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Mexiko erhebt Klage gegen Trumps ICE-Gewalt

In Houston wurde ein 52-jähriger Mexikaner von einem ICE-Beamten erschossen. Es war der 17. mexikanische Staatsbürger, der in ICE-Gewahrsam starb.
Trauer in Houston nach der Tötung von Lorenzo Salgado Araujo.

Lorenzo Salgado Araujo war gerade auf dem Weg zur Arbeit gewesen, einer Baustelle im Osten Houstenss, als er von ICE-Einsatzkräften bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurde.

Die Kontrolle sei erfolgt, weil ein Insasse im Lieferwagen der „Zielperson“ geähnelt habe, so die Behörden. Salgado soll sich den Anweisungen widersetzt und ein Einsatzfahrzeug gerammt haben, als er versucht habe, weiterzufahren. Der ICE-Beamte habe in Notwehr gehandelt. Doch die Insassen des Autos und Salgados Familie bestreiten das. Die Aussagen lassen sich kaum überprüfen: Die Beamten trugen keine Bodycams.

Der Fall des 52-jährigen Mexikaners erinnert an jene von Alex Pretti und Renée Good, beide wurden im Jänner in Minneapolis durch Schüsse der Anti–Einwanderungsbehörde getötet – ohne das eigentliche „Zielobjekt“ der Behörde gewesen zu sein.

Salgado arbeitete laut seiner Familie seit 30 Jahren als Bauarbeiter in Houston, nachdem er als undokumentierter Migrant in die USA gekommen war. Er sei kurz vor dem Erhalt einer Arbeitserlaubnis gestanden.

Im Jänner wie heute sorgt die Tötung für Proteste: Menschen gehen in Housten – im tiefroten Bundesstaat Texas – auf die Straße, fordern Konsequenzen für die Gewalt. Bislang wurde kein Einwanderungsbeamter im Zusammenhang mit den Todesfällen angeklagt, auch nicht nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis.

Doch diesmal hat die Tötung auch außenpolitische Folgen: Die Regierung von Mexiko kündigte an, Anzeigen bei Staatsanwaltschaften mehrerer US-Bundesstaaten und beim US-Justizministerium einzureichen.

Mehr als 60 Todesopfer

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, eine der letzten verbliebenen linksgerichteten Regierungschefinnen Lateinamerikas und damit eine der letzten, die Trump die Stirn bietet, kündigte an: „Wir können die Misshandlung unserer Brüder und Schwestern in den Vereinigten Staaten nicht zulassen.“ 17 mexikanische Staatsbürger seien bisher in ICE-Gewahrsam und bei Festnahmen ums Leben gekommen. Den Vereinten Nationen zufolge starben seit 2024 bis Juni 2026 insgesamt 62 Menschen in ICE-Obhut. Salgado war das zehnte Opfer, das durch den Schuss eines ICE-Beamten getötet wurde.

MEXICO-SWITZERLAND-DIPLOMACY

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum ist eine der letzten verbliebenen linksgerichteten Regierungschefinnen Lateinamerikas.

Bisher versuchte Mexiko, den Konflikt über rein diplomatische Wege zu lösen. Nun will man auch zivilrechtliche Schritte gegen jene Privatunternehmen einleiten, die die Haftanstalten für die US-Behörden betreiben. Man werde den Firmen Unterlassungsaufforderungen zustellen, ließ Mexikos Regierung wissen.

Familie will unabhängige Untersuchung

Die interne Aufsichtsstelle des US-Heimatschutzministeriums kündigte eine Untersuchung an, auch das FBI ermittelt. Bei den Untersuchungen der Fälle von Pretti und Good behinderten jedoch Streitigkeiten über die Zuständigkeiten und Kompetenzen der unterschiedlichen Ermittler die Aufklärung.

Die Familie von Lorenzo Salgado Araujo, Bürgerrechtsorganisationen und demokratische Politiker verlangen eine unabhängige Untersuchung des Einsatzes. Die Behörde, deren Einsatzkräfte geschossen hätten, könne nicht zugleich die Ermittlungen durchführen, sagte Roman Palomares von der Bürgerrechtsorganisation LULAC. Der demokratische US-Abgeordnete aus Texas, Al Green, sprach von der Notwendigkeit, einen möglichen Vertuschungsversuch auszuschließen.

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