© APA/AFP/BERTRAND GUAY

Porträt
08/19/2021

Unkaputtbar: Ex-Präsident Bill Clinton wird 75

In seiner Ära erlebten die USA einen Wirtschaftsboom, doch beinahe stolperte der Demokrat über seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky.

von Dirk Hautkapp

Der Start verhieß gar nichts Gutes. William Jefferson Blythe III. wurde am 19. August 1946 im 6.000-Einwohner-Kaff Hope (wie Hoffnung, welch’ Ironie) im Südwesten des damals bitterarmen US-Bundesstaates Arkansas in prekäre Lebensverhältnisse hineingeboren. Der leibliche Vater William Jefferson Blythe Jr., der aus früheren Ehen mindestens zwei weitere Kinder hatte, starb bereits drei Monate vor der Geburt des Sohnes bei einem Verkehrsunfall. Mutter Victoria musste sich finanziell allein durchschlagen und ließ ihren Spross bei den Großeltern zurück.

Gewitzt, charmant, talentiert

Bis sie mit Roger Clinton zusammenkam. Dessen Familiennamen nahm „Little Billy“ 1950 an. Der Mann war Alkoholiker reinsten Wassers. Und zuweilen gewalttätig. Aber Bill Clinton rettete sich, wie auch im späteren Leben, sozusagen selbst.

Im Chor seiner katholischen Schule, beim Saxofonspielen (Jahre später) oder beim Bücherverschlingen.

Und schon bald zeigte sich, dass der Bub tatsächlich ein Glückskind war. Nicht nur gewitzt und charmant, sondern auch reich gesegnet mit der Fähigkeit, jederzeit Menschen für sich einzunehmen – Freunde wie Feinde. Aus diesem Holz werden amerikanische Präsidenten geschnitzt. Nummer 42 wird heute, Donnerstag, 75 Jahre alt.

Mit Joe Biden haben die USA den ältesten amerikanischen Staatschef ihrer Geschichte im Weißen Haus. Er ist 78. Drei Ex-Präsidenten sind jünger als er: Der 60-jährige Barack Obama (2009–2017), Bill Clinton  und der 75-jährige  Donald Trump (2017–2021), den Biden im Vorjahr bei der Wahl schlug.

Zwei Ex-Präsidenten sind älter als Biden. Wobei George W. Bush (2001–2009) bloß 40 Tage vor Biden geboren wurde. Auch Jimmy Carter (1977–1981) ist älter als der amtierende Präsident. Der 96-Jährige beging mit Ehefrau Rosalynn erst vor Kurzem seinen 75. Hochzeitstag.

Weil ihm Stipendien zuteil wurden, studierte Clinton Jus an den Elite-Universitäten Harvard und Oxford. In der Uni-Bibliothek traf er vor 50 Jahren „ein Mädchen mit dichtem blondem Haar, einem breiten Lachen und großem Selbstbewusstsein“ – Hillary Rodham.

Gouverneur mit 32, Präsident mit 44

Früh entdeckte Clinton sein politisches Talent. Es besteht bis heute aus der Begabung, Lebensmut zu spenden, auch wenn die realen Verhältnisse zum Himmel schreien. Mit seinem Markenzeichen der unverbesserlichen Zuversicht bewarb er sich 1974 als Demokrat um einen Sitz im Repräsentantenhaus ihn Washington. Noch ohne Erfolg.

Als Entschädigung stattete ihn sein landwirtschaftlich-konservativer Heimatbundesstaat mit dem Gouverneursposten in Little Rock aus. Da war Clinton erst 32.

1975 heiratete er Hillary Rodham, die 2016 Donald Trump im Rennen ums Weiße Haus unterlag. 1980 kam Tochter Chelsea zur Welt. Zwölf Jahre später, erst 44 Jahre alt, schlug Clinton Amtsinhaber George W. Bush sen. und wurde Präsident – nur John F. Kennedy war jünger bei Amtsantritt. 2001 löste der andere Bush, George W., ihn ab.

Wirtschaftsboom

In Clintons Amtszeit ereignete sich nach dem Bankrott des Ostblocks ein gewaltiger Wirtschaftsboom. Es gelang dem Präsidenten, mit sparsamer Haushaltspolitik und sprudelnden Steuer-Einnahmen Etat-Überschüsse zu erzielen, wo vorher dreistellige Milliardenlöcher klafften. Das schaffte Respekt. Auch beim politischen Gegner.

Bill Clinton mit seinen Nachfolgern George W. Bush und Barack Obama 2017

Mit dem früheren israelischen Premier Benjamin Netanjahu

Auch die britische Queen genoss offenbar Clintons Gesellschaft

Powerpaar: Bill und Hillary Clinton

Lachend mit dem russischen Präsidenten Jelzin 1995...

...und dessen Nachfolger Putin im Jahr 2000

Draußen in der Welt fiel die unblutige Intervention in Haiti zum Sturz der dortigen Militärmachthaber, eine anfangs erfolgreiche Nahost-Diplomatie und das berühmte Dayton-Abkommen zur Beendigung des blutigen Bosnienkrieges mit seinem Namen zusammen.

Die politisch-religiöse Rechte neidete dem Emporkömmling aus armen Verhältnissen Lebenslust und Liberalität. Sie schäumte geradezu, als Clinton auf die Frage, ob er schon einmal Marihuana geraucht habe, keck antwortet: „Ich habe nicht inhaliert.“

Die Lewinsky-Affäre

Politische Affären gab es einige, eine private freilich blieb im kollektiven Gedächtnis: Das Gspusi mit der Praktikantin im Weißen Haus, Monica Lewinsky, wurde dem Präsidenten fast zum Verhängnis. Clinton konnte ein Amtsenthebungsverfahren wegen Falschaussage nur knapp vermeiden.

In dieser Phase prägte sich sein Spitzname ein: „Comeback Kid“. Unkaputtbar. Viele Amerikaner wussten, dass sie einen Bruder Leichtfuß gewählt hatten. Aber sie verziehen ihm vieles. Bezeichnend, dass Clintons Beliebtheitswerte nie so hoch waren, wie nach dem gescheiterten Impeachment kurz vor seinem Abgang: 68 Prozent.

Mit Buchverträgen und Rede-Honoraren (zeitweilig 350.000 Dollar für ein Stündchen) wurde Clinton durch Amt und Politik steinreich. Zu seinem 60. Geburtstag spielten die Rolling Stones auf.

Fünfzehn Jahre später ist alles eine Kategorie gesetzter. „Wir feiern auf Long Island bei New York“, sagte Clinton, sichtlich gealtert mit der markanten Reibeisenstimme, neulich im Frühstücksfernsehen. Die wichtigsten Gäste: Gattin Hillary, Tochter Chelsea und die Enkelkinder.

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