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Politik Inland
08/13/2020

Ärztekammer-Präsident will Ausfälle durch Corona ersetzt haben

"Es macht überhaupt keinen Sinn, dass in einer Gesundheitskrise das Gesundheitssystem zurückgefahren wird", sagt Thomas Szekeres - kein Politiker dürfte das wollen.

von Raffaela Lindorfer

Die SPÖ schlug gestern Alarm: Im Gesundheitssystem klafft corona-bedingt ein Budgetloch, es drohen Leistungskürzungen und Selbstbehalte. Alleine in Wien seien 1.200 Spitalsjobs gefährdet, 700 bis 800 Kassenärzte-Stellen könnten nicht mehr finanziert werden, warnte Stadtrat Peter Hacker.

Die ÖVP sieht darin "Angstmache", und auch der grüne Gesundheitsminister Rudolf Anschober kritisiert die "Verunsicherungsparolen" im Wiener Wahlkampf.

Klar ist: Durch die Arbeitslosigkeit fehlen den Sozialversicherungen Einnahmen, vielen Betrieben wurden die Beiträge gestundet. Und auch die niedergelassenen Ärzte hatten in der Corona-Zeit weniger Einnahmen, da weniger Patienten in die Ordinationen kamen. Unklar ist, wie hoch dieses Minus ausfallen wird. Erste Zahlen werden im September erwartet.

Peter Lehner, Vize-Vorsitzender des Dachverbands der Sozialversicherungen, meinte nun, die Leistungen für die Patienten seien durch Liquidität gesichert. Den Kassenärzten legt er ans Herz, für ihre Interessen selbst bei der Regierung zu lobbyieren.

Leistungen kürzen? "Kein Politiker möchte das"

Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer, kann auch noch nicht abschätzen, wie hoch das Minus sein wird. 90 Prozent der niedergelassenen Ärzte haben in der Corona-Krise offen gehalten und in Schutzvorkehrungen investiert. Gleichzeitig gab es aber weniger Patienten und damit weniger Einnahmen, erklärte er am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal.

"Es wird notwendig sein, diese zu ersetzen", sagt Szekeres - und schaut dabei in Richtung Regierung. "Wir können uns nicht vorstellen, dass in einer Gesundheitskrise das Gesundheitssystem zurückgefahren wird. Das macht überhaupt keinen Sinn", sagt er. "Und ich gehe davon aus, dass es keinen Politiker gibt, der das möchte."

Wegen unseres guten Gesundheitssystems hätte Österreich die Krise bisher so gut bewältigt. "Die Sozialversicherung muss finanziell so aufgestellt sein, dass das Gesundheitssystem weiter funktioniert", betont der Ärztekammer-Präsident.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober kündigte am Mittwoch noch an, kommende Woche offizielle Gespräche mit der ÖGK über den Ausgleich für coronabedingte Finanzausfälle aufzunehmen. Im Laufe des September werde man „Lösungen fixieren und  Sicherheit schaffen“.

Ärztekammer-Präsident für Impfpflicht

In der Debatte um eine Impfpflicht bezieht der Kammerpräsident eindeutig Position: Aus medizinischer Sicht befürwortet Szekeres das. Einige Impfstoffe seien in der Entwicklung bereits sehr weit - er habe die Hoffnung, dass es in wenigen Monaten zu einer Zulassung kommt.

"Man sollte die Menschen im Vorfeld aufklären, dass sie eine sichere und wirkungsvolle Impfung bekommen. Das würde die Krise schlagartig lösen, und das möchten wir wohl alle", sagt er.

Um auch ausreichend Impfstoffe zur Verfügung zu haben, sollten rechtzeitig Optionen gekauft werden. Und er plädiert auch dafür, noch die vorhandenen Grippe-Impfstoffe zu verimpfen. Nur rund acht Prozent der Österreicher sind aktuell gegen die Grippe geimpft.

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