Hanno Settele unterwegs mit Andreas Khol

© APA/ORF/NEUMAYR/SB

Hofburg-Wahl im TV
04/07/2016

Monsieur Khol und seine Töchter

TV-Kritik: Zum Abschluss der "Wahlfahrt" nahmen die Koalitions-Kandidaten Hundstorfer und Khol im Mercedes Platz.

von Peter Temel

"Aber wir machen doch eine unpolitische Reise", sagte Andreas Khol (ÖVP) im dritten und letzten Teil der Interviewserie "Wahlfahrt - Auf in die Hofburg" (ORFeins). Aber es nützte alles nichts: Der wissbegierige Chauffeur Hanno Settele hatte bereits seine Vorlesekarten gezückt. Die Erwartung des Spiels "Wer hat's gesagt?" sorgte auch beim zweiten Bundespräsidentschaftskandidaten Rudolf Hundstorfer (SPÖ) für Kopfschütteln. Warum? "Na weil ich mir ungefähr vorstell', was da jetzt kommt."

Die beiden Kandidaten taten sich einigermaßen schwer auseinanderzuhalten, ob nun FPÖ-Politiker oder Koalitionskollegen die von Settele vorgetragenen Hardliner-Forderungen aufgestellt hatten. Das Archiv ist eben gnadenlos. Die Regierungslinie in Sachen Flüchtlinge verteidigten beide Beifahrer im Vintage-Mercedes aber bedingungslos. Die Zeiten hätten sich eben, was die Flüchtlingszahlen betrifft, geändert.

Khol betätigte sich auch als präsidentieller Gesetzeshüter und ermahnte Settele, während des Autolenkens nicht vom Blatt zu lesen und auf die Straße zu achten. Der Tiroler erwies sich in dem lockeren Polit-Format wesentlich quirliger als Hundstorfer, auch wenn dieser den VP-Klubchef Reinhold Lopatka betont lässig mit "Lopi" titulierte und mehrere Wahlgeschenk-Mozarttaler "vernichtete".

Kühe und Multikulti-Familie

So spielte Khol etwa den Reiseleiter (sein Job in jungen Jahren) und schwärmte mehrsprachig über die Schönheiten des Pinzgaus. Dabei fiel ihm eine Anekdote über seinen Sohn ein, ein Veterinär, der als Bub über die Schönheit von Kühen schwärmte. "I hab ma gedacht, Herrgott, so hab' ich in dem Alter von die Weiber g'red't", sagte Khol etwas zu offenherzig, und fügte hinzu: "Von den Mädchen!"

Im lockeren Plauderton berichtete der bekennende Katholik weiters über einen Schwiegersohn, der Hindu sei, eine muslimische Schwiegertochter und über einen weiteren Schwiegersohn, der sich zur Sozialdemokratie bekenne. Letzteres tue ihm wohl am meisten weh, scherzte der ORF-Journalist am Lenkrad. Der ÖVP-Politiker widersprach dem vehement: "Da darf man nicht engherzig sein." Die Szene erinnerte stark an die französische Multikulti-Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter".

Hundstorfer in Hundsdorf

Hundstorfer zeigte sich reservierter, selbst als er bei einem Zwischenstopp von Hundsdorfern im gleichnamigen Ort begrüßt wurde. Als Settele ihn als ewige Personalreserve der SPÖ bezeichnete, reagierte Hundstorfer auffallend ehrlich: "Manchmal macht es nachdenklich, dass man als 64-Jähriger Personalreserve ist." Er freue sich jedenfalls darauf, "dass ich's werd'" - also Bundespräsident. Der Optimismus wirkte etwas gar gewollt.

Das Stigma der "zweiten Wahl" konnte Khols Stimmung nicht trüben. Vom NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll, dem ursprünglichen ÖVP-Favoriten, fühle er sich unterstützt. "Und natürlich, mit dem Erwin reden ist immer ein Gewinn". Offenbar redet Khol aber auch gern mit Settele: "Ich würde Sie zum Kabinettsdirektor ernennen", scherzte Khol.

"Facebook für Dummies"

Er schoss ein Selfie mit Settele und lichtete mit dem Smartphone auch Salzburger Kühe ab. "Sie wissen, ich bin ein Super-User, was diese Elektronik betrifft". Dass Hundstorfer hingegen Nachholbedarf in Sachen neuer Kommunikationstechniken habe, diesen Vorwurf wollte ihm der Settele nicht ersparen. Den Start in den Social-Media-Wahlkampf habe Hundstorfers Team verschlafen. Als Abschiedsgeschenk gab es daher das Ratgeber-Buch "Facebook Marketing, Social Media für Dummies".

Zum Abschluss der unterhaltsamen, vorerst letzten Staffel des ungewöhnlichen Politikformats, stand Settele allein bei seinem schwarzen Mercedes. Etwas verstohlen und ungelenk warf sich der Moderator die präsidentielle rot-weiß-rote Schärpe über die Schulter, bevor er Richtung Hofburg brauste. Schlusspunkt im schmissigen Soundtrack: "Everyone's A Winner" von Hot Chocolate.

Bei der "Wahlfahrt" gab es diesmal tatsächlich (fast) nur Gewinner. Man darf hoffen, dass Settele nur eine kreative Pause bis zur nächsten Nationalratswahl macht, um dann erneut durchzustarten.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.