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Politik Ausland
07/24/2021

Urlaub "at home": Sommerfrische auf Englisch

Strandhütten sind Gold wert, Wohnmobile boomen. In Pandemie-Zeiten erinnern sich Briten gerne an ihre lange vergessenen Seebäder. „Staycation“ ist das Motto

von Georg Szalai

Die Eltern sitzen am bewölkten Strand, die Kinder schlecken Eis oder spielen im Sand. Fish&Chips-Geruch erfüllt die Luft. Ein Elternteil geht in die bunte Strandhütte und macht Tee. Das Rauschen des Wasserkochers gesellt sich zu dem des Meeres.

Wer schon einmal ein britisches Seebad besucht hat, kennt vielleicht solche Szenen, die im Corona-Jahr 2020 so manchem Heimaturlauber Ablenkung zwischen Lockdowns bescherte. Doch Delta-Variante und begrenzte Auslandsreise-Optionen lassen auch heuer „Staycations“ boomen.

Laut Ferienhaus-Betreibern planen 62 Prozent der Briten ihren Haupt-Sommerurlaub in der Heimat. So mancher will sich da etwas Luxus gönnen: Whirlpools verzeichnen rasanten Nachfrage-Zuwachs. Die Ausgaben für Inlandstourismus sollen heuer um 51 Prozent klettern.

Nostalgie

Das und wohl ein Hauch von Nostalgie haben die etwa 20,000 Strandhütten im Land zu teuren Objekten der Begierde gemacht. Sie dienen zum Umziehen, Aufbewahren von Strandzubehör und Schutz vor dem Wetter. Übernachten ist nur in manchen Regionen zu bestimmten Jahreszeiten erlaubt.

„Sie sind wie Goldstaub“, sagte Michelle, die sich seit Längerem erfolglos um den Kauf einer Strandhütte bemüht, dem Guardian. Vicky konnte vor vier Jahren eine in Essex erwerben und hat sie jetzt um mehr als das Vierfache, verkauft. „Bizarr“, sagte sie der Zeitung. In den Schatten stellt das eine Hütte in Norfolk, die um 107.000 Euro die Besitzer wechselte.

„Shepherd’s Huts“, also „Schäfer-Hütten“, weil Wanderschäfer früher in solchen schliefen, sind dieser Tage ebenfalls bei Heimaturlaubern beliebt. Prinz Charles schenkte einst Prinz George eine. Jetzt teilen Fans „glamourösen Campings“, genannt „Glamping“, Fotos solcher Hütten samt Landromantik in sozialen Medien.

Starke Nachfrage gibt es auch bei einfachen Wohnwagen und -mobilen, die in Großbritannien etwa 50 Millionen Nächtigungen pro Jahr verzeichnen. Der Caravan and Motorhome Club hat rund eine Million Mitglieder und berichtet von Zulauf, auch unter Millennials. Sein Fazit: Urlaub im rollenden Heim „ist beliebter denn je“.

Rekordjahr

Auch Mark, der mit seinem Sohn gerne auf Wanderurlaub fährt, stellt sich auf mehr Inlandsreisen ein. „Ich plane, einen Kleinbus zu kaufen, den man mit einem zu Sitzen aufklappbaren Bett in ein Wohnmobil umwandeln kann“, sagt er dem KURIER. „Damit können wir dann Teile des Landes, die wir noch nicht kennen, erkunden“.

Kein Wunder, dass sich britische Campingplätze auf eine gute Urlaubssaison freuen. Die Reservierungen liegen bis zu 500 Prozent über dem Vorjahr. „Es wird wohl unser stärkstes Jahr aller Zeiten“, meint eine Betreiberin in Cornwall.

Nicht alle Briten kommen beim Heimaturlaub auch zum Zug. Zur Hauptsaison sind viele populäre Destinationen längst ausgebucht. Abi wollte nach Italien; als das nicht ging, sollte eine Staycation her. „Wir waren zu langsam“, um eine gute und leistbare Option zu finden, erzählt sie dem KURIER. „Ich will nicht 1,000 Pfund für Urlaub in England ausgeben!“

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