Schäuble ist nicht mehr Bundestagspräsident: Der langsame Abschied von der Macht

Schäuble ist nicht mehr Bundestagspräsident: Der langsame Abschied von der Macht
Der Strippenzieher der CDU muss vom zweithöchsten Amt im Staat auf die Hinterbank. Ans Aufhören denkt der 79-Jährige keineswegs.

Er wird es heute, Dienstag, noch ein letztes Mal tun – und die erste Sitzung des neu gewählten Parlaments eröffnen. Danach sitzt Wolfgang Schäuble nicht mehr als zweitwichtigster Mann im Staat vorne auf dem Platz des Bundestagspräsidenten, sondern wechselt als einfacher Abgeordneter in die hintere Reihe.

Denn das Amt, das er seit 2017 innehatte, steht der größten Fraktion zu. Diese stellt die SPD, die Gesundheitsexpertin Bärbel Bas als seine Nachfolgerin nominiert hat. CDU und CSU kommen nicht zum Zug, da sie die Wahl mit einer historischen Niederlage verloren haben. Es ist auch eine für Schäuble. Nicht nur, dass der 79-Jährige sein bisheriges Amt nicht mehr ausüben kann. Er brachte im April 2021 sein ganzes politisches Gewicht zum Einsatz, um Armin Laschet als Kanzlerkandidaten durchzubringen – Markus Söder hatte das Nachsehen.

Mit seinem Wort für den CDU-Chef und gegen seinen bayerischen Amtskollegen konnte er in der Union sogar Zweifler überzeugen. Nun ist es er, an dem manche zweifeln. Niemand aus der ersten Reihe, aber Jung-Unionisten, die ihn als verdienten, aber wenig zukunftsweisenden Politiker sehen. Jüngst forderten sie, dass er sein Mandat niederlegen soll.

Doch daran denkt Schäuble nicht.

Immer die Nummer zwei

14-mal in Folge hat er das Mandat in seinem Wahlkreis Offenburg in Baden-Württemberg gewonnen – ein Rekord. Wie überhaupt seine Karriere im Bundestag, dem er seit 1972 angehört. In der CDU will der dienstälteste Abgeordnete aber kürzertreten: Er kandidiert nicht mehr für den Vorstand seiner Partei, die er wie kein anderer mitgeprägt hat.

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