Tödliche Politik: Welche US-Präsidenten ange- und erschossen wurden
Die John F. Kennedy Statue in Boston.
US-Präsident Donald Trump dürfte am Samstag den mutmaßlich dritten Anschlag auf ihn überlebt haben – das Motiv des mutmaßlichen Attentäters ist noch unbekannt.
Zur Erinnerung: Am 13. Juli 2024 schießt ein Schütze bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler im US-Staat Pennsylvania von einem nahe gelegenen Dach auf Trump und verletzt ihn am rechten Ohr. Ein Besucher kommt ums Leben, zwei weitere werden verletzt. Der Täter wird von Sicherheitskräften getötet. Im Abschlussbericht eines Ausschusses des US-Senats ist von gravierenden Mängeln bei der Koordination und der Kommunikation zwischen Secret Service und den staatlichen und lokalen Strafverfolgungsbehörden die Rede.
Das ikonische Bild, wie Trump danach blutend mit erhobener Faust die Bühne verließ, ging durch die Medien und sorgte für Aufwind im US-Wahlkampf. Zuletzt gab es aus Trumps MAGA-Bewegung und von einstigen Trump-Unterstützern Mutmaßungen darüber, ob der Vorfall inszeniert worden sein könnte.
Trump wurde am 13. Juli 2024 in Butler, Pennsylvania, bei einer Wahlveranstaltung angeschossen.
Zwei Monate später, am 15. September 2024, schießt der Secret Service auf Trumps Golfplatz im US-Staat Florida auf einen bewaffneten Mann, der sich in den Büschen versteckt hat. Der Verdächtige selbst feuert keine Kugel ab, flieht und wird wenig später festgenommen. Ungefähr eine Woche später veröffentlicht die Staatsanwaltschaft einen Brief, den er vor seiner Tat geschrieben haben soll. Wegen des versuchten Attentats wird der Mann im Februar 2026 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Am 22. Februar 2026 erschießen US-Sicherheitskräfte einen Bewaffneten in der Nähe von Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida, der unbefugt in den Sicherheitsbereich eingedrungen ist. Trump hält sich zu diesem Zeitpunkt nicht dort auf. Der Mann soll eine Schrotflinte und einen Brennstoffkanister bei sich gehabt haben. Zum möglichen Motiv sagen die Ermittler zunächst nichts. Die Bundespolizei FBI leitet die Ermittlungen.
Die Häufung der Vorfälle werten Beobachter als Zeichen zunehmender politischer Gewalt in den USA – das jüngste politische Todesopfer war der rechtsreligiöse Aktivist Charlie Kirk. Er wurde im September 2025 auf offener Bühne aus 150 Meter Entfernung erschossen. Auch wenn es sich bei Kirk nicht um einen Politiker handelte, seine Ermordung hat die US-Gesellschaft tief gespalten.
Attentate auf US-Präsidenten
Bisher wurden vier US-Präsidenten während ihrer Amtszeit ermordet: Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA, wurde am 14. April 1865 während einer Theateraufführung kurz nach Ende des Bürgerkriegs in den Hinterkopf geschossen.
James A. Garfield (20. Präsident) wurde 1881 von einem psychisch instabilen Mann angeschossen, der sich über eine abgelehnte Beamtenstelle geärgert hatte. Garfield starb Monate nach dem Attentat an Infektionen, die durch die mangelhafte medizinische Versorgung verschlimmert wurden.
William McKinley (25. Präsident) wurde 1901 während eines öffentlichen Empfangs zweimal in den Bauch geschossen und starb acht Tage später.
Besonders in Erinnerung der Weltöffentlichkeit blieb die Ermordung von John F. Kennedy, dem 35. Präsidenten der USA: Er wurde 1963 – als bereits Foto- und Filmaufnahmen existierten – während einer Fahrt im offenen Wagen in einer Autokolonne erschossen.
Eine Statue von US-Präsident Abraham Lincoln im Oval Office im Weißen Haus.
Politische Gewalt
Zu den Präsidenten und ehemaligen Präsidenten, die Attentate überlebten, gehören Theodore Roosevelt und Ronald Reagan. Reagan wurde genau in jenem Hotel, wo am Samstag die Korrespondenten-Gala von Schüssen unterbrochen wurde, angeschossen: im Hotel Hilton in Washington D.C. Ein psychisch labiler Mann namens John Hinckley Jr. gab damals beim 100. Besuch eines US-Präsidenten im Hilton sechs Schüsse Richtung Reagan ab. Dieser überlebte den Anschlag, der laut Biografen seine Popularität enorm steigerte und maßgeblich zu seiner Wiederwahl beitrug.
Historiker bezeichneten das Attentat auf Reagan lange als das Ende einer der turbulentesten Phasen der modernen US-amerikanischen Politikgeschichte, die geprägt war von Attentaten, die tiefe nationale Wunden hinterließen – etwa die Morde an Kennedy und Martin Luther King im Jahr 1968.
Spätestens seit dem Sturm aufs Kapitol am 6. Jänner 2021 befürchten viele Politikwissenschafter jedoch ein neues Klima politischer Gewalt in den USA.
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