© imago images/Future Image/Christoph Hardt via www.imago-images.de

Interview
07/16/2021

Zwei Gründe, die für das Unwetter in Deutschland verantwortlich sind

Marc Olefs ist Leiter der Klimaforschung an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte.

von Johannes Arends

Marc Olefs ist Leiter der Klimaforschung an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf der Hohen Warte. Im KURIER-Gespräch erklärt er, wie solche gewaltigen Unwetter überhaupt entstehen können, ob das in dieser Form auch in Österreich möglich wäre - und was das Ganze etwas mit dem Klimawandel zu tun hat. Das Gespräch wurde auch für den KURIER Daily Podcast aufgezeichnet.

KURIER: Herr Olefs, die Bilder aus Deutschland sind erschütternd. Wie kann es überhaupt zu derart starken Niederschlägen und Überschwemmungen kommen?

Marc Olefs: Auslöser für diese starken Niederschläge war das Tief mit dem Namen „Bernd“, das sich von Frankreich über die Schweiz nach Deutschland bewegt hat und dann von mehreren Hochdruckgebieten sozusagen umzingelt wurde. Es ist also über relativ lange Zeit an der gleichen Stelle geblieben und konnte somit seine Regenmassen in einem sehr begrenzten Gebiet abladen.

Sind Unwetterkatastrophen wie diese eine direkte Folge des Klimawandels?

Einzelne extreme Wetterereignisse lassen sich nur selten direkt mit dem Klimawandel in Verbindung bringen, Umweltkatastrophen gab es schließlich schon immer. Die Forschung zeigt aber, dass sich die Häufigkeit von solchen extremen Wetterereignissen aufgrund der menschengemachten Treibhausemissionen ändert. Das heißt: Gerade diese extremen Niederschläge nehmen mit der Erderwärmung zu. Das haben die Klimamodelle schon vor Jahrzehnten vorhergesagt, die Messdaten zeigen es jetzt immer besser.

Das heißt, wir werden solche Unwetter in Zukunft deutlich häufiger erleben?

Richtig. Das Ausmaß hängt aber von den weiteren Treibhausgas-Emissionen ab – insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Dafür gibt es zwei Gründe: Einen sogenannten thermodynamischen, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann, der dann auch als starker Niederschlag wieder abfällt. Wir wissen, dass sich die Niederschlagsmenge pro Grad Celsius an Erderwärmung um sieben Prozent erhöht.

Und der zweite Grund?

Daneben gibt es den sogenannten dynamischen atmosphärischen Effekt. Das heißt: Aufgrund der dreimal so starken Erwärmung des Nordpols im Vergleich zu unseren Breiten wird der sogenannte „Jetstream“ zunehmend schwächer. Dieser Jetstream ist ein Starkwind in sechs bis acht Kilometern Höhe, der die Wettergebiete, also Hochs und Tiefs, um den Erdball schiebt. Bei uns von Westen nach Osten. Wenn dieser Wind also schwächer wird, dann können Wetterlagen, die sich einmal eingestellt haben, eher hängen bleiben.

Mit welchen Folgen?

Wenn Wetterlagen lange unverändert an Ort und Stelle bleiben, kann das sowohl eine Hitzewelle und somit Dürre und Trockenheit auslösen als auch extreme Niederschläge, wie jetzt in diesem Fall.

Auch in Österreich?

Die Natur oder die Atmosphäre kennt keine politischen Grenzen, die Folgen der Erderwärmung würden sich also auch in Österreich zeigen. Ob hier auch derartige Überflutungen die Folge wären, das hängt stark von den Bodeneigenschaften ab.Johannes Arends

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.