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Politik Ausland
10/09/2020

US-Wahlkampf: Donald Trump ist "back on the road"

Trump will am Samstag vor Fans auftreten. Demokraten wollen Amtsfähigkeit des Präsidenten prüfen lassen.

von Dirk Hautkapp

25 Tage vor der Präsidentschaftswahl ähneln Donald Trumps Rundumschläge, ausgelöst durch zweistellige Umfragen-Vorsprünge seines Herausforderers Joe Biden, einem "Hail Mary Pass". So nennen die Amerikaner einen Spielzug, den der Spielmacher einer verzweifelten Football-Mannschaft in höchster Not versucht, weil er eigentlich überhaupt nicht gelingen kann.

Trump will acht Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus wegen Corona möglicherweise schon an diesem Wochenende wieder aktiv in den Wahlkampf einsteigen. Am Freitag meldeten US-Medien, dass der Präsident schon für heute, Samstag, eine Veranstaltung vor dem Weißen Haus plane. Trump werde dabei persönlich anwesend sein, berichtete CNN.

Auch Kundgebungen in Florida und Pennsylvania waren im Gespräch. Spätestens am Montag will Trump wieder voll "on the road" sein.

Rückfall nicht auszuschließen

Sein Leibarzt Sean Conley hat grünes Licht gegeben. Die Therapien hätten bei dem 74-Jährigen, der seit Montag wieder im Weißen Haus ist, „extrem gut“ angeschlagen. Trump sei "ohne Symptome". Unabhängige Ärzte warnen dagegen: Corona-Erkrankte könnten 20 Tage lang infektiös sein. Auch sei ein Rückfall bei Trump noch nicht auszuschließen. Was der Präsident von sich weist: "Ich fühle mich großartig."

Ob Trump ein negatives Test-Ergebnis vorlegt, was nach den Regularien der staatlichen Seuchenschutzbehörde CDC Bedingung für einen öffentlichen Auftritt wäre, ist unklar.

Am Freitagabend wollte sich der Präsident im TV einem quasi öffentlichen Arzttermin unterziehen - bei seinen Freunden von Fox News.

Loyalisten im Visier

Trump annoncierte seine Rückkehr ins Wahlkampfgeschehen im Laufe der Woche mit Botschaften, die in republikanischen Kreisen in Washington als "unnötige Selbstverletzungen" empfunden werden. Zuerst die Absage eines Billionen-schweren Konjunktur-Pakets, dann das Nein zum zweiten TV-Duell mit Joe Biden; jeweils mit Rückziehern versehen, die bisher im Sande verlaufen. Dann am Donnerstag eine einstündige Wut-Orgie auf Fox News, bei der sich Trump nicht nur dazu verstieg, die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris live als "Monster" zu beschimpfen. Er richtete die Salven auch auf die eigenen Reihen.

So verlangte er von Justizminister Bill Barr, unverzüglich Vorgänger Barack Obama und dessen damaligen Vizepräsidenten Joe Biden unter Anklage zu stellen. Begründung: Sie hätten 2016 ein Komplott gegen ihn dirigiert und seine Wahlkampagne in den Verdacht gerückt, mit Russland konspiriert zu haben. Barr besitze „alle nötigen Informationen“ und gehe entweder als "größter Justizminister" Amerikas in die Geschichte ein "oder als sehr traurige Begebenheit".

Ähnliches Kaliber fuhr Trump zum ersten Mal gegen Außenminister Mike Pompeo auf, der zu seinen loyalsten Anhängern gehört. Der Chef-Diplomat schaffe es einfach nicht, Dokumente zu veröffentlichen, die belegten, dass Trumps Rivalin 2016, Hillary Clinton, am Russland-Komplott maßgeblich beteiligt gewesen sei. "Ich bin nicht glücklich über ihn", sagte Trump in Richtung Pompeo.

Als Dritter im Bunde bekam Christopher Wray eine Breitseite ab. Trump vermisst beim Chef des FBI Unterstützung im Russland-Komplex – "enttäuschend".

Nicht amtsfähig?

Die Demokraten wollten am Freitag einen Gesetzentwurf vorstellen, der auf Basis der US-Verfassung ein Kongressgremium etabliert, um die Amtsfähigkeit Trumps überprüfen zu lassen. Trump leide an "Realitätsverlust, der lustig wäre", wenn er angesichts von 210.000 Corona-Toten "nicht so tödlich wäre", sagte die Oppositionsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. Weil die Republikaner im Senat die Mehrheit haben, ist das Gesetz zum Scheitern verurteilt. Trump konterte: Nicht er, sondern die "verrückte Nancy" müsse unter Beobachtung gestellt werden.

Auf Zuruf Trumps?

Eine weitere frische Baustelle hat sich Trump mit Gretchen Whitmer aufgerissen. Michigans demokratische Gouverneurin war in der Corona-Krise durch rigide Maßnahmen bei Trump in Ungnade gefallen. "Befreit Michigan", schrieb er im Frühjahr auf Twitter. Die Aufforderung hätte beinahe Früchte getragen. Das FBI hat 13 weiße Rechtsextremisten verhaftet, von denen einige Whitmer entführen, das Parlament in der Hauptstadt Lansing besetzen und einen Bürgerkrieg anzetteln wollten. Whitmer warf Trump vor, Stichwortgeber für "Inlandsterroristen" zu sein. Seine Antwort: "Statt danke zu sagen" ... "behandelt sie mich wie einen weißen Rassisten“.

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