisse dieser Tage – so unspektakulär sie im Vergleich sind – haben uns gezeigt, wie schnell wir aus der Fassung geraten. Und zwar wegen einer Viruserkrankung, die nach heutigem Wissensstand nicht wesentlich gefährlicher ist als Grippe.

Wir glauben immer, alles im Griff zu haben. Und dann gelingt einem winzigen Virus, was wir für Vergangenheit hielten: Wir denken, erstmals seit der Flüchtlingskrise, über Grenzschließungen nach.

In China glaubte die Staatsdiktatur bis vor wenigen Wochen, die Kontrolle über alles zu haben. Selbst der Handelsstreit mit den USA konnte sie nicht beeinträchtigen. Nun erschüttert ein Virus erst die chinesische und in Folge die Weltwirtschaft. Die Auswirkungen brechender Lieferketten realisieren wir bereits, auch an den Börsen. Es geht dabei um mehr als Billigmode aus China. Die Pharmaindustrie etwa hat einen Gutteil ihrer Produktion nach China ausgelagert. Und was doch in Europa hergestellt wird, könnte gefährdet sein. Denn es fehlt die sterile Kleidung, die – erraten – aus China kommt.

Kein Zufall?

Umgekehrt ist es vielleicht kein Zufall, dass das Coronavirus in Italien so präsent ist: Vieles, das das Etikett „Made in Italy“ trägt, wird von chinesischen Arbeitern in der Lombardei oder der Toskana gefertigt – oft unter zweifelhaften Bedingungen. Bewiesen ist dieser Zusammenhang nicht, „Patient Null“ ist auch in Italien nicht gefunden.

So gut wie sicher ist hingegen: Es werden neue Virusvarianten auftauchen. Und wir werden auch künftig dazu beitragen, dass neue Viren auf den Menschen übergehen. Sei es durch Lebendtiermärkte in Asien oder durch das Abholzen des Regenwaldes.

Anwälte haben immer einen Job, heißt es. Man muss wohl hinzufügen: Auch Virologen.

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