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Politik Ausland
10/27/2021

Pandemie in Russland eskaliert: Lockdown und Extra-Urlaub

Die niedrigen Impfraten lassen in Russland die Todesraten in die Höhe schnellen. Putin verordnet arbeitsfreie Woche.

von Konrad Kramar

1100 Tote täglich zu Wochenbeginn  - und das sind nur die offiziellen Zahlen. Russland erlebt in diesen Tagen eine dramatische Eskalation der Pandemie. Hauptgrund sind die niedrigen Impfraten. Mit gerade einmal 30 Prozent vollständig Geimpften kann sich vor allem die aggressive Delta-Mutation des Virus rasch ausbreiten. Das Gesundheitssystem ist überlastet.

Moskau sperrt zu 

Angesichts immer neuer Höchststände bei den Corona-Zahlen in Russland sollen in der Hauptstadt Moskau Geschäfte und viele Freizeiteinrichtungen eine Woche lang schließen. Geöffnet bleiben sollen vom 28. Oktober bis 7. November aber Apotheken und Supermärkte, wie Bürgermeister Sergej Sobjanin am Donnerstag in seinem Blog schrieb. Einkaufszentren, Kinos und Fitnessclubs bleiben demnach zu.

Arbeitsfreie Woche

Für diese Zeit gelten landesweit von Präsident Wladimir Putin verordnete arbeitsfreie Tage, um eine weitere schnelle Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen.


„Auch in Moskau entwickelt sich die Lage nach dem schlimmsten Szenario weiter“, begründete Sobjanin sein Vorgehen. Schulen und Kindergärten sollen deshalb ebenfalls schließen. Restaurants und Cafés dürfen Essen und Getränke nur zum Mitnehmen anbieten. Theater und Museen dürfen dagegen weiterarbeiten - allerdings darf die Auslastung Sobjanin zufolge nur noch 50 Prozent betragen. Außerdem müssen Besucher nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind. Alle Maßnahmen könnten notfalls verlängert werden, so der Bürgermeister.

Keine Impfpflicht


Eine landesweite Impfpflicht werde es nicht geben, versicherte Präsident Wladimir Putin. Er unterstütze so etwas nicht. Die Menschen würden sich dann gefälschte Bescheinigungen kaufen. Es sei besser, sie davon zu überzeugen, dass eine Immunisierung besser sei, als an Corona zu erkranken, meinte Putin. Portale für Flugbuchungen sehen allerdings nach Bekanntwerden der arbeitsfreien Tage eine verstärkte Nachfrage.

"Statistik stark untertrieben"

Dazu der russische Virologe Alexej Kuprijanow gegenüber dem ZDF: "Die Zahlen sind erschreckend, doch sie spiegeln nicht das gesamte Ausmaß des Problems wider. Öffentlich bekannt sind die operativen Kennzahlen zu den Todesfällen, die nicht in allen Regionen sorgfältig erfasst werden.

3000 Tote täglich

 Kuprijanow hält die Totenzahlen für stark untertrieben: "Die aktuellen Zahlen sind drei bis dreieinhalb mal höher. Das heißt: Dass jetzt rund 3.000 Menschen pro Tag sterben, nicht weniger." 

 

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