Hofer, Strache und Kickl

© APA/GEORG HOCHMUTH

Nach der Hofburg-Wahl
12/06/2016

FPÖ: "Nach der Wahl ist vor der Wahl"

Nach der Hofburg-Wahl resümierte die FPÖ die Niederlage von Norbert Hofer. Dabei wurde nicht auf die gewohnte Medienschelte vergessen.

von Jürgen Klatzer

Fotos, Fotos, Fotos. Ein Blitzgewitter erleuchtete den Raum, als Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache den Raum betraten und sich an den Tisch vor die Medienvertreter setzten. Noch ein Schluck Wasser, dann ist es Zeit - nach fast einem Jahr Wahlkampf - ein freiheitliches Resümee zu ziehen. Deshalb gaben der gescheiterte Kandidat und der FP-Chef eine Pressekonferenz zur Bundespräsidentschaftswahl (hier geht's zum LIVE-Ticker) und sparten dabei nicht mit Kritik an den Medien.

"Du wärst ein großartiger Präsident geworden"

Zunächst aber bedankte sich Strache bei seinem "guten Freund Hofer" für seine "unglaublich großartige Arbeit und Leistung. Du bist ein großartiger Mensch und ich bin überzeugt, dass du ein großartiger Bundespräsident geworden wärst. Leider hat es diesmal nicht gereicht. Aber in sechs Jahren kann es ganz anders aussehen", resümiert der FPÖ-Chef den langen Wahlkampf. Dem künftigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen wünschte er viel Glück, denn nun müsse er sein Versprechen einhalten und "ein Präsident für alle Österreicher und Österreicherinnen sein".

Nachdem er auch noch FP-Generalsekretär Herbert Kickl für den "hervorragenden Wahlkampf" gedankt hat, startete der FP-Bundesobmann mit einem kurzen Rückblick seine Kritik an den Medien. Vor einem Jahr hätte niemand daran gedacht, dass ein Freiheitlicher überhaupt in die Stichwahl kommen würde, sagt Heinz-Christian Strache, der zugleich aus einem kurier.at-Artikel zitiert, in dem österreichische Medien Hofer als "Ersatzmann" und "Notlösung" bezeichnet hatten und ihm keinerlei Chancen einräumten (hier zum Nachlesen).

"Aggressive Kampagne gegen Hofer"

"Die Zeit war noch nicht reif für einen freiheitlichen Bundespräsidenten", sagte Strache. Tatsache sei aber, dass man die Kandidaten der Regierungsparteien trotz der "erdrückenden Medienlandschaft" geschlagen habe. Der FP-Chef ortete eine "aggressive Kampagne" gegen Norbert Hofer. "Ein Nachrichtenmagazin (profil, Anm.) hat in den vergangenen Tagen explizit für Van der Bellen geworben", erklärte er. Auch Hans Peter Haselsteiner sei mit seiner Anti-Öxit-Kampagne gegen den Kandidaten der Freiheitlichen "scharf gefahren" (mehr dazu hier).

"Man konnte fast glauben, Norbert Hofer ist ein Dämon mit Schweif und Schwefel."

Deshalb müsse er einiges richtig stellen, erklärte Strache. Hofer sei in diesem Wahlkampf viel Falsches unterstellt worden. Er sei nicht für den "Öxit“ und die Diskussion rund um die Todesstrafe, bei der sich Hofer missverstanden gefühlt hatte (mehr dazu hier), sei von den Medien falsch wiedergegeben worden. "Noch nie in der Geschichte der Zweiten Republik hat es eine derart aggressive Kampagne gegen einen Kandidaten gegeben wie gegen Norbert Hofer. Man konnte fast glauben, Norbert Hofer ist ein Dämon mit Schweif und Schwefel."

Kern kein Macher, Mitterlehners Ablaufdatum überschritten

Aber von dieser medialen Kampagne lasse sich die FPÖ nicht unterkriegen. Man werde keine Wunden lecken, sondern gleich wieder angreifen. "Nach der Wahl ist vor der Wahl", sagte Strache in Richtung des "verkrusteten Systems". Die SPÖ und ÖVP seien innerlich zerrissen, auch weil VP-Chef Reinhold Mitterlehner gegen die eigene Doktrin verstoßen habe, indem er eine "Wahlempfehlung für Van der Bellen" abgab (mehr dazu hier). Zudem hätte Kanzler und SP-Chef Christian Kern kein Macherimage und Mitterlehner wüsste bereits, dass sein Ablaufdatum überschritten ist, sagte Strache.

Kurz danach schloss sich Norbert Hofer den Worten seines Chefs an. Er gratulierte Alexander Van der Bellen und wünschte ihm für die künftigen Aufgaben viel Erfolg. Zudem bat er die Wähler des ehemaligen Grünen-Chefs, sich mit den anderen Wählern zu versöhnen. Man müsse die Kluft überwinden, sagte Hofer.

Hofer: Keine Obmann-Debatte

Wie auch Strache versuchte er, "Missverständnisse", die während des Wahlkampfes aufgetaucht seien, zu klären. "Der Wahlkampf ist vorbei, nun können Sie mir glauben", sagte der gescheiterte Hofburg-Anwärter gewohnt lammfromm zu den Medienvertretern. "Ich bin gegen einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union und gegen ein Referendum für oder gegen die Todesstrafe."

Ob es nach der "erfolgreichen Wahl" eine Obmann-Debatte in der FPÖ geben wird, bestritt Hofer vehement und fügte hinzu, dass Heinz-Christian Strache ein wesentlich besserer Obmann sei als er jemals sein könnte. "Ich habe eine ganz andere Persönlichkeit. Ich bin einer, der kein guter Obmann der FPÖ sein kann. Wir haben einen guten Obmann“, erklärte der Dritte Nationalratspräsident. "Wahlergebniss sind der wahre Vertrauensindex." Deshalb werde er seinen Partei-Chef bei der kommenden Nationalratswahl unterstützen.

Hofer: "Enormer Mitgliederzulauf"

Aber was sagt Hofer zur Wahlniederlage? Er sehe sich darin bestärkt, dass man auf dem richtigen Weg sei, und er habe auch gelernt, dass man Ziele konsequent verfolgen müsse, "sonst würde ich heute noch im Rollstuhl sitzen", spielte er auf seinen schweren Paragleitunfall an. "Ich werde mich fit halten und in sechs Jahren neuerlich für das Amt des Bundespräsidenten zur Verfügung stehen." Was dem FPÖler noch auffällt, erklärte der 45-Jährige, dass man ohne "eigenes Zutun" einen "enormen Mitgliederzulauf" verzeichne. In den Bundesländern erreiche man derzeit "Rekordwerte".

Nach der Wahl würde es eine "Auslandsoffensive" der FPÖ geben, um außerhalb Österreichs "zu zeigen, wer wir wirklich sind". Denn, betonte Hofer, man sei eine "Mitte-Rechts-Partei", keine rechtsextreme Partei. Man habe bereits eine Einladung von Moskau, die man annehmen werde, auch China habe Interesse bekundet. In die USA werde Hofer natürlich auch reisen, "das habe ich immer wieder gemacht".

Regressforderungen?

Herbert Kickl, der Generalsekretär der Freiheitlichen, sparte wie gewohnt auch nicht mit Kritik an den anderen Parteien, die sich gegen Hofer zusammengeschlossen hätten. Es habe alle anderen Fraktionen gebraucht, um einen freiheitlichen Bundespräsidenten zu verhindern, erklärt er. Auf die Frage nach möglichen Regressforderungen an die Wahlbehörden wegen der Wiederholung der Stichwahl angesprochen, meinte Kickl, dass man sich mit dieser Frage noch nicht auseinandergesetzt habe (mehr dazu hier).

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