Auf Burrata folgten Schüsse: Der Schock-Moment bei der Journalisten-Gala
So etwas hat es in der 105-jährigen Geschichte des größten gesellschaftlichen Highlights in der amerikanischen Hauptstadt noch nie gegeben. Wenige Minuten nach Beginn des zum ersten Mal seit 2015 wieder von Präsident Donald Trump besuchten "White House Correspondents" Dinner" im Ballsaal des Hilton Hotels brach am Samstagabend in Washington Panik unter den rund 2600 Gästen aus. Ein schwer bewaffneter Mann hatte im Foyer der Nobelherberge geschossen, bevor er von Sicherheitskräften überwältigt wurde. Die Großveranstaltung wurde komplett abgebrochen und soll binnen eines Monats neu angesetzt werden. Was wir bisher wissen und was nicht.
Wie spielte sich das Geschehen ab?
20:35 Uhr Ortszeit: Während die Hauptstadtpresse mit Mitgliedern der US-Regierung und Führungskräften aus Wirtschaft und Showbusiness diniert, hörte man im hinteren Teil des Saals Geschirr klirren, erschrockene Rufe und mehrere Schüsse. Binnen Sekunden strömten Dutzende Sicherheitsbeamte in den Saal, stürmten über Tische und Stühle und brüllten "Bleiben Sie unten!". Die Gäste, die gerade bei der Vorspeise aus Frühlingserbsen und Burrata saßen, krochen in ihren festlichen Roben und Smokings unter die gedeckten Tische. Es herrschten Angst und Chaos.
Was geschah mit dem Präsidenten?
Donald Trump, der neben First Lady Melania Trump und Vizepräsident JD Vance vorne auf der Bühne auf dem Podium saß und sich auf seine mit Spannung erwartete Rede vorbereitete, wurde in Windeseile von einer Traube von Secret-Service-Agenten in Sicherheit gebracht. Gleiches widerfuhr etlichen Kabinettsmitgliedern wie Vize Vance und Außenminister Marco Rubio.
Hunderte Gäste strömten zu den Ausgängen. Viele waren schockiert. Weil in der riesigen Zimmerflucht traditionell schlechte Netzabdeckung herrscht, gelang die Kommunikation mit der Außenwelt via Handy nur mühsam. Das Hilton Hotel an der Connecticut Avenue ist historisch vorbelastet: John Hinckley Jr. versuchte hier 1981, den damaligen Präsidenten Ronald Reagan zu erschießen.
Panik bei den Gästen.
Was weiß man über die Hintergründe?
Aus ersten Bausteinen setzt sich ein vorläufiges Bild zusammen. Danach fiel der Täter, der als Gast im Hotel im Zimmer neben dem Raum 10235 eingemietet war, in der Nähe des Hauptbereichs für die Metalldetektoren-Kontrolle den Behörden auf. Videos zeigten später, wie er in hohem Tempo an den Wachen vorbeirannte. Er war mit einer Schrotflinte, einer Handfeuerwaffe und Messern bewaffnet. Dabei soll der Täter mehrfach geschossen haben, bevor er von Secret-Service-Agenten überwältigt wurde.
Einem Polizisten wurde aus nächster Nähe von dem Täter in die Brust geschossen, er verdankt sein Leben einer schusssicheren Weste. Sonst wurde laut Behörden niemand verletzt.
Der Täter gelang zu keiner Zeit in den Ballsaal, in dem sich Trump und Hunderte von Medienvertretern aufhielten. Trump veröffentlichte früh gegen alle Gepflogenheiten Videoaufnahmen und ein Stillfoto des festgenommenen Mannes auf seinem Portal Truth Social und sprach von einem "geistig sehr kranken Typen".
Hausdurchsuchung bei dem Attentäter in Kalifornien.
Was ist über den Mann bekannt und was droht ihm?
Es handelt sich um den 31-jährigen Cole Tomas Allen. Er stammt aus Torrance bei Los Angeles in Kalifornien, seine Wohnung wurde noch in der Nacht zum Sonntag durchsucht. Der Tatverdächtige, Absolvent der technischen Universität Caltech, wo er Computer-Wissenschaften studiert hatte, wurde zuletzt als "Lehrer des Monats" ausgezeichnet. Auf Facebook- und LinkedIn-Konten beschrieb sich Allen auch als unabhängiger Spieleentwickler. Er wird am Montag erstmals vor Gericht erscheinen.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es bereits zwei Anklagepunkte: der Einsatz einer Schusswaffe bei einem Gewaltverbrechen und der Angriff auf Bundesbeamte unter Einsatz einer gefährlichen Waffe. Weitere Delikte werden folgen, so die Justiz. Im Falle einer Verurteilung droht Allen eine jahrzehntelange Haftstrafe. Über sein Motiv war zunächst offiziell nichts bekannt. Ob er spezifisch Präsident Trump ins Visier nehmen wollte, ist laut FBI bisher nicht zweifelsfrei erwiesen.
Gab es Sicherheitsprobleme?
Viele Gäste zeigten sich irritiert, dass das Vorzeigen einer Einladung (die Tickets für das Dinner sind nie im freien Verkauf) ausreichte, um sich dem Hilton-Hotel nähern zu können. Ausweisdokumente wurden nicht verlangt. Erst unmittelbar vor dem Ballsaal waren Metall-Detektoren installiert. Dass ein Hotelgast schwer bewaffnet ins Innere gelangen konnte, wurde von mehreren Gästen rückblickend als "schweres Versäumnis" bewertet.
Wie reagierte der Präsident?
Trump war zunächst sogar entschlossen, wieder zurückzukehren an den Schauplatz. "Ich habe empfohlen, dass wir "Let the show go on" machen, werde mich aber vollständig an die Anweisungen der Strafverfolgungsbehörden halten", schrieb er rund 30 Minuten nach dem Zwischenfall. Seinen Post leitete er so ein: "Was für ein Abend in Washington, D.C. Der Secret Service und die Strafverfolgungsbehörden haben fantastische Arbeit geleistet. Sie haben schnell und mutig gehandelt." Trump, der bei einem Attentatsversuch während einer Wahlkampfveranstaltung im Juli 2024 in Butler, Pennsylvania, von einer Kugel gestreift wurde und einige Monate später in Sicherheit gebracht werden musste, als ein Bundesagent auf einen bewaffneten Mann an Trumps Golfclub in Florida schoss, gab ab 22:30 Uhr im Presseraum des Weißen Hauses eine eilends anberaumte Pressekonferenz.
Trump bei der anschließenden Pressekonferenz.
Wie war Trumps Auftritt im Weißen Haus?
Trump, mit dem sicheren Gespür für historische Medien-Momente, gab sich unerschrocken, fast routiniert im Umgang mit der Beinahe-Tragödie. Mit verschwenderischem Lob deckte er die Sicherheitskräfte ein, die in Rekordzeit reagiert hätten. Er selber habe im ersten Moment an ein heruntergefallenes Tablett gedacht. Melania Trump, seine Gattin, die in seiner Nähe saß, habe jedoch von einem "schlimmen Geräusch" gesprochen. Für sie sei das eine "traumatische" Erfahrung gewesen. Trump wollte dem Täter nicht viel Aufmerksamkeit zubilligen. Darum sei er auch anfangs dafür gewesen, das Abendessen und die Feier fortzusetzen. "Ich will nicht, dass kranke Menschen die Struktur unseres Lebens verändern."
Auf die Frage einer CNN-Journalistin, ob er sich sicher sei, das Ziel des Täters gewesen zu sein, sagte Trump: "Ja, diese Leute sind verrückt." Hinweise auf eine bevorstehende Tat dieser Dimension habe man vorher nicht gehabt. Warum Trump solche Attentatsversuche immer wieder passieren, wollte ein Fox News-Vertreter wissen. Trumps sinngemäße Antwort: Solche Täter kämen zu Menschen, die etwas bewegt haben; etwa der frühere Präsident Abraham Lincoln. Trump verknüpfte den Vorfall mit seinem umstrittenen Ballsaal-Projekt im Weißen Haus. Dort würden, im Gegensatz zum Hilton, nach der Fertigstellung strengste Sicherheitsvorkehrungen gelten. Über sein Amt sagte er: "Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, der gefährlicher ist."
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