Studenten in China: Im Ursprungsland der Pandemie ist das Virus angeblich besiegt

© APA/AFP/STR

Interaktiv
09/29/2020

Wo der Kampf gegen Corona besonders gut gelingt - und wo gar nicht

Während in vielen Staaten die Infektionszahlen steigen, bleiben sie in anderen auf niedrigem Niveau. Woran das liegen könnte.

von Irene Thierjung

Nicht nur in Indien oder Israel, auch in Europa steigen die Corona-Zahlen nach der Entspannung im Sommer stark an. Selbst Ex-Vorzeigeländer im Kampf gegen die Pandemie, wie Tschechien oder Dänemark, verzeichnen massive Zuwächse. Eine im Vergleich zum Frühjahr deutlich höhere Anzahl an Tests erklärt das nur zum Teil – haben doch Finnland oder Deutschland weiter niedrige Zuwachszahlen.

Der KURIER hat sich die Strategien in drei Ländern angesehen, in denen der Kampf gegen Corona derzeit besonders erfolgreich geführt wird und ihnen drei Länder gegenübergestellt, in denen die Neuinfektionen zuletzt stark gestiegen sind, und nach Gründen dafür gesucht.

Die "Musterschüler"

China „China-Virus“ nennt US-Präsident Trump den Covid-19-Erreger – wurde er doch erstmals im Dezember in Wuhan dokumentiert. Die Elf-Millionen-Stadt wurde im Februar komplett abgeriegelt, andere Städte folgten, und das Regime bot alle Überwachungsmöglichkeiten auf, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Die Einreise nach China ist heute noch streng reglementiert. In China scheint Corona nahezu besiegt zu sein – zumindest, wenn man den offiziellen Zahlen glaubt.

Bei 1,4 Milliarden Einwohnern gab es demnach am Montag 27 Neuinfektionen. Die seien auf Einschleppung aus dem Ausland zurückzuführen, heißt es, im Land gebe es seit einem Monat keine Ansteckungen mehr. Wenn am Donnerstag die „Goldene Woche“ rund um Chinas Nationalfeiertag beginnt, wird sich zeigen, ob das stimmt: Mehr als 500 Mio. Menschen wollen dann im Land verreisen.

Finnland In dem skandinavischen Land stiegen die Corona-Zahlen zuletzt zwar auch, sie sind aber weiter vergleichsweise niedrig: Bei 5,5 Millionen Einwohnern meldete Helsinki am Montag 105 Neuinfektionen. Finnland war von Covid-19 erst spät getroffen worden, der Mitte März verhängte Lockdown kam zur genau richtigen Zeit. Es wurde viel in Contact Tracing investiert, mehr als ein Drittel der Einwohner nutzt die finnische Corona-App.

Zudem hielten – und halten – die Menschen Abstand. Strenge Einreisebestimmungen sollten eine Einschleppung des Virus verhindern und wurden diese Woche neuerlich verschärft. Was Finnland laut Experten ebenfalls nutzt, sind die gute Krisenkommunikation der Mitte-links-Regierung und die Tatsache, dass das Land grundsätzlich gut auf Krisen aller Art vorbereitet ist, etwa durch große Vorräte an medizinischem Material.

Deutschland Verglichen mit anderen Ländern kommt Deutschland gut durch die Krise. Wirtschaftlich sitzt man auf Überschüssen und konnte reichlich Finanzspritzen verteilen, gesundheitlich war man gut vorbereitet. So ist auch die Todesrate mit Blick auf die Zahl der Infizierten bisher gering.

Laut Robert Koch-Institut hat man von Anfang an breit getestet und den Erreger früh entdeckt. Dadurch seien viele Fälle erfasst worden, die mild verlaufen. Zudem gab es genug Intensivbetten und private Testlabors.

Die Corona-Warn-App mit 18-Mio-Downloads, bei der sich Infizierte melden, helfe bei der Kontaktverfolgung. Überhaupt würden die Maßnahmen breitere Akzeptanz finden, als es die Bilder der Anti-Corona-Demos suggerieren. Das zeigt sich in Umfragen. Gleichzeitig wurde die Maskenpflicht in Öffis und Geschäften nie aufgehoben und wieder eingeführt.

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Die "Sorgenkinder"

Israel Galt Israel zu Beginn der Pandemie als Musterschüler, vor allem was Contact Tracing betraf, kennt die Ansteckungskurve im Land seit Wochen nur eine Richtung: steil nach oben. Bisheriger Höhepunkt war der Sonntag mit 11.800 Neuinfektionen (bei elf Millionen Einwohnern).

Experten orten als Grund eine zu schnelle Lockerung der Coronamaßnahmen im Mai. Die Regierung hatte zwar an die Menschen appelliert, weiter Abstand zu halten – was vor allem in dicht besiedelten arabischen und ultraorthodoxen jüdischen Vierteln nicht funktionierte.

Seit Freitag gilt ein neuer Lockdown. Nur in Ausnahmefällen dürfen sich die Menschen weiter als einen Kilometer von ihrem Zuhause entfernen, etwa für den Weg zur Arbeit. Das Verständnis der meisten für die Restriktionen ist laut Beobachtern enden wollend, die Polizei hat vielerorts aufgegeben, die Einhaltung zu kontrollieren.

Tschechien 1.303 positive Corona-Tests gab es zu Wochenbeginn in Tschechien, in Relation zur Einwohnerzahl (10,6 Mio.) ist es das EU-Land mit den meisten Neuinfektionen – vor Spanien und Frankreich. Während im März rasch und mit strikten Maßnahmen wie einer Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum auf die Fälle reagiert wurde, zögerte die Regierung beim neuerlichen Anstieg der Infektionen ab August zunächst. Eine von Experten vorgeschlagene Verschärfung der Maßnahmen zu Schulbeginn wurde abgelehnt – wohl auch mit Blick auf Regionalwahlen Anfang Oktober.

Nun droht erneut der Ausnahmezustand. Der populistische Premier Babis will ihn am Mittwoch vom Kabinett beschließen lassen. Der Ausnahmezustand galt bereits im Frühjahr für zwei Monate. Er ermöglichte es der Regierung u. a., die Versammlungsfreiheit auszusetzen.

Dänemark Das kleine Land war Anfang März eines der ersten, das im Kampf gegen Corona auf strikte Maßnahmen setzte – mit Erfolg, die Infektionszahlen blieben niedrig. Bereits Mitte April begann die sozialdemokratische Regierung mit der Lockerung der Maßnahmen, entgegen dem europäischen Trend mit den unteren Schulstufen. Streng kontrolliert wurde nach wie vor bei der Einreise, es konnte vorkommen, dass Touristen an der Grenze aus dem Zug geworfen wurden.

Dass die Coronazahlen nun stark steigen (am Montag gab es 424 Neuinfektionen bei 5,9 Mio. Einwohnern) liegt zum Teil daran, dass im Vergleich zum Frühjahr viel mehr getestet wird. Damit sich die derzeitigen lokalen Ausbrüche nicht ausweiten, wurden nun neue Beschränkungen erlassen: Gaststätten müssen landesweit um 22 Uhr schließen, an Veranstaltungen dürfen maximal 50 Menschen teilnehmen.

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