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Porträt
02/19/2022

Nach Hitler-Vergleich: So tickt Elon Musk

Der Tesla-Gründer sorgt für einen Skandal, weil er den kanadischen Premier mit Hitler verglich. Musk polarisiert wie kaum ein Multi-Milliardär vor ihm. Wie tickt der reichste Mann der Welt?

von Johannes Arends, Melanie Klug

Der laut dem US-Wirtschaftsmagazin Forbes aktuell reichste Mann der Welt sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. Wie so oft aber nicht wegen seines unternehmerischen Erfolgs, sondern wegen spätnächtlicher Twitter-Eskapaden.

Hintergrund war das Vorgehen der kanadischen Regierung gegen anhaltende Proteste von Lkw-Fahrern, die seit einer Woche für die Aufhebung sämtlicher Corona-Maßnahmen protestieren. Musk, der als Teenager selbst in Kanada lebte und bis heute Staatsbürger ist, sympathisierte zuletzt mehrfach öffentlich mit den Truckern, bezeichnete etwa den in dieser Woche ausgerufen Notstand mit den Worten: „Da entsteht Faschismus“.

Unter einen Bericht, wonach die Regierung in Ottawa versuche, in Kryptowährungen bezahlte Online-Spenden für die Demonstranten zu blockieren, antwortete Musk am frühen Donnerstagmorgen schließlich mit einem Hitler-Foto, dazu der Text: „Hört auf, mich mit Trudeau zu vergleichen. Ich hatte ein Budget.“

Kritik schlug ihm umgehend entgegen. Der Twitter-Account des Museums an der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau bezeichnete Musks Vergleich als „traurig und verstörend“, er missachte „die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes“. Musk löschte den Tweet wenige Stunden später.

Der Multimilliardär ist für sein erratisches Auftreten im Netz berüchtigt. Vor allem auf Twitter sorgt der 50-Jährige regelmäßig für große Aufregung, mit oft kryptischen oder provokanten Tweets in den späten Nacht- und frühen Morgenstunden. Gerade weil nicht immer klar ist, was er scherzhaft meint und was nicht, ziehen die Sprüche und Bilder regelmäßig reale Folgen für sein mächtiges Firmenimperium nach sich.

Schwere Nachwirkungen hatte etwa ein Tweet aus dem Mai 2020. Damals schrieb der Tesla-Chef lediglich: „Der Tesla-Aktienpreis ist meiner Meinung nach zu hoch“ und ließ damit schlagartig den Kurs des eigenen Unternehmens um zwölf Prozent abstürzen – ein Verlust von knapp 13 Milliarden Dollar Börsenwert. Mitte Dezember schrieb er dann davon, „alle Jobs“ kündigen und „Vollzeit-Influencer“ werden zu wollen. Wegen der Bedeutung, die dieser Schritt für seine Riesenkonzerne hätte, sahen sich Nachrichtenmedien weltweit gezwungen, zu berichten. Musk amüsierte sich köstlich.

Wo steht Musk politisch?

Der 50-Jährige genießt es sichtlich, mit der medialen und auch wirtschaftspolitischen Macht seines Wortes zu spielen. Seine politischen Ansichten, die über Kritik an ausgewählten Corona-Maßnahmen oder regulatorischen Eingriffen in sein Unternehmertum hinausgehen, bleiben aber ein Rätsel.

So saß Musk etwa 2017 noch an der Spitze des Wirtschaftsrats, der den damaligen US-Präsident Trump beraten sollte. Neben anderen Multimilliardären wie Tim Cook (Apple) oder Jeff Bezos (Amazon). „Es wäre ja nicht gut, wenn ihn nur Extremisten beraten“, meinte Musk damals. Doch nur wenige Monate später, nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, tobte der Tesla-Gründer im Netz, sprach vom „schlechten Charakter“ des Präsidenten und trat von seinem Beraterposten zurück.

Im Vorwahlkampf der US-Demokraten 2020 unterstützte Musk dann öffentlich den New Yorker Unternehmer Andrew Yang, der für ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.000 Dollar für alle US-Bürger eintrat. „Ich glaube, dass wir letzten Endes ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen werden, weil die Entwicklung von künstlicher Intelligenz viele Jobs automatisieren wird“, sagte er bereits 2016 in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC. „Ich komme auf keine andere Lösung.“

Im wirtschaftspolitisch linken Lager sollte man den Milliardär trotzdem keinesfalls verorten. Geht es etwa um strengere Gesetze zum Arbeitnehmerschutz in Teilen der Welt, in denen er unternehmerisch aktiv ist, schert Musk aus und droht gerne mit einem Standortwechsel.

Gerade weil Musk für einen derart erfolgreichen Unternehmer so untypisch auftritt, hat er sich eine enorme Anhängerschaft im Netz geschaffen. Problematisch wird das, wenn er wie zuletzt auch Fehlinformationen zu Impfstoffen oder Virusvarianten im Netz teilt.

Eine mögliche Erklärung für seine erratischen Äußerungen lieferte Musk in der bekannten US-Satireshow Saturday Night Live selbst: Im vergangenen Mai erklärte er, er leide am Asperger-Syndrom, einer Sonderform des Autismus. Ob das in diesem Fall sein Ernst war, ist bis heute unklar.

Paypal
Co-Gründer des Online-Bezahlservices. Mit dem Erlös aus dem Verkauf (schätzungsweise 180 Mio. US-Dollar) 2002 gründete er SpaceX. 2020 zählte das Unternehmen 26.500 Mitarbeiter. Standorte sind San José (Kalifornien, USA) und Luxemburg in Europa. Gegründet wurde das Unternehmen 1998.

SpaceX
Das Unternehmen ist der weltweit führende Anbieter für den Transport von Satelliten in die Erdumlaufbahn. Dald sollen Menschen auch als Weltraumtouristen ins All fliegen können. 2018 lag der Umsatz bei 2 Mrd. US-Dollar, bewertet wird SpaceX mit 74 Mrd. US.Dollar. 2021 zählte 9.500 Mitarbeiter zum Unternehmen mit Niederlassungen in Hawthorne (Kalifornien, USA) und einer Testanlage in McGregor (Texas, USA).

Tesla
Nach dem Börsenwert ist der Elektroauto-Pionier Tesla der wertvollster Autokonzern der Welt. 2021 bezeichnete Musk als das „Jahr des Durchbruchs“ für Tesla. Seit 2020 schreibt man schwarze Zahlen und auch die Quartalsergebnisse 2021 entwickelten sich gut. Mehr als 70.000Mitarbeiter sind im Konzern beschäftigt. Zu den Standorten zählen Palo Alto (Kalifornien, USA), die Europazentrale in Dublin (Irland) und drei Giga-Fabriken in den USA, China und Deutschland (im Bau). Gegründet hat er Tesla 2003.


The Boring Company
Dieses Unternehmen ist ein Infrastrukturkonzern mit Spezialisierung auf Tunnelbau. Durch den "Hyperloop"sollen spezielle Züge auf Luftkissen mit nahezu Schallgeschwindigkeit durch luftleere Tunnel rasen. Nach Schätzung aus dem Jahr 2019 liegt der Unternehmenswert bei 920 Mio. US-Dollar. Zwischen 100 und 200 Mitarbeiter soll das Unternehmen mit Standort in Hawthorne (Kalifornien, USA) haben. Gegründet wurde die Firma 2016. 

Neuralink
Mit Neuralink will Musk ein Gerät entwickelt, das Computer durch Gehirnströme steuert. Neurologen verpönen die Idee, Investoren finden sich jedoch. Die Forschung befinde sich noch im Anfangsstadium. Sie teilen sich das Büro mit OpenAI, einer von Musk mitbegründeten Organisation für künstliche Intelligenz. 2021 wurde das 2016 gegründete Unternehmen mit 205 Mio. US-Dollar Investition gestützt. Etwa 100 Mitarbeiter sind in San Francisco (Kalifornien, USA) tätig.

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