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Politik Inland

Bye-bye Dienstmann: Dienstleistungsjobs werden wegdigitalisiert

Service ohne Menschen. Auch Dienstleistungsjobs werden wegdigitalisiert – ein Umbruch, der uns noch beschäftigen wird.

von Georg Leyrer

03/03/2019, 05:01 AM

Erstmal diskutieren, dann ein bisserl Kistenschleppen, und am Schluss rasch ein Schnapserl: Besser kann man den jahrzehntelang bewährten Dienstleistungszugang in Österreich nicht auf den Punkt bringen als Hans Moser und Paul Hörbiger im legendären „Hallo, Dienstmann“-Sketch. Da erkennt man viel von diesem Land wieder.

Noch. Denn wer das in ein paar Jahren mit seinen Enkerln anschaut, wird mit einer neuen Frage konfrontiert sein: „Machten sowas früher wirklich Menschen?“ Vielerorts wird es nämlich nicht nur heißen: „Bye-bye, Dienstmann“. Sondern: „Hallo, Dienst-App“.

Selbstbedienstleistung

Denn es werden nicht nur die manuellen Produktionsjobs – Lagerarbeiter, Mechaniker – wegdigitalisiert. Sondern zunehmend auch jene Dienstleistungsjobs, die eigentlich die postindustrielle Servicegesellschaft hätten prägen sollen. Man gibt seine Koffer selber auf, checkt am Automaten ein, rechnet seinen Supermarkteinkauf an der Selbstbedienungskassa ab und sucht sich sein Hotel selbst. Man tippt auf den Burger, den man essen will, ruft nicht die Taxivermittlung an, sondern die Uber-App auf. Irgendwann kommt dann überhaupt das selbstfahrende Taxi.

Diese Digitalisierung des Servicebereichs ist für Kunden mal ein Ärgernis, mal ein Gewinn. Vor allem aber ist sie ein Vorbote eines wirtschaftlichen Umbruchs, für den Österreich überhaupt nicht gerüstet ist.

Was tun mit all diesen Menschen, die früher ein gesichertes Erwerbsleben hatten, nun aber durch Automaten und Apps ersetzt werden?

Natürlich weiß keiner, was die Zukunft bringt. Und die Experten sagen: Mit Bildung wird sich das lösen lassen, und jeder Umbruch hat neue Arten von Jobs gebracht. Es gibt aber ein Science-Fiction-artiges Szenario, das nahelegt, dass dies ein klassischer Fehlschluss sein könnte. Zuletzt haben wir schon mehrfach beobachtet, dass wildeste Zukunftsfantasien wahr geworden sind.

Man vernimmt in diesem Szenario jobzukunftstechnische Kassandra-Rufe. Es geht um die Frage, wie man Menschen versorgt, die wegen der Digitalisierung keinen Job mehr bekommen. Und zwar: nie wieder. Nicht Schulabbrecher oder typische Problemfälle. Sondern weit in die Mittelschicht hinein.

Darauf, dass sich das Sozialgefüge völlig umkrempeln könnte, machen insbesondere auch Menschen aufmerksam, die man nicht gerade als Extremsozialisten bezeichnen würde. Etwa Bill Gates. Der sieht es als unvermeidlich an, dass viele Menschen künftig vom sogenannten bedingungslosen Grundeinkommen leben werden. Jeder soll demnach genug Geld zum Leben bekommen, ohne etwas zu arbeiten.

Noch sei es nicht so weit, sagte Gates diese Woche. Aber für viele Menschen könnte die Welt nach der kommenden digitalen Umwälzung, bei der simple Automatisierung Hand in Hand mit intelligenznahen Systemen gehen wird, keine Jobs mehr bieten. Und nein, sagt Elon Musk (auch kein Kommunist!), es ist alles andere als klar, dass neue entstehen.

Was man als Vorbote deuten kann: die sogenannte Gig Economy. Die Uber-Fahrer und Fahrradboten und andere Kurzdienstleister, die via App herbeigerufen werden, ihre Aufgabe erledigen, und die man dann nie wieder sieht. Die sind für den Konsumenten billiger. Vor allem deswegen, weil sich die Vermittlungsplattformen Lohnnebenkosten, Steuern etc. ersparen. Das schnelle Glücksgefühl des guten Deals bezahlt man mit der langfristigen Auflösung des sozialen Zusammenhalts.

Für immer Urlaub

Der positive Twist dieser negativen Zukunftsvision: Roboter und Programme werden künftig die Arbeit so effizient erledigen, dass die Gesellschaft reich genug sein wird, um allen das Leben zu finanzieren. Für immer Urlaub!

Dazwischen aber könnte eine Adaptionsphase liegen, die mit vehementen Übergangsschmerzen einhergeht. Zuletzt ging beim Weltwirtschaftsforum in Davos „wirklich die nackte Angst vor der ganz großen Arbeitslosigkeit um“, sagte der Philosoph Richard David Precht kürzlich in Österreich. Hier aber lässt man sich von diesen Aussichten nicht bei den eingeübten politischen Tänzen stören. Man streitet ausführlich über Mindestsicherung und Lehrerstunden, anstatt über die wirklichen über Zurüstungen für das Kommende.

In die Zukunft schauen? Da schaut man lieber „Hallo, Dienstmann“.

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