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Politik Inland
08/08/2021

Dagegen, unentschlossen oder zu bequem? Wer noch nicht geimpft ist

Viele Frauen sehen Impfung skeptisch, sind aber im Gegensatz zu den 15 Prozent harten Impfgegnern noch erreichbar.

Knapp 60 Prozent der √Ėsterreicher haben sich zumindest einen Erststich abgeholt. Aber wie k√∂nnen jene motiviert werden, die bislang noch gar nicht zur Corona-Impfung gegangen sind? 

Diese Frage besch√§ftigt angesichts t√§glich sinkender Impfzahlen (siehe Grafik unten) derzeit die Politik. Und je langsamer in √Ėsterreich geimpft wird, desto lauter werden die Appelle und kreativer die Ideen.

Vom Impfboot auf der Alten Donau f√ľr das niederschwellige Angebot √ľber mehr oder weniger sanften Druck durch das Ende der Gratis-Tests bis hin zu Impfpflicht f√ľr bestimmte Berufsgruppen reichen derzeit die Vorschl√§ge.

Die Politikwissenschafterin Katharina T. Paul und der Kommunikationswissenschafter Jakob-Moritz Eberl von der Universit√§t Wien geben nun eine neue, √ľberraschende Antwort.

Will die Politik die Impfquoten steigern, muss sie auf Frauen setzen, sagen die beiden im Gespräch mit der APA.

Frauen w√ľrden n√§mlich einen gro√üen Teil jener Gruppe ausmachen, die der Corona-Impfung zwar skeptisch gegen√ľber steht, aber potenziell noch erreichbar ist. Durch zielgerichtete Kampagnen k√∂nnte man so auch die Impfquoten bei Kindern steigern.

15 Prozent harte Impfgegner

Konkret lehnen in √Ėsterreich 15 Prozent der √úber-14-J√§hrigen eine Corona-Impfung aus √úberzeugung ab, zeigen Daten des Austria Corona Panel Project der Uni Wien, f√ľr das seit Mai 2020 je 1.500 Personen regelm√§√üig befragt werden.

Diese Gruppe zum Impfen zu bewegen, sei wegen ihrer seit Beginn der Pandemie eingefahrenen Einstellungen"ganz schwierig", so Studienmitarbeiter Eberl.

"W√ľrden die Verantwortlichen in der FP√Ė eine Corona-Impfung empfehlen, w√ľrden wir hier viel weiterkommen", betont der Kommunikationswissenschafter. Das werde allerdings wohl nicht passieren und auch wegen der bei Impfskeptikern vorherrschenden Skepsis gegen√ľber Wissenschaft und Medien sei diese Gruppe besonders schwer erreichbar.

11 Prozent grundsätzlich impfbereit

Gro√ües Potenzial f√ľr eine Steigerung der Impfquote sieht Eberl allerdings bei jenen elf Prozent, die sich selbst grunds√§tzlich als impfbereit einstufen, sowie jenen f√ľnf Prozent, die sich "eher nicht" impfen lassen wollen. W√§hrend die Impfbereiten sich in der Regel ohnehin tats√§chlich immunisieren lassen, brauche es f√ľr die "Zweifler" besonders einfach zug√§ngliche Angebote wie Impfungen im Einkaufszentrum oder speziell auf die Zielgruppe ausgerichtete Informationskampagnen.

Bildung bei Impfwahrscheinlichkeit nicht entscheidend

Dabei sollte der Fokus allerdings nicht auf den ohnehin nicht erreichbaren impfskeptischen Männern aus dem rechten politischen Spektrum liegen, sind sich Paul und Eberl einig. Auch Bildung sei bei der Impfwahrscheinlichkeit nicht entscheidend, "deshalb ist auch Kommunikation - also Aufklärungskampagnen - nur bedingt wirksam", so Paul. Vielmehr solle man der Gruppe der Frauen besondere Beachtung schenken.
  

Diese sind n√§mlich, wenn man die Gruppe der unerreichbaren Impfskeptiker beiseite l√§sst, deutlich zur√ľckhaltender bei der Entscheidung f√ľr eine Corona-Impfung als M√§nner: Im Mai z√§hlten beim Austrian Corona Panel Project - nach Bereinigung um schwer zu √§ndernde Faktoren wie etwa Alter, Bildung - 23 Prozent der Frauen zur Gruppe der Impfskeptiker. Unter M√§nnern haben damals 18 Prozent die Frage, ob sie sich ehestm√∂glich impfen lassen werden, (eher) verneint. Bei der Frage, ob sie ihr Kind bei Vorliegen eines f√ľr diese Gruppe zugelassenen Impfstoffes ehestm√∂glich impfen lassen wollen, waren zwei Drittel der befragten Frauen ablehnend oder unentschieden, unter M√§nnern waren es 57 Prozent.

Der Grund f√ľr die h√∂here Skepsis von Frauen gegen√ľber der Corona-Impfung laut Paul: die h√∂here Betroffenheit. Sie seien eher das Ziel von Falschinformationen - etwa den fr√ľh aufgetauchten Behauptungen, dass die Covid-19-Impfung sich auf die Fruchtbarkeit auswirke - und auch tats√§chlich h√§ufiger von etwaigen Nebenwirkungen wie Thrombosen betroffen. Letztere seien medial leider deutlich st√§rker kommuniziert worden als die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose bei einer Covid-Infektion deutlich gr√∂√üer ist als nach einer Impfung, bedauern Paul und Eberl.

Frauen grundsätzlich impfskeptischer

   Frauen waren au√üerdem auch schon vor Corona st√§rker von Impfskepsis betroffen. Als Grund vermutet Paul, dass in der Regel Frauen mit ihren Kindern zu den Vorsorgeterminen gehen und dabei Nutzen und m√∂gliche Nebenwirkungen bzw. Risiken von Impfungen abw√§gen m√ľssen. "Dieses Konfrontiertsein mit dieser Entscheidung macht etwas mit der impfkritischen Haltung."

Um die Impfquote unter Frauen und in weiterer Folge auch unter Kindern zu steigern, sollte deshalb anstelle von reiner Information auf einen Dialog mit den Familien gesetzt werden, bei dem sich √Ąrzte auch wirklich Zeit f√ľr das Beantworten von Fragen etwa rund um m√∂gliche Risiken oder Nebenwirkungen nehmen k√∂nnen. "Das Ernstnehmen der Sorgen kann einen gro√üen Unterschied bewirken in Entscheidungen f√ľr eine Impfung, auch bei Covid." Vor allem in l√§ndlichen Gebieten seien Haus√§rzte hier ein wichtiger Hebel.

K√ľnftige Kampagnen sollten au√üerdem auch auf die Frage setzen, wie die Impfentscheidung st√§rker von den Jugendlichen selbst getroffen werden kann. Diese Gruppe d√ľrfe man √ľbrigens trotz der geringen Impfquote nicht als impfunwillig oder -skeptisch einordnen. Immerhin gebe es erst seit Kurzem √ľberhaupt ein Impfangebot f√ľr diese Gruppe, dazu komme eine Verz√∂gerung durch die Ferienzeit.

Niederschwellige Angebote

Grunds√§tzlich m√ľsse das Impfen den Menschen so einfach wie m√∂glich gemacht werden, betonen Paul und Eberl. So k√∂nne man auch jenen relevanten Teil unter den Ungeimpften besser erreichen, die in niedrigqualifizierten Jobs t√§tig sind und etwa den Besuch einer Impfstra√üe schwer in ihren Arbeitsalltag eintakten k√∂nnen.

F√ľr Druck, etwa durch unterschiedliche Regelungen f√ľr Geimpfte und Ungeimpfte an den Schulen, sei es hingegen zu fr√ľh, so Paul auch mit Verweis auf Epidemiologen. "Das k√∂nnte f√ľr Verwirrung sorgen, f√ľr Widerstand und eine Art Spaltung der Gesellschaft." Aus anderen L√§ndern wisse man, dass etwa als Reaktion auf Druck bei der Impfentscheidung vermehrt Kinder aus den Schulen genommen wurden. Stattdessen solle man auch an den Schulen den Zugang zur Impfung einfacher machen und - wie schon bei der HPV-Impfung - etwa Schul√§rzte einbinden.

Auch Eberl warnt davor, dass durch Druck jene f√ľnf Prozent der Bev√∂lkerung, die die Corona-Impfung zwar eher ablehnen, aber durch Dialog oder niedrigschwellige Angebote noch erreicht werden k√∂nnten, endg√ľltig ins Lager der √ľberzeugten Impfskeptiker wandern k√∂nnten. "Das sollte erst die letzte Station sein, wenn alles andere nicht wirkt."

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