Ein Tänzchen mit Außenministerin Kneissl

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Politik | Ausland
05/15/2019

Sport und enge Freunde: Putins private Liebe zu Österreich

Der Kremlchef empfängt heute Bundespräsident Van der Bellen in Sotschi. Er ist ein großer Österreich-Fan und hat hier enge Freunde.

Österreichs Beziehungen zu Russland vertiefen - das will Bundespräsident Alexander Van der Bellen heute in Sotschi. Kremlchef Wladimir Putin ist Österreich freundschaftlich verbunden, er hat das Land mehrmals privat besucht.

Zuletzt reiste er vorigen August an, war Ehrengast auf der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl. Das gemeinsame Tänzchen samt Kniefall Kneissls sorgte international für Aufsehen.

Schon in den 1980er-Jahren, als Agent des sowjetischen Geheimdienstes KGB in der DDR, soll der sportliche Putin in den Alpen Skigefahren sein. Ob das stimmt, bleibt – wie so vieles in seinem Leben – allerdings im Dunkeln.

Belegt ist ein Skiurlaub zu Weihnachten 1992 im niederösterreichischen Göstling. Putin verbrachte einige Tage mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern am Hochkar.

Männerfreundschaften

Eingefädelt hatte den zunächst anonymen Aufenthalt Michael Seper. Dieser kennt Putin seit Beginn der 1990er-Jahre, als er für eine österreichische Firma St. Petersburg besuchte. Im Laufe der Jahre trafen sich die beiden Männer immer wieder.

Erst voriges Jahr gab es ein freudiges Wiedersehen, als Putin anlässlich des 50. Jahrestag des Beginns der Erdgaslieferungen aus der damaligen Sowjetunion nach Österreich Wien besuchte.

Seper betrachtete die Beziehung zu Putin stets als Privatangelegenheit. Auskunftsfreudiger ist Karl Schranz. Die Skilegende verbindet eine enge Freundschaft mit Putin, seit die beiden bei der Ski-WM in St. Anton 2001 mit dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel medienwirksam einen Hang hinunter wedelten.

Schranz bezeichnet sich als „einen der ganz wenigen“, die Putin etwas sagen könnten. „Ich kann mit ihm über alles diskutieren – auch politisch.“ Das mache er "natürlich mit dem nötigen Respekt“.

Als „respektvoll“ bezeichnet auch Siegfried Wolf seine Beziehung zu Putin, den er seit rund 20 Jahren kennt, und den er immer wieder gegen Kritik verteidigt. Als Spitzenmanager des Magna-Konzerns von Frank Stronach war Wolf in den 1990er-Jahren immer wieder nach Russland gereist.

Seit seinem Abgang bei Magna 2010 ist Wolf Aufsichtsratsvorsitzender von „Russian Machines“, eines Unternehmens des Kreml-nahen Oligarchen Oleg Deripaska. Wolf ist auch Aufsichtsratschef der Sberbank Europe, einer Tochter der größten russischen Bank.

Hunde für die Klestils

Die neben Kneissl einzige Frau in Putins österreichischem Freundeskreis ist Margot Klestil-Löffler. Die Diplomatin hatte Putin in ihrer Rolle als Österreichs „First Lady“ kennengelernt, als zweite Frau von Bundespräsident Thomas Klestil. Als „Zeichen einer lebendigen Freundschaft“ beschenkte Putin das Ehepaar 2004 mit zwei Labradorwelpen.

Als Thomas Klestil wenig später starb, erwies ihm Putin in Wien die letzte Ehre. Zwischen 2009 und 2015 besuchte Klestil-Löffler als österreichische Botschafterin in Moskau immer wieder Putin und seine – mittlerweile geschiedene – Frau Ljudmilla.