U.S. President Joe Biden holds a bilateral meeting with German Chancellor Angela Merkel in the Oval Office at the White House

© REUTERS / TOM BRENNER

Politik Ausland
07/15/2021

Kanzlerin Merkel kam zu ihrem vierten und letzten US-Präsidenten

Deutsche Regierungschefin, die nach der Wahl im Herbst aus dem Amt scheidet, absolvierte Abschiedsbesuch bei Joe Biden.

von Dirk Hautkapp

Joe Biden wartet nur Sekunden mit der ersten Charme-Offensive. Angela Merkel hat gerade erst im Sessel neben ihm im Oval Office Platz genommen. Da nennt der amerikanische Präsident den Gast aus Deutschland eine „große Freundin, eine persönliche Freundin und eine große Freundin der Vereinigten Staaten“.

Die Kanzlerin, es ist schon der vierte Termin an einem drinnen klimaanlagengeeisten und draußen brütend heißen Tag in Washington, muss kurz hüsteln. Dann gibt sie die warmen Worte mit einem Lächeln zurück. „Ich freue mich hier zu sein. Ich schätze diese Freundschaft sehr, ich weiß, was Amerika für die Geschichte eines freien und demokratischen Deutschland getan hat“, sagt die aus Ostdeutschland stammende Regierungschefin.

15 Jahre danach

US-Germany-DIPLOMACY-BIDEN-MERKEL

Merkels erster Besuch als Kanzlerin in Washington, damals bei George W. Bush, liegt 15 Jahre zurück. Gestern hatte ihr Kurzaufenthalt Antritts- und Adieu-Charakter zugleich. Seit Präsident Joe Biden vor sechs Monaten ins Amt kam, ist Merkel die erste europäische Regierungschefin, die im Weißen Haus empfangen wurde. Weil sie nach 16 Jahren Kanzlerschaft bei der Bundestagswahl im September nicht mehr antritt, war es gleichzeitig ihr politischer Abschiedsbesuch.

Und das an einem tragischen Tag. Aus der deutschen Botschaft sandte Merkel zuvor sichtlich erschüttert den Opfern der Hochwasser-Katastrophe daheim ihre Anteilnahme.

Lange Liste

Merkel wirkte früh dem Eindruck entgegen, ihr 24-stündiger Trip Berlin – Washington – Berlin mit kleinster Entourage bestehe vorwiegend aus schönen Foto-Gelegenheiten, akademischen Ehrenweihen und viel Pathos. Das sicher auch. Aber zwischendurch galt es, eine lange Themen-Liste von der Gas-Pipeline Nord Stream 2 über Corona-Reisebeschränkungen und die Beziehungen zu China abzuarbeiten. Und vielleicht noch Pflöcke einzuschlagen für jene Person, die im Herbst die Nachfolge im Kanzleramt antritt.

Das trifft sich mit den Interessen des Gastgebers. Joe Biden ließ Merkels Erscheinen als Beginn einer zukunftsorientierten“ Zusammenarbeit etikettieren. Die Visite soll unterstreichen, wie gut die Atmosphäre zwischen den alten transatlantischen Freunden wieder ist, nachdem Donald Trump abgewählt wurde. Und sie soll die besondere Wertschätzung ausdrücken für eine Frau, die es bereits mit dem vierten US-Präsidenten zu tun hat.

Bevor Merkel ins Weiße Haus kam, frühstückte sie mit Vize-Präsidentin Kamala Harris. Für die deutsche Kanzlerin nahm sich der US-Präsident danach viel Zeit. Eine halbe Stunde unter vier Augen, danach nach fast zwei Stunden vertiefende Gespräche im erweiterten Kreis, im Anschluss 45 Minuten gemeinsame Pressekonferenz. Und dann noch ein auf 120 Minuten angesetztes Abendessen, an dem auch First Lady Jill Biden und Kanzlerin-Gatte Joachim Sauer teilnahmen.

Summa summarum sechs Stunden nonstop mit dem US-Präsidenten in der Zentrale der Macht – einen größeren Aufwand hat Joe Biden in diesem Jahr noch für keinen ausländischen Gast betrieben.

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