Eurogroup President Jeroen Dijsselbloem holds a news conference at the end of a Eurogroup meeting at the European Council building in Brussels, March 25, 2013. REUTERS/Sebastien Pirlet (Belgium - Tags: POLITICS BUSINESS)

© Reuters/SEBASTIEN PIRLET

Zypern als Modell
03/29/2013

Streit um den Beitrag von Großsparern

Bankpleiten: Luxemburg warnt davor, dass Investoren Geld aus der Eurozone abziehen könnten.

von Christine Klafl

Aktionäre, Anleihenbesitzer und Sparer in der Eurozone könnten künftig an den Kosten von Bankpleiten beteiligt werden. Der Fall Zypern tauge als Modell für weitere Hilfsprogramme. Diese Aussagen von Jeroen Dijsselbloem, Niederlands Finanzminister und Chef der Eurogruppe, haben eine heftig geführte Debatte ausgelöst. Die offiziellen Statements vieler Regierungen: Zypern ist ein Sonderfall und in keineswegs als Blaupause für andere Krisenfälle zu betrachten. Selbst beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington ist man der Ansicht, dass der Fall Zypern einzigartig gewesen sei.

Dijsselbloem bekommt aber auch Zustimmung. Sein Landsmann, der Notenbank-Chef Klaas Knot, sagte in einem Interview mit einer niederländischen Zeitung, an Dijsselbloems Bemerkungen sei „wenig falsch“.

Blaupause

Zypern „ist keine Blaupause. Wir dürfen nicht den Eindruck geben, als ob es zukünftig so wäre, dass Spareinlagen in Europa nicht sicher wären“, sagt Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker. Die Kritik an seinem Nachfolger Dijsselbloem als Chef der Eurogruppe ist unüberhörbar. Auch Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden ist strikt gegen ein Modell, bei dem vermögende Sparer (mit mehr als 100.000 Euro auf der hohen Kante) zur Sanierung von Banken herangezogen werden. „Das führt dazu, dass Investoren ihr Geld außerhalb der Eurozone anlegen“, sagte er zum Magazin Spiegel.

Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, ist „sehr, sehr froh, dass jetzt Bankeinlagen bis zur Sicherungsgrenze von 100.000 Euro nicht mehr zur Diskussion stehen“. Für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Zwangsabgaben von betuchteren Bankkunden fehlen einfach noch die Fakten. Rudorfer: „In Brüssel ist man ja noch mitten in den Verhandlungen.“

Sollte es tatsächlich konkreter werden, dass vermögendere Sparer im Fall des Falles abkassiert werden, kann das zu Verschiebungen von Anlage- und Investorengeldern führen – vor allem weg von schwächeren Banken aus schwächeren Euroländern. Zu diesem Schluss kommen Raiffeisen-Experten in der jüngsten Analyse. Sind Spareinlagen über 100.000 Euro nicht mehr vor Verlusten gefeit, werde das Universum von sicheren Veranlagungen noch kleiner.

In Zypern selbst stimmte Präsident Nikos Anastasiades am Freitag die Betroffenen darauf ein, dass die Kapitalverkehrskontrollen nicht so bald beendet sein werden. Bisher war nur von sieben Tagen die Rede gewesen. Jetzt geht man in Zypern schon von einem Monat aus, bis alle Beschränkungen aufgehoben werden.

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