++ ARCHIVBILD ++ ANSCHOBER ZIEHT AUER AB, ÜBER ZUSÄTZLICHEN IMPFSTOFF NICHT INFORMIERT

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Politik Inland
03/15/2021

Impf-Bestellung: Nicht einmal Anschober wusste über Optionen Bescheid - Auer zieht sich zurück

Gesundheitsminister: "War über Zusatztopf von Impfungen nicht informiert." ÖVP begrüßt Auers Rückzug: "Richtige Lösung."

Viel ist passiert in seiner Abwesenheit. Seit Mittwoch vergangener Woche war Gesundheitsminister Rudolf Anschober nach einer Kreislaufschwäche im Krankenstand.

Rechtzeitig zum heutigen Corona-Gipfel, in dem das weitere Vorgehen für die kommenden Wochen beschlossen werden soll, meldete sich der Gesundheitsminister zurück.

Und das gleich mit einem Paukenschlag. Clemens Martin Auer ist ab sofort nicht mehr Teil der Impfkoordination, sagte Anschober im Ö1-Morgenjournal. Auer sah sich am Wochenende mit heftiger Kritik der ÖVP konfrontiert, nachdem Bundeskanzler Sebastian Kurz die intransparente Impfstoffvergabe innerhalb der EU als "Basar" bezeichnet hatte, auf dem manche Länder mehr bekommen würden als andere. Am Samstag forderte die Vize-Generalsekretärin der ÖVP, Gabriela Schwarz, die Suspendierung von zwei Beamten im Gesundheitsministerium – des Sonderbeauftragten Clemens Martin Auer und der Generalsekretärin Ines Stilling.

Im Gesundheitsministerium reagierte man zunächst nicht auf die Kritik, wies lediglich die Darstellung, des "Impf-Basars" zurück. Die Impfstoff-Vergabe sei transparent erfolgt.

Nicht einmal Anschober wusste Bescheid

Der Gesundheitsminister überraschte am Montag aber mit dem Eingeständnis, selbst nicht über den "Zusatztopf von Impfungen" informiert gewesen zu sein.

"Ich habe gestern deshalb das Gespräch mit Herrn Auer geführt. Er hat von sich angeboten, dass er sich aus der Impfkoordination zurück zieht. Das tritt sofort in Kraft", sagte Anschober im Morgenjournal.

Für eine Suspendierung, wie von der ÖVP gefordert, würden die Verfehlungen nicht reichen, erklärte Anschober. Auer hätte ihn aber über diesen zweiten Topf, wo mehr Impfstoff abgerufen hätte werden können, informieren müssen und das habe er nicht getan. Auer habe eigenmächtig auf weitere Bestellungen verzichtet, obwohl genug Geld zur Verfügung gestanden ist.

CORONA: PK DER REGIERUNG - NEHAMMER/KURZ/ANSCHOBER

ÖVP: "Auers Rückzug richtige Lösung"

Gaby Schwarz, die Gesundheitssprecherin der ÖVP, die am Wochenende Auers Rücktritt gefordert hatte, begrüßte in einer Aussendung die jüngste Entwicklung. "Jetzt braucht es gemeinsame Anstrengungen, um für genug Impfstoff und rasche Verimpfung in der Bevölkerung zu sorgen. Zudem wird es vollumfängliche Transparenz seitens des Gesundheitsministeriums geben." Es gehe um das Vertrauen der Menschen in die Impfung, aber auch um jenes in die Institutionen. 

Anschober äußerte sich auch zu seinem Gesundheitszustand. War es wieder ein Burnout? "Nein, sondern manche sagen ja, dass die Funktion des Bundesministers für Gesundheit einer der schwierigsten Jobs in der Pandemie ist", so Anschober. Er sei "ziemlich überarbeitet gewesen, ehrlich gesagt". Im vergangenen Jahr habe er kaum einen Tag frei gehabt. "Die Diagnose ist klar: Es gib keine Schädigungen, aber es ist eine Überarbeitung da gewesen." 

Dass die ÖVP justament während seines Krankenstands seine Spitzenbeamten kritisiert habe, habe ihn "überrascht". "Aber ich gehe zur Tagesordnung über und will mein Bestes geben". 

Er habe bereits gestern die "Sache im Detail analysiert", das Impfprogramm laufe gut und "es wird immer besser zu funktionieren beginnen". Eine Million Impfungen sei bereits erreicht. Auch Beschaffung des Impfstoffs sei "nicht Schwarz oder Weiß" zu sehen, sondern im Detail zu analysieren.

Anschober warnte im Ö1-Morgenjournal vor einer dritten Infektionswelle und kündigte einen Erlass für die Länder an, damit die Impfungen wieder einheitlicher verabreicht werden. Es müssten zuerst die älteren und die Risikogruppen geimpft werden, so der Minister.

Die Regierung berät heute mit Experten und Ländervertretern über die aktuelle Corona-Situation. Getagt wird virtuell per Videokonferenz, weitere Öffnungsschritte für die Zeit nach Ostern sind nicht zu erwarten. Man wolle kommende Woche die Lage noch beobachten, hat es zuletzt im Bundeskanzleramt geheißen.

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