Schüsse im Hilton: Amerika ist zerbrechlich geworden
Weil fast alle Puzzle-Steine der Beinahe-Tragödie im Washingtoner Hilton-Hotel noch lange nicht plausibel zusammengesetzt sind, hilft vielleicht eine schlichte Frage: Wie kann es sein, dass ein Mann mit Schrotflinte, Handwaffe und mehreren Messern unbehelligt in einem Nobel-Hotel einchecken kann, in dem der amerikanische Präsident, sein Vize und fast das gesamte Kabinett zusammenkommen? Wie ist es möglich, dass eine Einladung zur alljährlichen Nabelschau der White-House-Korrespondenten reichte und die Identität der Gäste nicht akribisch geprüft wurde?
Das Sicherheitskonzept in der Hauptstadt der freien Welt hätte fahrlässiger kaum sein können, auch wenn der Secret Service das Gegenteil behauptet. Der Eindruck, der sich in diesem atmosphärisch völlig vergifteten Land festsetzt, ist der eines latent gescheiterten Staates. Wenn hochkarätige Eliten-Treffen dem gleichen Wahnsinn durch bewaffnete Einzeltäter ausgesetzt sind wie Schulen und Shopping-Malls, was bleibt dann noch?
Vertrauenskrise
Es wird spannend zu beobachten sein, wie dieser Präsident, der alles für seinen bröckelnden Machterhalt tun wird, auf die für ihn willkommene Ablenkung vom Iran-Desaster und der Vertrauenskrise in den USA reagieren wird. Notverordnungen und eine noch härtere Verdachtskultur gegen alles, was links der politischen Mitte steht, dürfen nicht die Antwort sein.
Zunächst ist etwas wichtig, was unter Trump zu Schanden geritten wurde: lückenlose, glaubhafte Transparenz. Viel Zeit bleibt der Regierung nicht. Die Verschwörungstheorie, dass die Schüsse im Hilton inszeniert gewesen seien, läuft bereits in sozialen Medien rauf und runter.
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