A view shows a building damaged by shelling in Kramatorsk

© via REUTERS / UKRAINE'S STATE EMERGENCY SERVIC

Lagebericht

Russische Armee bombardiert Kramatorsk

Tag 41: 600 russische Soldaten derzeit in Kriegsgefangenschaft. Neue NATO-Truppen an der Ostflanke sind einsatzbereit.

04/05/2022, 09:00 AM

Tag 41 im Krieg zwischen Aggressor Russland und der Ukraine.

Die russische Armee hat in der Nacht auf Dienstag die ostukrainische Gro√üstadt Kramatorsk bombardiert. Bei den Raketenangriffen wurde laut Nachrichtenagentur AFP eine Schule im Zentrum zerst√∂rt. Seit der Ank√ľndigung Moskaus, seine Milit√§raktionen auf den Donbass zu konzentrieren, wird im Osten der Ukraine eine russische Gro√üoffensive bef√ľrchtet. Der B√ľrgermeister der Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, warnte indes die Bewohner der Vororte davor, in ihre H√§user zur√ľckzukehren.

Die attackierte Schule in Kramatorsk liegt neben einem Geb√§ude der Polizei. Neben dem teilweise eingest√ľrzten Schulgeb√§ude war nach dem Angriff ein Krater mit einem Durchmesser von etwa zehn Metern zu sehen. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zerst√∂rt. Da sich zum Zeitpunkt des Angriffes niemand in der Schule aufhielt, gab es nach Angaben von Anwohnern offenbar keine Opfer.

Die ukrainischen Beh√∂rden gehen davon aus, dass sich die russischen Streitkr√§fte aus Gebieten im Norden der Ukraine, insbesondere um Kiew, zur√ľckgezogen haben, um ihre Angriffe im Osten und S√ľden des Landes zu intensivieren. Kampfhandlungen in diesen Regionen h√§tten im Laufe der Woche aufgrund des russischen R√ľckzugs deutlich abgenommen. Die aus dem Norden abgezogenen Truppen m√ľssten mutma√ülich v√∂llig neu ausgestattet und aufgestellt werden, bevor Moskau sie im Osten der Ukraine wieder einsetzen k√∂nne, hie√ü es weiter.

Das ukrainische Verteidigungsministerium rechnet mit weiteren russischen Angriffen auf die belagerte Millionenstadt Charkiw im Osten der Ukraine.

Täuschungsmanöver

So meinte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew, Olexander Motusjanyk, nach Angaben der Ukrajinska Prawda in der Nacht auf Dienstag: Russische Truppen bereiten sich darauf vor, Charkiw zu erobern. Auch in anderen Gebieten im Osten der Ukraine erhielten russische Truppen demnach Verst√§rkung.

Die russischen Streitkr√§fte hatten vergangene Woche angek√ľndigt, ihre Aktivit√§ten rund um die Hauptstadt massiv zu reduzieren. Die ukrainischen Streitkr√§fte warnen hingegen, dass es sich um ein T√§uschungsman√∂ver handeln k√∂nnte. Nach dem russischen Abzug aus einigen Vorst√§dten von Kiew fanden die ukrainischen Truppen zahlreiche Leichen vor, insbesondere in Butscha. Westliche Regierungschefs werfen den Russen deshalb Kriegsverbrechen vor. Moskau weist die Anschuldigungen zur√ľck.

Selenskij spricht vor UNO-Sicherheitsrat

Der ukrainische Pr√§sident Wolodymyr Selenskyj hat bei einer Rede vor dem UNO-Sicherheitsrat gefordert, Russland f√ľr die Gr√§ueltaten in dem Kiewer Vorort Butscha zur Rechenschaft zu ziehen. ‚ÄěRechenschaft muss unvermeidbar sein‚Äú, sagte Selenskyj am Dienstag bei seiner per Videoschaltung √ľbertragenen Rede vor dem wichtigsten UNO-Gremium

600 Soldaten in Gefangenschaft

Unterdessen befinden sich etwa 600 russische Soldaten derzeit in Kriegsgefangenschaft der Ukraine. Das sagte die ukrainische Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Dienstag fr√ľh nach Angaben der Ukrajinska Prawda im Einheitsprogramm des ukrainischen Fernsehens. Man suche nach Wegen, √ľber das Rote Kreuz Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft zu erreichen, und wolle Russland dazu bringen, sie freizulassen. In den Gebieten der selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk seien einige Menschen bereits seit 2014 in russischer Kriegsgefangenschaft.

Die Ukraine k√ľndigte unterdessen f√ľr Dienstag die Einrichtung von insgesamt sieben Fluchtkorridoren f√ľr die Evakuierung von Zivilisten an. Die belagerte Hafenstadt Mariupol k√∂nnten Bewohner aber ausschlie√ülich in Privatautos verlassen, sagte Vize-Regierungschefin Wereschtschuk der Agentur Ukrinform zufolge. Sie warf den russischen Truppen vor, entgegen ihrer Zusagen den Zugang nach Mariupol f√ľr Hilfkonvois weiter zu blockieren. Kiew und Moskau beschuldigen sich seit Wochen gegenseitig, die Flucht von Zivilisten zu sabotieren.

Wereschtschuk zufolge wurden Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die zwischenzeitlich in der westlich von Mariupol gelegenen Ortschaft Manhusch festgehalten worden sein sollen, mittlerweile wieder freigelassen. Das Rote Kreuz solle am Dienstag einen neuen Versuch starten, Menschen in Bussen in die Stadt Saporischschja zu bringen.

NATO an Ostflanke mit neuen Truppen

Die NATO kommt mit ihren Bem√ľhungen um eine Verst√§rkung der Ostflanke voran. Wie eine Sprecherin des Milit√§rb√ľndnisses der Deutschen Presse-Agentur best√§tigte, haben die vier neuen multinationalen Gefechtsverb√§nde in Ungarn, Rum√§nien, Bulgarien und der Slowakei die erste Stufe der Einsatzbereitschaft erreicht. Ihr Aufbau war erst vor einigen Wochen angek√ľndigt worden.

Zur genauen Zusammenstellung und Größe der sogenannten Battlegroups äußerte sich die NATO zunächst nicht. Nach einer Aufstellung vom 21. März waren allerdings schon damals 2.100 Soldaten aus Ländern wie Deutschland, den Niederlanden, Tschechien und den USA in der Slowakei präsent. In Ungarn waren es 800 Soldaten aus Kroatien, in Bulgarien 900 aus den USA und in Rumänien 3.300 aus Ländern wie Frankreich, Belgien, Italien und den USA.

Die neuen Gefechtsverb√§nde sollen angesichts des russischen Kriegs gegen die Ukraine die Abschreckung und die Verteidigungsf√§higkeiten weiter erh√∂hen. Bisher hatte die NATO nur in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen dauerhaft multinationale Verb√§nde stationiert. Normalerweise sind diese Battlegroups etwa 1.000 bis 1.200 Soldaten stark, sie wurden allerdings zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs deutlich verst√§rkt. Deutschland f√ľhrt derzeit einen rund 1.600 Soldaten starken Gefechtsverband in Litauen. In die Slowakei wurden im M√§rz zudem Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe mit dem Flugabwehrraketensystem Patriot verlegt.

Wann die neuen Gefechtsverbände in der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach der sogenannten Anfangsbefähigung (Initial Operational Capability) auch die sogenannte Vollbefähigung (Full Operational Capability) zertifiziert bekommen, blieb zunächst unklar. Ebenfalls ist noch offen, wie die langfristige NATO-Präsenz an der Ostflanke aussehen soll.

Als Option gilt, erstmals Brigaden im √∂stlichen B√ľndnisgebiet zu stationieren. Sie k√∂nnten jeweils rund 5.000 Soldaten stark sein und zum Beispiel durch Elemente der Luft- und Seestreitkr√§fte oder Spezialkr√§fte erg√§nzt werden.

Ein solcher Schritt d√ľrfte allerdings die Spannungen mit Russland weiter verst√§rken. Moskau w√ľrde vermutlich argumentieren, dass die langfristige Stationierung solcher Brigaden nicht mit der NATO-Russland-Grundakte vereinbar sei. Darin hat sich die NATO verpflichtet, auf die dauerhafte Stationierung "substanzieller Kampftruppen" im √∂stlichen B√ľndnisgebiet zu verzichten.

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