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Politik Inland
02/19/2019

Darauf muss Sebastian Kurz beim Handshake mit Trump achten

Der Körpersprachen-Experte Stefan Verra sprach mit dem KURIER über die Bedeutung der Gestik in der Politik.

von , Johannes Arends

US-Präsident Donald Trump ist berüchtigt für seinen festen, oftmals unangenehm langen Händedruck. Am Mittwochabend darf Sebastian Kurz diese Erfahrung im Weißen Haus erstmals selbst machen. Der Körpersprachen-Experte Stefan Verra sprach mit dem KURIER über die Bedeutung des "Presidential Handshake".

Laut Verra ist Trumps Körpersprache dadurch besonders auffällig, dass er seine Bewegungen nicht anpasst: "Wenn sich zwei Ghetto-Brüder in New York ausladend begrüßen, dann passt das zusammen. Wenn es nur einer macht, dann wird es asymmetrisch."

Trump zieht seine Gesprächspartner immer dramatisch zu sich, was auf einen Ruck Nähe erzeugt. Er schüttelt auch immer sehr heftig und legt danach seine Hand auf die seines Gesprächspartners. Verra sieht darin allerdings nicht unbedingt ein Zeichen von Dominanz, der auffällige Handschlag des US-Präsidenten ist immer gleich, obwohl sich inzwischen sogar ihm freundlich gesinnte Medien darüber lustig gemacht haben.

"Er hat einfach eine geringe Propriozeption - Selbstwahrnehmung. Manchmal wirkt er in seiner Körpersprache sogar etwas weiblich, was er sicher nicht beabsichtigt", meint Verra. "Er beherrscht die feine Körpersprache nicht und wirkt daher ungeschickt. Politiker sind eben auch nur Menschen."

Kurz wirkt "alt" - auf eine positive Art

Sebastian Kurz werde von Gesprächspartnern trotz seiner Jugend sehr ernst genommen, meint Verra. "Sein Habitus vermittelt Überlegtheit. Bei Handshakes hat er eine eher langsame Körpersprache", so der Experte. "Er wirkt also körpersprachlich gesehen 'alt', auf eine positive Art. Er ist langsam, gelassen, erhaben. Allerdings damit auch wenig mitreißend."

Nähe würde Kurz hingegen offensichtlich "kaum aushalten", was bei dem Wangenkuss mit Jean-Claude Juncker sichtbar geworden sei. Verra: "In dem Moment hat er viel an Souveränität verloren."

Für den Besuch in Washington empfiehlt der Körpersprachen-Experte Sebastian Kurz, selbstbewusst aufzutreten. Er solle aber nicht versuchen, Trump zu toppen - das würde den Kräfteverhältnissen nicht gerecht. Verra geht aber ohnehin nicht davon aus, dass das passieren wird: "Mit seiner zurückhaltenden Körpersprache wird er gut zurechtkommen".

Strache und Kurz "perfektes Tandem"

In Bezug auf die Körpersprache sind die beiden Parteichefs der türkis-blauen Koalition laut Verra ein gutes Team: "Während Strache den Frust und die Wut vieler Österreicher darstellt, die man in einem Kanzler nicht unbedingt haben will, macht Kurz eine souveräne Spitze."

Körpersprache sende grundsätzlich starke, wichtige Signale und sei oftmals ein deutlich einflussreicherer Faktor in der Politik, als Inhalte. Der Knicks von Außenministerin Karin Kneissl vor Wladimir Putin - bei ihrer eigenen Hochzeit - sorgte beispielsweise für große mediale Aufregung.