© JACQUES PERLER Photography

Politik Inland
08/21/2021

Der FC-Nationalrat: Österreichs andere National-Elf

Im U-Ausschuss lautet das Match oft Hanger gegen Krainer, am grünen Rasen sind sie Teamkollegen. Ab Donnerstag kämpfen Österreichs Abgeordnete um den EM-Titel.

von Elisabeth Hofer

Manchmal, sehr selten, ergeben sich im Leben Situationen – oder vielmehr Konstellationen – bei denen man sich das Schicksal vorstellen möchte, wie es sich leise, aber sehr hämisch ins Fäustchen lacht. Zum Beispiel, wenn es auf den Kader des FC Nationalrats schaut.

Er ist laut Selbstbeschreibung eine „Gemeinschaft von ehemaligen und aktiven National- und BundesrätInnen, die Freude am Fußballsport haben“. Im defensiven Mittelfeld sowie Mannschaftskapitän: Andreas Hanger (ÖVP). Im linken Mittelfeld: Kai Jan Krainer (SPÖ).

Als Anführer ihrer jeweiligen Fraktionen haben sich die beiden im Ibiza-U-Ausschuss zuletzt wirklich gar nichts geschenkt. Am Fußballplatz hingegen sei es tabu, ausschussbezogene Wortgefechte weiterzuführen, erzählt Hanger. In der Politik und am Spielfeld habe man schließlich ganz unterschiedliche Rollen. „Am Platz spielen wir alle in eine Richtung, da geht es um Geschlossenheit und Teamgeist“, beschreiben beide.

In der kommenden Woche wird das auch besonders von Nöten sein. Denn von 26. bis 28. August findet im deutschen Wesel am Rhein die 48. Europameisterschaft der Parlamentarier statt.

Österreichs FC Nationalrat spielt dort gegen die drei anderen teilnehmenden Länder Finnland, Deutschland und die Schweiz. Vom Österreichischen Fußballbund erhalten die Parlamentarier dafür sogar original Teamdressen.

Anders als in den Vorjahren tritt Österreich heuer als gemischtes Team an. Im EM-Kader befindet sich neben 15 Männern auch Agnes Sirkka Prammer, Justizsprecherin der Grünen. Team-Mitglied zumindest theoretisch ist noch eine weitere Person, die im U-Ausschuss mit Hanger nicht unbedingt harmoniert hat: die grüne Fraktionsführerin Nina Tomaselli.

Sie wird aber nicht nach Deutschland mitfahren.

Um das Thema Politik gänzlich herum zu dribbeln, werde trotzdem nicht möglich sein, „wenn man drei Tage zusammen unterwegs ist“, sagt Hanger. Er hoffe aber, dass es dabei eher um Gemeinsamkeiten als Streitigkeiten gehen wird.

Trainiert haben die Mitglieder des FC-Nationalrats trotz EM in den vergangenen Wochen übrigens nur selten, dabei geht man in Wesel als Titelverteidiger an den Start. Doch das Parlament hatte Sommerpause, einen Trainer, der Kondition, taktische Fähigkeiten oder Zweikampfstärke einmahnen würde, gibt es nicht. Der FC Nationalrat coacht sich gewissermaßen selbst.

Trotzdem gibt sich Hanger, wie man ihn aus dem U-Ausschuss kennt: kampfeslustig. Man wolle alles versuchen, den Europameistertitel wieder nach Österreich zu holen, sagt er.

Und das, obwohl einer nicht mitkommt, der eigentlich als fixes Mitglied der Startelf gegolten hätte. Kai Jan Krainer musste verletzungsbedingt kurzfristig absagen.

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