Neues Video mit ICE-Beamten aufgetaucht: Tod von Pretti hatte Vorgeschichte

FILE PHOTO: Protest after federal agents fatally shot a man while trying to detain him, in Minneapolis
Aufnahmen zeigen Konfrontation Prettis mit ICE-Beamten elf Tage vor dessen Tod. Vor allem aber zeigen sie ein Stimmungsbild in einer belagerten Stadt.

Am 4. Dezember vergangenen Jahres startete ICE die Operation „Metro Surge“. Keine zwei Monate später, am 24. Jänner, erschossen ICE-Beamte den 37-jährigen Alex Pretti.

Wie sich die Situation in den 51 Tagen seit Einsatzbeginn zugespitzt haben musste, das zeigen nun neue Aufnahmen aus Minneapolis, auf denen ausgerechnet Pretti zu sehen ist. Und sie zeigen: Sein Tod hatte offenbar ein Vorspiel. Schon elf Tage vor dem tödlichen Zwischenfall war er mit ICE-Beamten aneinandergeraten. 

Das vom Portal The News Movement veröffentlichte Video zeigt, wie Pretti bei einem Protest in Minneapolis in Richtung eines ICE-Fahrzeugs spuckt und anschließend zweimal gegen den wegfahrenden SUV tritt. Ein Beamter bringt Pretti daraufhin zu Boden, weitere Einsatzkräfte kommen hinzu, während Umstehende lautstark protestieren und hupen: 

Was dem Vorfall vorausging, bleibt unklar. Die Videoaufnahmen zeigen aber, wie aufgeheizt die Situation in Minneapolis auch schon vor dem tödlichen Zwischenfall war. 

Laut The News Movement entstanden die Aufnahmen am 13. Jänner gegen 10.15 Uhr Ortszeit, als ein Filmteam im Rahmen einer Dokumentation über ICE einen Hinweis erhielt, dass Bundesbeamte eine Straße blockierten. In dem Video ist zudem ein Gegenstand an Prettis Hosenbund zu erkennen, der einer Waffe ähnelt. Ob Pretti danach griff oder ob die Einsatzkräfte den Gegenstand überhaupt wahrnahmen, lässt sich aus den Bildern nicht rekonstruieren.

Ob der frühere Zwischenfall vom 13. Jänner in einem direkten Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen steht, ist bislang ungeklärt. Dennoch versuchen politische Akteure, die nun aufgetauchten Bilder für ihre jeweilige Deutung des Falls zu nutzen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Video, nachdem Donald Trump Jr. es auf der Plattform X teilte und mit dem spöttischen Kommentar „Nur ein friedlicher Beobachter“ versah. 

Kritiker werten dies als Versuch, die Verantwortung der Einsatzkräfte zu relativieren und Pretti nachträglich zu diskreditieren. Unmittelbar nach dem 13. Jänner hatten ICE-Offizielle gesagt, Pretti wäre mit einer Waffe auf die Beamten losgegangen. Eine Version, die durch zahlreiche Videoaufnahmen von dem tödlichen Zwischenfall widerlegt wurde. 

„Nichts, was zuvor geschehen ist, hätte seine Tötung rechtfertigen können“

Der Anwalt der Familie, Steve Schleicher, weist diese Interpretation entschieden zurück. Der frühere Vorfall könne in keiner Weise als Rechtfertigung für die tödlichen Schüsse dienen. „Eine Woche bevor Alex auf offener Straße erschossen wurde – obwohl er für niemanden eine Gefahr darstellte –, wurde er von einer Gruppe von ICE-Beamten brutal angegriffen“, erklärte Schleicher. „Nichts, was zuvor geschehen ist, hätte seine Tötung rechtfertigen können.“

Das Heimatschutzministerium teilte mit, der Vorfall vom 13. Januar werde geprüft. 

Die Ermittlungen fallen in eine Phase, in der ICE nicht nur auf der Straße, sondern auch politisch zunehmend unter Druck gerät. Innerhalb der US-Regierung wächst der Unmut über das harte Auftreten der Behörde, insbesondere bei Einsätzen gegen Migranten. Mehrere demokratische Abgeordnete fordern strengere Einsatzregeln und eine stärkere Kontrolle von Bundesbeamten. 

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass zwei ICE-Beamte, die direkt bei dem tödlichen Vorfall beteiligt waren, beurlaubt wurden. Zuvor hatte ihnen die Behörde und auch Trump selbst stets die Mauer gemacht. Nun hieß es, dies sei „ein Standardverfahren“.

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