Omikron breitet sich auch in Österreich immer weiter aus

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Politik Inland
01/26/2022

Ehe die Welle bricht: Bis zu 50.000 Neuinfektionen möglich

Wissenschafter erwarten einen weiteren Anstieg an Infektionszahlen nach dem Rekordwert am Mittwoch, dennoch endet der Lockdown für Ungeimpfte. Einen großen Unterschied soll das nicht machen.

von Elisabeth Hofer, Ernst Mauritz, Johanna Hager

Bei dem Wort „Welle“ denken die meisten Menschen zuerst ans Meer – ans Surfen vielleicht, oder an Spaziergänge am Strand. So war das zumindest bevor uns die sogenannte Omikron-Welle überrollt hat. Seither denken viele dabei auch an eine mathematische Funktion und warten gleichermaßen ängstlich wie erwartungsvoll auf den Moment, an dem die Welle ihren Höhepunkt erreicht. Und danach bricht.

Am Mittwoch ist die Zahl der Neuinfektionen mit 34.011 zwar auf einen Rekordwert hochgeschossen, der Höhepunkt wird das aber noch nicht sein.

Erste Februarhälfte

Dieser soll – laut der Berechnung des Covid-Prognosekonsortiums – in der ersten Februarhälfte erreicht werden. Bis dahin werden in den kommenden zwei Wochen täglich 35.000 bis 40.000 positive Tests erwartet. Schlimmstenfalls muss laut Prognosekonsortium am kommenden Mittwoch sogar mit fast 50.000 Neuinfektionen gerechnet werden.

Und dann? Haben wir Omikron dann überstanden? „Dann werden wir absehen können, ob wir die Welle so weit hinter uns haben, dass wir bei Lockerungen keine Kapazitätsprobleme bekommen“, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek vom Complexity Science Hub in Wien.

Lage hat sich entspannt

Eine erste Lockerung kündigte die Bundesregierung bereits am Mittwoch an: „Der Lockdown für Ungeimpfte endet am kommenden Montag“, teilte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) mit. „Die Lage auf Normalstationen und Intensivstationen hat sich vorerst entspannt, denn Omikron schlägt nicht so stark wie befürchtet auf Spitalskapazitäten durch“, begründete Nehammer den Schritt.

Zuletzt waren vor allem aus den Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Kärnten die Rufe nach einem Ende des Lockdowns für Ungeimpfte und einem Aus für die 22.00-Uhr-Sperrstunde immer lauter geworden.

Sozialpartner erfreut

Aufgrund der Empfehlungen des Beratungsgremiums Gecko hat die Bundesregierung nun entschieden, dass sich Ungeimpfte auch ohne Vorhandensein eines Ausnahmegrundes nun wieder in der Öffentlichkeit bewegen dürfen. Das kommuniziert die türkis-grüne Koalition freilich nicht ohne einen neuerlichen Aufruf zur Impfung: „Warten Sie nicht auf die Impfpflicht. Nützen Sie die Chance und lassen Sie sich impfen. Die Impfung schützt sie selbst, sie schützt ihre Mitmenschen und sie schützt uns als Gemeinschaft“, sagte der Kanzler.

Die Impfpflicht tritt mit Februar in Kraft. Der Grüne Pass wird bei einer Zweifach-Impfung auf sechs Monate befristet, für Dreifach-Geimpfte gilt eine Befristung von neun Monaten.

Die Sozialpartner zeigen sich in einer Aussendung über das Ende des Lockdowns für Ungeimpfte erfreut – fordern darüber hinaus zudem ein Ende der 2-G-Pflicht im Handel und bei körpernahen Dienstleistungen.

Keine Wirksamkeit

Doch wie klug ist es, den Lockdown für Ungeimpfte schon in vier Tagen zu beenden, ehe noch die Omikron-Welle gebrochen ist? Komplexitätsforscher Klimek sieht im Lockdown für Ungeimpfte anhand von Mobilitätsdaten – bei einer konsequenten Umsetzung von 2-G – keine Wirksamkeit. „Der Unterschied mit und ohne Lockdown für Ungeimpfte ist relativ bescheiden.“

Natürlich sehe man, dass die Ungeimpften im Infektionsgeschehen überproportional stark vertreten seien: „Andererseits sind das mittlerweile vor allem jüngere Menschen.“ Und: „Wenn im Gegenzug die 2-G-Regel konsequenter umgesetzt wird, sollte die Aufhebung des Lockdowns für Ungeimpfte die Infektionsdynamik nicht wesentlich beschleunigen“, sagt Klimek.

Abgesehen von dieser Maßnahme hält er es aber für zu früh, komplett Entwarnung zu geben: „Wir brauchen noch ein wenig Geduld, bis wir den Höhepunkt der Welle erreicht haben und dann sehen, wie groß die Belastung der Spitäler ist.“

Was bringt BA.2?

Denn mit der steigenden Zahl an Neuinfektionen erhöht sich freilich auch die Spitalsauslastung. Die Gefahr, dass dadurch die kritische Auslastungsgrenze von einem Drittel erreicht wird, ist aus heutiger Sicht allerdings äußerst gering. Bezogen auf ganz Österreich liegt die entsprechende Wahrscheinlichkeit bei 0,5 Prozent. Deutlich höher ist sie allerdings bis in zwei Wochen im Burgenland (35 Prozent) und in Tirol (zehn Prozent).

Auch noch abzuwarten ist laut Klimek, wie sich die neue Omikron-Subvariante BA.2 auswirken wird. Sie breitet sich derzeit in Norwegen, Schweden und Großbritannien zügig aus und hat in Dänemark schon der bisherigen Omikron-Variante BA.1 den Rang als dominante Form abgelaufen.

Bis wir beim Wort „Welle“ wieder ans Surfen denken werden, wird es also noch dauern.

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