© APA/AFP/OLIVIER DOULIERY

Politik Ausland
01/10/2021

Trumps Ein-Mann-Nachrichtenagentur geschlossen

US-Kurznachrichtendienst Twitter nimmt dem scheidenden US-Präsidenten sein Megafon - und Joe Biden findet klare Worte

von Dirk Hautkapp

Der künftige US-Präsident Joe Biden nimmt sich kein Blatt mehr vor den Mund: Donald Trump sei einer der unfähigsten Präsidenten in der Geschichte des Landes gewesen, und er sei froh, dass er nicht zu seiner Amtseinführung komme. Trump sei „völlig amtsunfähig“, sagte Biden und stellte sich damit indirekt hinter die vorwiegend von Demokraten geforderte Amtsenthebung des Noch-Präsidenten.

Mag das heraufziehende echte Impeachment-Verfahren erneut scheitern, medial ist Trump seit Freitagabend de facto des Amtes enthoben. Nach elf Jahren und 57.000 Beiträgen, von denen viele erdbebenartige Erschütterungen in Newsrooms und Regierungszentralen weltweit auslösten, hat Twitter ihm sein wirkungsmächtigstes Megafon weggenommen.

Das von rund 88 Millionen Menschen verfolgte Konto @realDonaldTrump ist dauerhaft gesperrt. Der kalifornische Kurzmitteilung-Riese begründete dies damit, dass Trump nach der Erstürmung des Kapitols, die fünf Todesopfer forderte, weiter Gewalt verherrlicht habe. Weil es in einschlägigen Kreisen Hinweise auf eine erneute Attacke auf das Parlament in Washington am 17. Jänner gebe, habe man die Reißleine gezogen.

„Zensur!“, zeterte Trump. Er gab einer Verschwörung von Demokraten, Linken und Twitter die Schuld. Er und seine Wähler, alle „großartige Patrioten“, sollen mundtot gemacht werden. Er werde auf andere Dienste ausweichen oder eine eigene Plattform aufbauen.

"Parler" keine Alternative

Sollte der Präsident „Parler“ ins Auge gefasst haben, stehen die Chancen schlecht. Das 2018 gegründete Alternativ-Twitter, Tummelplatz für vorwiegend rechtslastige Leute, die anderswo ausgemustert wurden, ist ins Fadenkreuz von Apple und Google geraten. Die Internet-Riesen erwägen, die App zu blockieren.

Das Zerwürfnis mit Twitter beendet eine historisch einmalige Liaison, die Trump 2017 so einschätzte: „Ich bezweifle, dass ich ohne die sozialen Medien heute hier wäre.“ Mit den Worten seines ersten Regierungssprechers Sean Spicer: „Ohne Twitter wäre er, glaube ich, nicht Präsident geworden.“ Um traditionelle Medien zu umlaufen und in Holzhammer-Rhetorik direkt mit seiner Basis kommunizieren zu können, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit, war Twitter für Trump wie eine Ein-Mann-Nachrichten-Agentur, bei der niemand redigiert.

Zweifel gesät

Obwohl Trump Fremdenfeinde (Muslim-Bann), Rassisten (George Floyd: Wenn das Plündern beginnt, beginnt das Schießen) und Rechtsextremisten (Charlottesville) mit seinen oft vor Tipp-Fehlern strotzenden Mitteilungen streichelte, ließ Twitter-Boss Jack Dorsey den „Twitterator“ lang gewähren. Die Wende kam im vergangenen Mai. Trump legte die Saat für seine jetzt explodierte Legende vom (Brief-)Wahlbetrug. Seitdem versah Twitter Dutzende Einträge mit Warnhinweisen oder löschte sie.

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