Anschober setzt auf Testen statt hartem Lockdown wie in Deutschland

Gesundheitsminister mit dem ersten Durchgang bei Massentests zufrieden. Gute Organisation und Anreizsystem werde mehr Leute in die Teststraßen bringen

Massentests: Anschober zufrieden, will aber mehr Menschen erreichen

Eigentlich war es eine Pressekonferenz zur Pflege. Aber die Fragen an Gesundheitsminister Rudolf Anschober drehten sich nur um eines: Corona.

Wird es einen harten Lockdown wie in Deutschland geben?

Anschober: "Bei uns sinken die Zahlen, in anderen Ländern steigen sie gerade wieder. Die Prognosen für Österreich sagen voraus, dass sich der sinkende Trend fortsetzt. Die neue Prognose kommt am Mittwoch. Sollte sich der Trend verkehren, dann müssten wir uns die Frage des Lockdowns neu stellen."

Der Gesundheitsminister betont, dass Österreich eine Gegenstrategie zum Zusperren verfolge - und das ist intensives Testen. Anschober: "Wir wollen bei den Tests künftig auch Gruppen erreichen, die den Testungen bisher nicht positiv gegenüberstanden. Wir überprüfen eine Vielzahl an Handlungsmöglichkeiten."

Details wollte Anschober nicht verraten, aber wie berichtet will die Regierung mit Anreizen mehr Leute in die Teststraßen locken. Dem Vernehmen nach geht es um "Goodies" von bis zu 50 Euro pro Person, aber nicht um Bargeld.

Anschober glaubt auch, dass der gute Start der Massentestungen positive Folgewirkungen haben werde. Er habe nur Lob für die hervorragende Organisation als Feedback erhalten. Das werde auch Menschen, die bisher nicht hingegeangen sind, motivieren, sich testen zu lassen.

Anschober begrüßt die Intitiave von Tirol und Wien, die Gratis-Tests bis Weihnachten fortzuführen.

Außerdem erarbeitet die Regierung gerade gemeinsam mit den Sozialpartnern eine Liste von Berufen, wo verpflichtende Tests eingeführt werden.

In vielen Privatbetrieben werde bereits einmal wöchentlich die gesamte Belegschaft durchgetestet, sagen Anschober und Arbeitsministerin Christine Aschbacher.

Seit Beginn der Krise wurden in Österreich 3,5 Millionen Testungen durchgeführt, der erste Durchgang der Massentests brachte weitere zwei Millionen Testungen.

Steigende Zahlen richtig interpretieren

Anschober weist auch darauf hin, dass man die Zahlen richtig lesen müsse. Steigende Infiziertenzahlen bedeuten noch nicht, dass sich das Infektionsgeschehen tendenziell verschlechtert. In den Infiziertenzahlen seien die durch PCR-Tests bestätigten positiven Fälle, die bei den Massen-Antigen-Tests gefunden wurden, enthalten. Dadurch steigen die Infiziertenzahlen, aber: Man konnte 4200 Personen, die symptomlos, aber positiv sind, isolieren, sodass sie das Virus nicht weiterverbreiten können. Anschober: "Ohne Testung hätten diese positiven Fälle weitere Menschen unwissentlich angesteckt."

Impfen: Info statt Pflicht

Anschober spricht sich erneut gegen eine Impfpflicht aus. Die Regierung plant eine transparente Informationskampagne, bei der man die Erfolgsgeschichte des Impfens wieder sichtbar machen werde. Auch werde es eine Impf-Hotline geben.

100.000 Pflegestellen bis 2030

Zur Pflegereform berichtet Anschober, der Prozess mit Bund, Ländern, Städten, Gemeinden und Trägerorganisationen sei im Laufen. Bis zum Jahr 2030 werde es 100.000 zusätzliche Arbeitsstellen im Pflegebereich geben, weil der Bedarf enorm ansteigen werde. Diese 100.000 zusätzlichen Pflegekräfte will die Regierung durch Umschulen von Arbeitslosen und Ausbildung schrittweise erreichen.

Aschbacher berichtet, dass die 700 Millionen Euro schwere Weiterbildungsoffensive auch das Generieren von Pflegekräften zum Ziel habe.

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