© Angelika Ahrens

Reportage
10/28/2020

Orthodoxe Juden in New York: "Wir mögen Covid nicht, aber Trump"

Orthodoxe Juden verstehen die Corona-Aufregung nicht, laufen ohne Masken herum und fühlen sich von Trump verstanden.

von Angelika Ahrens

Nur zwanzig Minuten vom neuen World Trade Center und der Freiheitsstatue entfernt, leben Hunderttausende Menschen in einer Parallelwelt, mitten im pulsierenden New York. Borough Park ist die größte chassidische Gemeinde außerhalb Israels. Hier gibt es 350 Synagogen auf einer Fläche von 2,6 . Statt moderner Einkaufszentren und globaler Bekleidungsmarken reihen sich altmodisch wirkende Banken und Geschäfte für Hüte, Mäntel und Umstandsmoden aneinander.

Doch Geschäfte und Schulen sind wegen des neuerlichen Shutdowns geschlossen. Die gelben Schulbusse mit jiddischer Aufschrift stehen still. New York City konnte bisher eine zweite große Corona-Welle abwehren, aber in einigen ultra-orthodoxen Gemeinden in und um NYC sind die Covid-Infektionsraten wieder drastisch gestiegen.

Hier wütete Covid besonders

Hier in der größten orthodoxen Gemeinschaft der Welt hat Covid-19 im Frühjahr besonders stark gewütet. Kaum eine andere Bevölkerungsgruppe hat so viele Tote verzeichnet, wie diese. Bis April sind in Summe rund 700 Menschen der orthodoxen Gemeinden an den Folgen der Pandemie gestorben.

Dennoch schieben in diesen Tagen oft Frauen ohne Masken ihren Kinderwagen durch die Einkaufsstraßen. Männer in langen schwarzen Mänteln, mit schwarzen Hüten und langen Schläfenlocken besprechen in Grüppchen auf dem Gehsteig Geschäftliches – ohne Masken. Vergangene Woche hätte hier eine Hochzeit mit bis zu 10.000 Gratulanten steigen sollen, ein potenzielles Superspreader-Event. Gouverneur Andrew Cuomo untersagte die Massenveranstaltung.

Die orthodoxen Gemeindemitglieder verstehen die Aufregung um Covid nicht. Masken seien laut Präsident Donald Trump ohnehin nicht wirklich nötig. Im Bezirk Borough Park im Stadtteil Brooklyn sind vorwiegend Trump-Wähler zu finden. „Viele Gemeindemitglieder hatten nach dem Frühjahr Antikörper,“ erklärt Yochonon Donn, ein chassidischer Journalist. Zwar höre man, dass Menschen auch mit Antikörpern wieder an Covid erkrankt seien. Aber das mache die Leute nicht nervös, so Donn.

Auf engstem Raum

Dass mehr Menschen in den orthodoxen Gemeinden an Covid erkranken, sei mit dem Lebensstil zu erklären, so Yosef Rapaport, ein chassidischer Medien-Berater. Der 66-Jährige hat acht Kinder, 40 Enkelkinder und 1 Urenkelkind. Diese Großfamilien, die hohe Menschendichte seien der Grund für vermehrte Ansteckungen. „Das ist, als ob du ein Streichholz zu trockenem Zunder geben würdest,“ so Rapaport.

Viele Gemeindemitglieder würden nicht verstehen, warum sie immer wieder ermahnt werden, Masken zu tragen und Social Distancing Regeln einzuhalten, wenn gleichzeitig Demonstranten für „Black Lives Matter“ durch ihre Straßen ziehen. Vor diesem Hintergrund sei auch das mit der Hochzeit unverständlich. Die Rede ist von der Hochzeit des Enkels von Grand Rabbi Zalman Teitelbaum. Die Hochzeit musste, nachdem die Pläne geleakt worden waren, im kleineren Rahmen stattfinden.

Yochonon Donn erklärt, worüber die Menschen hier noch verärgert seien: „Cuomo sagte letzte Woche, dass die Juden nicht auf Regeln hören würden“ (für viele orthodoxe Juden gelten nur die Gesetze Gottes, Anm.). Das erinnere viele an 1938, viele orthodoxe Juden in Borough Park hätten Eltern oder Großeltern, die den Holocaust erlebt hätten. Einer, der ihnen keine Regeln mache, sei Präsident Trump. „He is real“, meint Rapaport. „Das ist wichtig für viele in der chassidischen Gemeinschaft.“ Er verteidige ihre religiöse Freiheit und schütze ihren Lebensstil. Drei Viertel der Gemeinschaft würden Trump unterstützten, sagt Donn.

„Wir mögen Covid nicht, aber Donald Trump“ – Hauptgrund für solche Aussagen sei Trumps Politik etwa gegenüber dem Iran und dass er Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkennt. Zudem sei Trumps Schwiegersohn Jared Kushner jüdisch, seine Frau Ivanka konvertierte vor der Ehe zum Judentum.

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