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Politik Ausland
10/04/2021

Tony Blairs Millionengeschäfte: Wie kam der Ex-Premier zu so viel Geld?

Im Zuge der Pandora Papers kam ein kruder Immobiliendeal um den ehemaligen Labour-Chef ans Licht. Wie kam er an die Millionen?

von Johannes Arends

"Das britische Steuersystem ist eine Spielwiese für Steuerhinterzieher" – dieses Zitat aus  1994 fliegt dem ehemaligen britischen Premier Tony Blair  aktuell um die Ohren. Wie aus den sogenannten Pandora Papers hervorgeht – Enthüllungen, die auf  Informationen zu unzähligen Briefkastenfirmen basieren – soll der Ex-Labour-Chef gemeinsam mit seiner Frau 38 Häuser in aller Welt angehäuft und teils an der Steuer vorbeigeschleust haben.

Für Aufsehen sorgt aktuell etwa der Kauf eines viktorianischen Anwesens im Londoner Zentrum im Wert von knapp 6,5 Millionen Pfund (ca. 7 Mio. Euro). Cherie Blair benutzt es inzwischen als Bürositz für ihre Beratungsfirma Omnia Strategy. Wie nun im Zuge der Pandora Papers bekannt wurde - also Enthüllungen, die auf einem gewaltigen Datensatz mit Informationen zu unzähligen Offshore-Firmen basieren - bedienten sich die beiden dabei einer kruden Firmenkonstruktion, mit der sie sich beim Kauf knapp 312.00 Pfund (365.000 Euro) an Steuern sparten.

Das funktionierte so: Die Villa in der Londoner Harcourt Street war 2015 von einem Unternehmen namens Romanstone mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln gekauft worden. Romanstone war eine klassische Briefkastenfirma, also ein Scheinunternehmen, das extra zu diesem Zweck gegründet worden war.

Tony und Cherie Blair gründeten also ihrerseits eine Firma mit dem entlarvenden Namen Harcourt Ventures - und kauften gleich die ganze Scheinfirma Romanstone auf. Damit ging auch das Anwesen in ihren Besitz über. Weil der Deal aber offiziell kein Immobilienkauf, sondern die Übernahme eines ausländischen Konzerns darstellte, wurde keine Grunderwerbssteuer fällig.

Das Geschäft ist besonders pikant, da Romanstone einst von einem weiteren Konzern namens Riverton gegründet worden war, der im Besitz von Zayed bin Rashid al-Zayani, dem Wirtschafts- und Handelsminister von Bahrain, ist. Es war nicht das erste Mal, dass die Blairs mit dem reichen Inselstaat im persischen Golf ins Geschäft kamen: So war Cherie Blair bereits 2012 als juristische Beraterin für die bahrainische Regierung tätig.

Heute beteuert die 67-Jährige, vor dem Kauf von Romanstone nicht gewusst zu haben, wer sich dahinter verborgen hätte. Stattdessen sei es ihr vor allem darum gegangen, das Gebäude "zurück in britischen Besitz" zu bringen. Ihr Ehemann sei zudem "in keinster Weise" an dem Kauf beteiligt gewesen, einzig das Unternehmen Harcourt Ventures habe man auf dem Papier gemeinsam gegründet.

Das gemeinsam geführte Tony Blair Institute rückte auf Twitter zur Verteidigung des Ex-Premierministers aus:

Nach aktuellem Wissensstand scheint das Geschäft zwar höchst lukrativ, aber nicht zwingend illegal gewesen zu sein. Es steht aber in starkem Kontrast zu den Werten, für die der einstige Labour-Chef Ende der 1990er Jahre eingestanden ist.

Woher hatte Blair das Geld?

Das Amt des britischen Premiers ist selbstverständlich mit einem fürstlichen Gehalt verbunden. Ohne Zulagen sind dies aktuell etwa knapp 82.000 Pfund. Auch nach Ende der Amtszeit steht ehemaligen Premierministern immerhin eine jährliche staatliche Vergütung von bis zu 115.000 Pfund (ca. 134.500 Euro) zu, um etwaige Ausgaben für weitere öffentliche Auftritte zu kompensieren.

Wie vor knapp drei Jahren publik wurde, hat Blair diese Vergütung seit 2007 zur Gänze bezogen, was fast 1,5 Millionen Pfund (1,75 Millionen Euro) entspricht. Zum Vergleich: David Cameron, ebenfalls Ex-Premier, soll nur etwa 50.000 Pfund pro Jahr beansprucht haben.

Doch die großen Summen machte Blair erst nach seiner Polit-Karriere. So erhielt er im Jahr 2008 für seine Memoiren vom US-Verlag Random House etwa einen satten Vorschuss von neun Millionen Pfund (10,5 Mio. Euro) im Voraus. Sie erschienen 2010 unter dem Titel "Mein Weg".

Seit 2007 war Blair zudem für etliche Organisationen und Regierungen als Berater tätig, darunter etwa für den ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi oder den umstrittenen kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew. Besonders lukrativ dürfte ein Geschäft mit der US-Bank JP Morgan gewesen sein, wo Blair seit 2008 rund zwei Millionen Pfund (2,3 Mio. Euro) pro Jahr erhalten haben und den Verantwortlichen etliche Kontakte zu einflussreichen Politikern weltweit gelegt haben soll.

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