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Politik Inland
11/10/2020

Corona: SPÖ will der Verlängerung des Lockdowns zustimmen

Pamela Rendi-Wagner sieht im Contact Tracing den Schlüssel zur Pandemiebekämpfung. Darauf zu verzichten sei eine "Kapitulation".

von Christian Böhmer

Als „dramatisch“ und „zugespitzt“ bezeichnet SPÖ-Chefin und Infektiologin Pamela Rendi-Wagner die gegenwärtige Entwicklung der Infektionszahlen in Österreich. „Bei den Neu-Infektionen liegen wir über dem EU-Schnitt und fast doppelt so hoch wie Deutschland“, sagt Rendi-Wagner. „Was die Auslastung der Intensivbetten angeht, sind wir in einzelnen Bundesländern wie Oberösterreich bereits an die Grenzen stoßend.“

Rendi-Wagner ortet beim Anstieg der Neu-Infektionen mittlerweile zwar eine „schwache Entschleunigung“ und einen „möglichen Hinweis, dass die bereits vor dem Lockdown erlassenen Regeln Wirkung entfalten“. Dessen ungeachtet wird die SPÖ im Hauptausschuss des Nationalrats dafür plädieren, den Lockdown um weitere zehn Tage zu verlängern. „Denn die Wirkung der bisher gesetzten Maßnahmen wird sich erst in den nächsten Tagen wirklich zeigen.“

Kapitulation

Massive Kritik übt Rendi-Wagner  in diesem Zusammenhang an der Art und Weise, wie in Österreich das Contact Tracing gemacht werde. Dieses sei der „Schlüssel jeglicher Pandemiebekämpfung“, und es sei demnach ein „absolutes No-Go“, das Contact Tracing der Epidemie aus Überlastung einzustellen, wie dies etwa in Vorarlberg passiert sei. "Das ist eine Kapitulation vor dem Virus."

Contact Tracing sei nicht nur im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Virus zentral. „Ein gutes Contact Tracing ermöglicht zudem, die Treffsicherheit von Maßnahmen zu evaluieren.“

Dass sich Österreich im vergleichsweise ruhigen Sommer personell und auch inhaltlich nicht ausreichend für das Contact Tracing im Herbst gerüstet habe, sei  ein Versäumnis, das sich nun räche. Rendi-Wagner plädiert außerdem dafür, einen ständigen interdisziplinären Expertenrat einzusetzen, der die Kommunikation in der Pandemie übernimmt. „Es ist notwendig, Wissenschaftler hier frei reden zu lassen.“

Dieser Rat solle auch Vorschläge für die Zeit nach dem zweiten Lockdown machen, um zu verhindern, „dass man im Blindflug in den dritten Lockdown geht“. In diesem Zusammenhang erinnerte die Medizinerin daran, dass mit dem Obersten Sanitätsrat eigentlich ein gesetzlich verankertes Gremium vorhanden sei, das dieses Kriterium erfüllt. Allein: Seit dem Vorjahr ist der Oberste Sanitätsrat unbesetzt. 


Umweltmediziner Hans-Peter Hutter argumentierte – wie auch Rendi-Wagner – gegen eine Schließung der Schulen. Kinder seien für das Infektionsgeschehen vergleichsweise unwichtig. Demgegenüber seien die Kollateralschäden, die umfassende Schulschließungen wirtschaftlich, medizinisch und gesellschaftlich brächten, unverhältnismäßig groß. Hutter: „Man muss nicht mehr den Arm amputieren, wenn es um Probleme im kleinen Finger geht.“ Anstatt die Gesellschaft flächendeckend zuzusperren seien intelligente und „maßgeschneiderte“ Lösungen gefragt. Laut Hutter forsche man seit zwei Jahrzehnten zu Fragen wie etwa der intelligenten Belüftung der Schulklassen. „Es gibt all diese Daten und wir müssen nur Lösungen finden, die auch langfristiger funktionieren.“

Als einen konkreten Ansatz nennt Hutter die „Desynchronisation der Gesellschaft bzw. auch der Schulen: Würden Unterricht und Arbeitszeiten „gestreckt“ bzw. gestaffelt, so könne man die Interaktion der Menschen und damit auch das Ansteckungsrisiko deutlich verringern. 

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