Politik | Inland
02.04.2016

"Erster Staatsbesuch? Indien! ;-)"

Im KURIER zeigt der ÖVP-Kandidat erstmals seine drei indischen Enkelkinder.

"Sind meine drei Mädchen nicht wunderbar? Jede ist so talentiert und hübsch. Bei der Ältesten, Indira, habe ich gelernt, was es heißt, Großvater zu sein. Und die Jüngste, Neha, ist unser Schmuckstück."

Ausgerechnet wenn Andreas Khol in die dunkeln Augen seiner drei indischen Enkeltöchter Indira (19), Sarika (17) und Neha (15) schaut, gehen mit dem deklariert konservativen ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidat metaphorisch die Pferde durch.

Klingt im ersten Moment nach einem Paradoxon. Mit Khol assoziiert man vieles. Frömmigkeit, harte Flüchtlingspolitik, Bibelzitate, Sonntagskirchgang – aber mit Sicherheit nicht einen Mann, der Multikulti lebt. Aber er macht es doch.

War der indische Schwiegersohn, der in London Inhaber eines der besten Asia-Restaurants ist, die Prüfung Gottes für den gläubigen Khol?

"Nein", lacht er. Die überraschende Botschaft eröffnete Tochter Hemma (47, sie ist das dritte der sechs Khol-Kinder), die in London in der Hotelbranche arbeitet, ihren Eltern vor über 20 Jahren ganz unverblümt am Telefon. "Mama, ich liebe einen Inder."

Statt der programmierten Familienkrise reagierte Heidi Khol gelassen und hatte nur eine Frage: Welche Farbe hat sein Turban? "Mitte der 90er-Jahre waren viele Sikhs in Wien und meine Frau dachte deswegen, Inder tragen einen Turban", erzählt der sechsfache Vater Khol amüsiert.

Auch wenn der ÖVP-Politiker gelassen reagierte – so ganz ohne Check, ob der Inder wirklich in die katholische Familie passt, ging es dann doch nicht. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Zum "Abtesten" des Schwiegersohns in spe wurde der jüngste Sohn Julian nach London geschickt. Eine Prüfung mit Folgen für beide Seiten. Julian jobbte im Restaurant und signalisierte den Eltern nach Wien: "Arjun ist in Ordnung", erinnert sich Khol. Im hippen Asia-Lokal wurde Sohn Julian, der heute mit der türkischstämmigen RTL-Moderatorin Nazan Eckes zusammenlebt, von einem Modelagenten angesprochen. "Das war der Anfang seiner erfolgreichen Modelkarriere."

Beim ersten Stelldichein in Wien funkte es sofort zwischen dem Hardliner-Politiker Khol und Arjun Varma. "Er hat die Herzen der Eltern sofort erobert, weil ihm Familienwerte sehr wichtig sind", erzählt Tochter Hemma. Just der indische Schwiegersohn bewahrt jene Werte, die Khol seit Jahrzehnten in der Politik verteidigt. Man könnte es fast Ironie des Schicksals nennen. "Die drei Enkeltöchter sind römisch-katholisch getauft. Neha ist sogar Ministrantin", erzählt Khol.

Das indische Enkerl-Trio, das gerne Saris trägt, spricht perfekt Deutsch. Im Sommer und zu Weihnachten steht ein Besuch in Österreich am Programm. "Wir lieben die Berge. Hier genießen wir die Ruhe. Das kennt man in London nicht." Die Großeltern wiederum besuchen in London indische Tempel. Ein gemeinsamer Besuch in Indien steht seit Jahren am Plan, nur geklappt hat es noch nicht. "Ich werde meinen ersten Staatsbesuch nach Indien unternehmen", scherzt Khol.

Den Wahlkampf ihres Großvaters verfolgen Indira, Sarika und Neha auf Facebook und via Internet. Die älteste Enkeltochter will wie ihr Großvater in die Politik einsteigen. Im Vorjahr machte Indira ein Praktikum in österreichischen Parlament. "Ich möchte die Frauenrechte in Indien stärken", erzählt die 19-Jährige, die eine Elite-Uni in London besucht, wo sie Geschichte, Indisch und Arabisch studiert. Die 17-jährige Sarika will Naturwissenschaftlerin werden . "Sie wird nächstes Jahr das King’s College besuchen", so der stolze Opa. Angst um seine Familie in London in Zeiten des Terrors hat der ÖVP-Politiker nicht. "Großbritannien lebt schon seit fast 100 Jahren mit Terror. Daher ist das Bewusstsein einer ständigen Sicherheitsgefährdung in den Menschen verankert. In der Terrorbekämpfung kann Großbritannien in vielem ein gutes Beispiel sein", meint der Bundespräsidentschaftskandidat.

Zum Wahlwochenende wird aber nur Tochter Hemma mit der Enkelin Neha nach Wien kommen. "Die anderen beiden Enkeltöchter müssen lernen." Aber Neha mit ihrem Lockenkopf – das sieht am Khols Blick– ist sowieso Opas Sonnenschein.