Schüsse bei Dinner mit Trump: Verdächtiger festgenommen
Zusammenfassung
- Bei einer prestigereichen Veranstaltung in Washington wurde ein bewaffneter Mann festgenommen, der laut Trump einen Anschlag auf ihn verüben wollte.
- Der Angreifer trug eine kugelsichere Weste, verletzte einen Secret-Service-Mitarbeiter und sorgte für Panik unter den 2.600 Gästen.
- Trump lobte den Secret Service, bestätigte die Festnahme des Täters und kündigte an, sich nicht von seinem Kurs abbringen zu lassen.
Es hätte ein festlicher Abend in der US-Hauptstadt Washington werden sollen - und endete in einer Schießerei. Ein schwer bewaffneter Mann wollte sich Zutritt zum White House Correspondents' Dinner in Washington verschaffen, rannte durch die Sicherheitsschleuse - und wurde gerade noch von Einsatzkräften gestoppt. Neben US-Präsident Donald Trump waren auch First Lady Melania anwesend. Von den Gästen wurde niemand verletzt, ein Sicherheitsbeamter jedoch angeschossen.
Trump geht davon aus, dass der Angriff ihm gelten sollte. "Das nehme ich an", antwortete Trump im Weißen Haus auf die Frage, ob er die Zielscheibe des überwältigten Schützen gewesen sei. Allerdings sei aber sehr weit von ihm entfernt gewesen, fügte der Präsident hinzu.
Dem Secret Service-Beamten geht es gut
Nach bisherigen Erkenntnissen stürmte der Angreifer gegen halb neun am Abend durch eine Zugangsschleuse des Secret Service und lieferte sich einen Schusswechsel mit Sicherheitsbeamten. Trump postete ein Video in den sozialen Medien, das den mutmaßlichen Täter zeigt, wie er im Vollsprint an den Beamten vorbeirennt, ehe diese das Feuer eröffnen.
Bewaffnet war der Mann mit Schrotflinte, Handfeuerwaffe und mehreren Messern. Ein Beamter des Secret Service wurde Trump zufolge von mindestens einer Kugel getroffen und durch seine Schutzweste gerettet. "Ich habe gerade mit dem Beamten gesprochen, und es geht ihm gut", sagte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.
Der Angreifer wurde festgenommen, ohne von Kugeln getroffen worden zu sein. Auf einem Foto war zu sehen, wie bewaffnete Einsatzkräfte eine am Boden liegende Person umringen. Trump zufolge kommt der Mann aus Kalifornien. "Und er ist ein kranker Mensch, ein sehr kranker Mensch." Mehreren Medienberichten zufolge ist der mutmaßliche Täter 31 Jahre alt. Offizielle Angaben zur Identität des Täters gab es zunächst nicht.
"Einsamer Wolf"
Sowohl Trump als auch die Sicherheitsbehörden gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es sich um einen "einsamen Wolf", also Einzeltäter handelt. Das Motiv der Tat bleibt indes völlig unklar. Danach gefragt, ob er einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg sehe, sagte Trump: "Ich glaube es nicht. Aber man kann es nie wissen."
Der Angreifer, der zur Untersuchung ins Krankenhaus kam, wurde inzwischen verhört. Am Montag soll er einem Richter vorgeführt werden.
"Wir müssen unsere Differenzen beilegen"
Unter dem Eindruck des Geschehens war Trump sichtlich gezeichnet vor die Presse getreten. "Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen", sagte er. "Wir müssen... wir müssen unsere Differenzen beilegen."
Die Gäste waren bei der Vorspeise, als die Schüsse fielen
Das traditionsreiche White House Correspondents' Dinner hatte gerade erst begonnen, die Gäste - darunter auch etliche Kabinettsmitglieder - waren bei ihrer Vorspeise, als auf einmal Tumult ausbrach im Saal. "Runter, runter", tönte es durch den Raum. Minutenlang verharrten die Gäste auf dem Boden, duckten sich unter die Tische – einige sichtlich unter Schock.
Als sie sich wieder aufrichteten, war der Ehrentisch, an dem kurz zuvor unter anderem Donald und Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und Regierungssprecherin Karoline Leavitt Platz genommen hatten, bereits leer. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte standen im Raum, in dem zunächst von einem nicht näher definierten Schusswaffenvorfall die Rede war. Reporter, die nah an den Saaltüren platziert waren, berichteten von mehreren lauten Geräuschen.
Trump und Veranstalter fordern Neuauflage der Gala
Mehrmals wird angekündigt, dass das Gala-Programm gleich weitergehen soll, auch Trump fordert dies in einem Post direkt nach dem Angriff. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen verkündete die Vorsitzende der Journalisten-Vereinigung, Weijia Jiang, dass Trump in 30 Minuten im Weißen Haus eine Pressekonferenz geben werde. "Das ist kein Scherz", sagte sie unter ausbrechendem Gelächter. Wenig später kamen dann Trump und mehrere Kabinettsmitglieder mit vielen der anwesenden Journalisten im Briefing-Raum des Weißen Hauses zusammen - alle noch in Abendgarderobe.
Laut Angaben der Sicherheitsbehörden war der Täter Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand. Um ins Hotel zu kommen, mussten Gäste noch keine Sicherheitsschleuse passieren. Erst wenn sie in den Ballsaal wollten, wo das Dinner stattfand, wurden ihre Taschen gecheckt und alle durch eine Schleuse geführt.
Nicht der erste Vorfall im Hilton-Hotel
Der Vorfall im Hilton Hotel weckt düstere Erinnerungen an einen blutigen Vorfall vor 45 Jahren. Seinerzeit wurde dort ein Attentat auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan verübt, das er schwer verletzt überlebte.
Das Korrespondentendinner gilt als Höhepunkt des Gesellschaftslebens in der US-Hauptstadt. Es findet seit dem Jahr 1921 jährlich statt, wobei in der Regel der US-Präsident und zahlreiche Prominente an dem Dinner teilnehmen. Unter Trumps Vorgängern war es Tradition, dass der jeweilige US-Präsident eine humorige Rede hält. Trumps Vorgänger Barack Obama nutzte seine Rede im Jahr 2011, um Trump durch den Kakao zu ziehen. Nach Einschätzung von Beobachtern trug diese öffentliche Demütigung dazu bei, dass der Immobilienmagnat sich zum Einstieg in die Politik entschloss.
Trump nahm heuer erstmals als US-Präsident an dem Dinner teil. In seiner ersten Amtszeit (2017-21) und auch im Vorjahr hatte er die Einladung der Vereinigung der Presseleute im Weißen Haus ausgeschlagen.
Was wir wissen
- Trump, diverse Kabinettsmitglieder, Vizepräsident JD Vance sowie zahlreiche Journalisten und andere Gäste waren bei der Veranstaltung in einem Hotel in Washington zugegen.
- Während der Präsident auf der Bühne saß, waren plötzlich Knallgeräusche zu hören - erst im Nachhinein wurde klar, dass es sich dabei um Schüsse handelte.
- Im Saal brach daraufhin Chaos aus, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte stürmten den Raum. Der Präsident, First Lady Melania und weitere Regierungsmitglieder wurden Sekunden nach dem Vorfall von der Bühne geführt und in Sicherheit gebracht.
- Laut Trump wurden keine Regierungsmitglieder verletzt, allerdings wurde ein Sicherheitsbeamter angeschossen. Dank seiner schusssicheren Weste gehe es dem Mann den Umständen entsprechend gut, sagte Trump.
- Sowohl der Präsident als auch die Sicherheitsbehörden teilten später mit, der Angreifer sei durch die Sicherheitsschleuse im Vorraum des Hotels gestürmt, bevor er von Beamten überwältigt und zu Boden gebracht werden konnte. Nach Polizeiangaben wurde der Mann selbst nicht angeschossen.
- Der Polizei zufolge hatte der Angreifer eine Schrotflinte, eine Handfeuerwaffe und mehrere Messer bei sich.
- Nach Polizeiangaben handelte es sich bei dem Täter anscheinend um einen Hotelgast, der allein handelte. Weitere Verdächtige gebe es nicht.
- Das Gala-Dinner wurde nach dem Vorfall abgebrochen und soll zu einem späteren Zeitpunkt - laut Trump innerhalb von 30 Tagen - nachgeholt werden.
Was wir nicht wissen
- Unklar war zunächst, wie viele Schüsse von wem abgegeben wurden.
- Offiziell bestätigte Informationen zur Identität des Täters gibt es bisher nicht. Trump deutete lediglich an, dass es sich um einen "sehr kranken Mann" aus Kalifornien handle.
- Das konkrete Ziel des Angreifers blieb zunächst ebenfalls unklar. Trump gab zu verstehen, dass der Täter es womöglich auf ihn abgesehen hatte.
- Auch das Tatmotiv ist noch völlig offen. Trump entgegnete auf Nachfrage eines Journalisten bloß, dass er nicht von einem Zusammenhang mit dem Iran-Krieg ausgehe.
Kommentare