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Keiko Fujimori gewinnt in Peru – und Lateinamerika rückt weiter nach rechts

Bei den jüngsten 16 Präsidentschaftswahlen haben dreizehnmal konservative oder rechtspopulistische Kandidaten gewonnen. Mit Keiko Fujimoris Wahlsieg in Peru setzt sich der Trend fort. Die Herausforderungen sind groß.
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Zu behaupten, Keiko Fujimori (51) habe sich lange auf diesen Moment vorbereitet, wäre eine Untertreibung. Viermal hat sich die konservative Politikerin bereits für das Präsidentenamt in Peru beworben. Dreimal scheiterte sie knapp. Nun, im vierten Anlauf, hat es geklappt: Wie die Wahlbehörde des Andenstaates mitteilte, setzte sich Fujimori, Tochter des verstorbenen autoritären Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, gegen ihren linken Rivalen Roberto Sanchez durch.

Der Verkündung war ein wochenlanges Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgegangen: Am Ende lagen zwischen den beiden Kandidaten weniger als 50.000 Stimmen – bei insgesamt 27 Mio. Wahlberechtigten. Ihr Amt wird Fujimori, die bereits mit 19 Jahren First Lady war, am 28. Juli antreten.

Rechtsruck in der Region

Das passt ins Bild. Mit Fujimoris Wahlsieg in Peru haben 13 der vergangenen 16 Präsidentschaftswahlen in Lateinamerika Kandidaten rechts der Mitte gewonnen. Erst Ende Juni setzte sich in Kolumbien der Rechtsaußen-Kandidat Abelardo de la Espriella nach vier Jahren Linksregierung gegen Iván Cepeda durch. Argentinien, Paraguay und Ecuador haben seit 2023 (wieder) rechte Präsidenten, Chile, Bolivien und Honduras seit 2025/26. Die einzigen Ausnahmen sind – neben den Linksdiktaturen in Kuba, Nicaragua und Venezuela – Brasilien (wo im Herbst gewählt wird), Uruguay, Guatemala und Mexiko.

Das ideologische Spektrum der Staatschefs reicht dabei von gemäßigt bis radikal. Gemeinsam ist vielen ein starker Fokus auf Sicherheitspolitik und illegale Migration. Häufig dient Nayib Bukele, autokratischer Präsident von El Salvador, als Vorbild. Er bezeichnet sich selbst als „coolsten Diktator der Welt“ und ließ im Kampf gegen die Bandenkriminalität in dem Kleinstaat Mega-Gefängnisse bauen sowie Zehntausende Menschen ohne reguläre Verfahren inhaftieren. Auch Fujimori hat angekündigt, ähnlich hart gegen das Organisierte Verbrechen vorzugehen.

Viele eint zudem ihre Verbundenheit zu US-Präsident Donald Trump: Der Republikaner im Weißen Haus spricht sich nicht nur regelmäßig für rechtsgerichtete Kandidaten in Lateinamerika aus. Auch militärisch und wirtschaftlich lohnt sich die Nähe zu Washington: Staaten der Region sind stark vom Handel mit den USA abhängig, entsprechend groß ist die Angst vor Trumps Zollkeule. Verbündete können zudem auf direkte Unterstützung hoffen: In Argentinien etwa half eine milliardenschwere Finanzspritze Präsident Javier Milei über die Zwischenwahlen.

Steven Levitsk, Professor an der US-Elite-Universität Harvard, spricht gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters von einer „ungewöhnlichen Sternkonstellation für Trump“, der in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie Lateinamerika ausdrücklich als US-Einflussgebiet definiert. Selten habe man „eine so große Anzahl von Regierungen, die ideologisch so nah beieinanderliegen gesehen wie derzeit“.

„Pendel-Kontinent“

Einige Beobachter bezweifeln jedoch, dass dahinter ein großer ideologischer Wandel der Wähler steckt. Lateinamerika, so beschreibt es Henning Suhr von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, bleibe ein „Pendel-Kontinent“: „Wähler strafen nicht selten amtierende Regierungen ab, sofern sie aus ihrer Sicht versagen – ungeachtet deren ,ideologischer Farbe‘.“ Klar sei aber: Polarisierung und Personalisierung nehmen auf dem Kontinent (wie in anderen Weltregionen) zu. Viele Wahlen entschieden sich denkbar knapp zwischen Links- und Rechtsaußen, und traditionelle Parteien der Mitte verlieren an Bedeutung.

Laut Lateinamerika-Experten Christopher Sabatini sei der Frust groß, dass es bisherigen Regierungen nicht gelungen ist, bessere Sozialsysteme, Bekämpfung der sozialen Ungleichheit sowie mehr Sicherheit zu gewährleisten, wie er in Foreign Policy analysiert. Korruptionsskandale hätten zusätzlich das Vertrauen in etablierte Parteien beschädigt.

Doch auch neue Regierungen geraten schnell unter Druck. In Chile sind die Umfragewerte des ultrakonservativen Präsidenten José Antonio Kast wenige Wochen nach Amtsantritt abgestürzt. In Bolivien entlud sich die Wut der Bürger nur Monate nach Amtsantritt des Christdemokraten Rodrigo Paz in wochenlangen Protesten und Blockaden der Hauptstadt La Paz.

Und auch für Fujimori stehen die Vorzeichen auf Turbulenzen: Die politische Lage in Peru ist von einem ständigen Konflikt zwischen Parlament und Regierung geprägt. Nicht umsonst hatte der Andenstaat in den vergangenen zehn Jahren acht Präsidenten.

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