Politik | Ausland
17.11.2018

Frankreich: Eine Tote und über 200 Verletzte bei Straßensperren

Bei landesweiten Demonstrationen gegen hohe Spritpreise spielten sich Dramen ab.

Eine Tote und mehr als 200 Verletzte, sechs davon schwer. Die Protestbewegung der französischen Autofahrer, die sich „Les Gilets jaunes“ (Die gelben Warnschutzwesten) nennt und gegen die Gebühren auf Treibstoff richtet, wurde von Dramen überschattet.

Dabei zielten die Sperren, die am Samstag an über 2000 Straßen-Knotenpunkten, Autobahn-Einfahrten, Einkaufszentren und Grenzübergängen errichtet wurden, nur selten auf eine hermetische Abriegelung: meistens wurde die Durchfahrt bloß verlangsamt, für Rettung, Feuerwehr und Krankenbetreuer gab es freie Fahrt – meistens in einvernehmlicher Absprache mit der Gendarmerie.

Diese schritt nur bei Total-Sperren und auf strategischen Strecken ein, wie etwa vor dem Tunnel unter dem Mont-Blanc oder auf der Ringautobahn um Paris. Im Zentrum von Paris, nahe des Elysée-Palasts, kam es ebenfalls zu Rangeleien mit der Polizei.    

Spontan organisiert

Womit die vielfach unerfahrenen Teilnehmer dieser auf Facebook spontan organisierten Bewegung nicht gerechnet hatten: dass es sehr schnell zu Zwischenfällen mit ungeduldigen oder besorgten Fahrern kommen würde. Das erste Drama gab es in der Alpenregion Savoyen mit einer Mutter, die ihr Kind zum Arzt bringen wollte. Der Dialog scheiterte an einem Missverständnis, Umstehende schlugen auf den Wagen ein, die Mutter verlor die Kontrolle über ihr Auto und rammte eine 60 jährige Demonstrantin, die in der Folge starb.

An anderen Stellen waren aggressive PKW-Lenker direkt auf Blockade-Teilnehmer losgefahren, in einigen Fällen wurden diese Lenker dann von Gendarmen gestoppt und – unter dem Applaus der Demonstranten – in Handschellen abgeführt. Dort wo die Behinderungen nicht zu lange dauerten, äußerten Verkehrsteilnehmer oft durch Hupen ihre Sympathie mit den Protest-Aktivisten. Woanders hingegen zeigten sich die Blockierer von ihrer bedrohlichen Seite: sie hielten PKWs fest, nur weil sie keine gelben Jacken sichtbar mithatten.

Vielfalt der Forderungen

Laut Umfrage unterstützten 74 Prozent der Franzosen die „Anliegen“ der Bewegung, auch wenn diese sehr vielfältig und dadurch teilweise unklar wirkten, und es bisher keine regelrechten Sprecher gibt, mit denen die Regierung verhandeln könnte. Primär im Visier der Proteste stehen ökologisch begründete Abgaben, die die Erhöhung der Treibstoffpreise verstärkt haben, und die Angleichung des Dieselpreises an den Preis für Superbenzin. Das trifft vor allem die Bewohner des Speckgürtels und abgehängter Gegenden in der Provinz, in denen kaum öffentliche Verkehrsmittel vorhanden sind, und die sich von Präsident Emmanuel Macron übergangen fühlen.

Dazu kamen freilich haufenweise Anliegen, bei denen man die Übersicht verlieren konnte: so wurde auch gegen Abgaben und Steuern agitiert, die nichts mit den Treibstoffpreisen zu tun haben. Stellenweise nützten kleine Gewerbetreibende die Blockaden, um gegen die „Monopolstellung der Supermärkte“ zu protestieren. Ein Teil der Blockierer forderten auch  die Abschaffung der Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer auf Landstraßen – eine Maßnahme, die erst im Sommer von der Regierung eingeführt worden war, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken.   

Sprit so teuer wie zuletzt 2014