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Politik Inland
07/06/2020

Das sind die Ergebnisse der "Corona-Matura"

Die Matura lief heuer unter der sogenannten "Prüfungsordnung Covid" ab. Es entschied nicht nur die Klausurnote, sondern auch die Jahresnote über das Ergebnis.

von Elisabeth Hofer

Die Matura fand in diesem Jahr "coronabedingt" unter etwas anderen - manche würden sagen "verschärften" - Bedingungen statt. Die Ergebnisse aus diesem Ausnahmejahr präsentierte Bildungsminister Heinz Faßmann am heutigen Montag.

Erfreulich ist zunächst, dass die besondere Situation im Vergleich zum Vorjahr zu keiner groben Verschlechterung geführt hat, was die Bestehensquote angeht. Aufgrund der besonderen Situation ist in diesem Jahr allerdings auch die Jahresnote in das Endergebnis eingeflossen, womit sich viele Schüler die Klausur-Note verbessern konnten.

Im AHS-Bereich ist die Bestehensquote (vor der Kompensationsprüfung) gegenüber dem Jahr 2019 beinahe gleich geblieben, in den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) haben sogar mehr Schüler bestanden als im Vorjahr.

Die meisten negativen Ergebnisse gibt es traditionell in Mathematik. Das Fach blieb auch heuer Sorgenkind. "Am Ende des Weges" schlossen zwar 97,5 Prozent der AHS-Schüler und 98,7 Prozent der BHS-Schüler positiv ab. Betrachtet man aber nur das Klausurergebnis, war an den AHS beinahe jeder fünfte  Maturant negativ.

Ein weiteres Problem: Während es in Deutsch und Englisch weniger Schwankungen zwischen den Jahrgängen gibt, ist dies in Mathematik durchaus zu beobachten. Wie schon vor zwei und vor vier Jahren wurde rund ein Fünftel der Arbeiten mit einem Fünfer bewertet. Außerdem schafften nur sieben Prozent einen Einser und 13 Prozent einen Zweier. "Leider blieben in Mathematik bei der Klausur sehr wenig Gut und Sehr Gut über", sagte Faßmann. An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) war die Notenverteilung dagegen viel gleichmäßiger.

Faßmann ortet das Hauptproblem weniger bei den "Nicht genügend": "Der Teil eins ist grundsätzlich lösbar, ein Genügend ist machbar." Der zweite Teil sei dagegen "ausgesprochen schwierig", die Latte für bessere Noten zu hoch. Dieses Problem habe er schon in seiner ersten Amtszeit gemeinsam mit dem ehemaligen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz angehen wollen - nach dem Platzen von Türkis-Blau sei dies aber vorübergehend nicht möglich gewesen: "Der Druck für eine faire und verständliche Matura war weg. Ist die Katze aus dem Haus...."

Um das künftig zu verbessern, wird nun im Ministerium eine eigene Arbeitsgruppe Mathematik gebildet. Man habe sich die Frage gestellt, warum die Mathe-Matura an den BHS besser funktioniere als den AHS, ekrlärte Faßmann. Während bisher für beide Bereiche unterschiedliche Personen zuständig waren, wird  nun der bisherige Referatsleiter für die Mathematik an den BHS, Martin Hofer, mit der Führung eines zusammengelegten AHS- und BHS-Referats betraut. Außerdem werden die sogenannten "Item-Writer" für die AHS ausgetauscht - das sind jene Personen (meiste Mathe-Lehrer), die die Maturaaufgaben erstellen.

Die Änderungen, kündigt der Minister an, würden sich bis zum Matura-Haupttermin 2021 ausgehen.

Dennoch: "Was wir auf keinen Fall wollen, ist, die Mathematikmatura als Okkasion anzubieten", sagt Faßmann. "Mir geht es nicht um eine Verbilligung der Mathamatik-Matura. Mathematik ist so ein wichtiges Fach, denn es fördert wie kein anderes Fach das logische, abstrakte und zusammenhängende Denken.'" Guten Schülern wolle man eine Chance geben, ein Gut im Zeugenis zu lesen und "Bemühten" ein Genügend ermöglichen.

Nach Geschlechtern betrachtet zeigte sich, dass die Mädchen in Deutsch und Englisch besser waren als die Burschen, in Mathematik aber hinterher hinken.

Eher gering sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern. Auffällig: Vorarlberg hat sowohl an AHS als auch an BHS die meisten Fünfer in Mathe (nach Kompensationsprüfung). Alle anderen Länder liegen bei den Fünfern knapp beieinander, auch bei den "Sehr Gut" gibt es über alle Fächer gerechnet keine klare Tendenz - die einen Länder sind im einem Fach oder Schultyp vorn, die anderen in anderen.