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Politik Ausland
03/04/2022

Waffenlieferungen an die Ukraine: Warnung vor langem Konflikt

Bis zu 20 Länder beliefern das Land mit Waffen. Wie das den Verlauf des Krieges beeinflusst, ist noch schwer einschätzbar.

von Johanna Kreid

Man könne es durchaus als „Paradigmenwechsel“ bezeichnen, bestätigt Oberst Markus Reisner im KURIER-Interview: Dass Deutschland Waffen an die Ukraine liefert, war bis vor Kurzem kaum vorstellbar. Und Deutschland steht nicht allein da: 15 bis 20 Länder, schätzen Experten, unterstützen die Ukraine mittlerweile aktiv mit Militärgerät. Dazu zählen etwa Polen, Litauen, Schweden oder die Niederlande.

Ein Großteil der Waffen, die derzeit in der Ukraine zum Einsatz kommen, sei schon vor Kriegsbeginn ins Land gebracht worden, erklärt Walter Feichtinger, Sicherheitsexperte vom Center für Strategische Analysen (CSA). Die Waffen über den Luft- oder Seeweg zu liefern, sei mittlerweile gar nicht mehr möglich oder zu riskant. Bleibt nur der Landweg: „Wir haben hier kein Großgerät wie Panzer, sondern kleine Systeme, die 16 bis 20 Kilo wiegen, in eine Kiste passen und per Lkw oder im Notfall sogar mit Autos transportiert werden können“, beschreibt Feichtinger.

Die meisten Übergaben fänden wohl entlang der Grenze zu Polen statt. Wie viele Waffen aktuell ins Land geliefert werden, sei schwer einzuschätzen: „In Kriegszeiten stirbt die Wahrheit zuerst“, sagt Feichtinger dazu.

"Europa wurde munter"

Doch wie wirken sich die Waffenlieferungen auf den Verlauf des Krieges aus?

„Sie stärken die Abwehrkraft und die Moral der Soldaten in der Ukraine“, sagt Feichtinger. Zudem sei Europa „endlich munter geworden. Dieser Zusammenhalt wird von Dauer sein. Das hat Putin total unterschätzt“.

Oberst Markus Reisner wiederum gibt zu bedenken, dass eine "Syrienisierung" der Ukraine möglich wäre: Ein bewaffneter Konflikt, der sich, ähnlich wie in Syrien, über lange Zeit erstreckt.

"Abnutzungskrieg"

„Die Unterstützung der Ukraine ist konträr zu dem, was Putin will. Er ist verärgert. Das System Putins wiederum hängt von Erfolg oder Misserfolg dieser Aktion ab.“ Wie auch immer es weitergehe – ob Russland etwa die ganze oder Teile der Ukraine einnehme –, die Basis für eine Widerstandsbewegung sei gelegt. Das Ergebnis, beschreibt Reisner, wäre ein sogenannter „Abnutzungskrieg“ – also ein lang andauernder, für beide Seiten enorm verlustreicher Krieg.

Immerhin rechnen beide Experten aus derzeitiger Sicht nicht mit einem Einsatz von Atomwaffen. „Das war vor allem ein politisches Signal an den Westen“, sagt Feichtinger.

Ansonsten sind Zukunftsprognosen derzeit auch für die Experten schwierig (siehe auch rechts). „Derzeit befinden wir uns in den Nebeln des Krieges“, kommentiert Reisner. Eine Situation, in der Europa erst seine Rolle finden muss. „Diese kriegerische Rhetorik kennen wir nicht mehr. Wir sind friedvoll erzogen worden. Und anders als Russland haben wir das Militär nicht als Handlungsoption begriffen“, fügt Reisner hinzu.

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