Politik | Ausland
06.04.2017

Explosion in St. Petersburg, Razzia nach U-Bahn-Anschlag

Russische Ermittler nahmen Kontaktleute des mutmaßlichen Attentäters ins Visier. Bei einer Explosion gab es keine Verletzten.

In einem Wohnhaus in der russischen Großstadt St. Petersburg ist es am Donnerstag zu einer Explosion gekommen. Die Detonation habe sich nahe dem Ort ereignet, wo zuvor Sprengstoff gefunden worden sei, sagte ein Zeuge. Die Nachrichtenagentur RIA berichtete unter Berufung auf das Katastrophenschutzministerium, es habe keine Verletzten gegeben.

Russische Ermittler hatten zuvor drei Tage nach dem U-Bahn-Anschlag einen weiteren Sprengsatz in einer Wohnung in St. Petersburg gefunden. Dieser ähnle der nicht explodierten Bombe, die am Montag in einer Metro-Station in der russischen Metropole entdeckt wurde, hieß es am Donnerstag in Sicherheitskreisen. Mehrere Personen wurden festgenommen. Einem Bericht der Agentur Interfax zufolge handelt es sich um mutmaßliche Komplizen des Attentäters. Ein Einwohner sagte, er habe gesehen, wie die Polizei vier junge Männer mitgenommen habe, die in seiner Nachbarswohnung im achten Stock gelebt hätten.

Nach dem U-Bahn-Anschlag in St. Petersburg haben die russischen Ermittler die Wohnung von "Bekannten" des mutmaßlichen Attentäters durchsucht. Es handle sich "um Staatsangehörige zentralasiatischer Länder", die in Kontakt zu Akbarschon Dschalilow gestanden hätten, hieß es weiter. Die Behörden hatten den 22-jährigen aus Kirgistan stammenden Dschalilow am Dienstag unter anderem auf der Grundlage von DNA-Spuren als mutmaßlichen Täter identifiziert. Er soll seit 2011 in Russland gelebt und die russische Staatsbürgerschaft besessen haben.

Bei dem Selbstmordanschlag vom Montag wurden 14 Menschen getötet und 49 weitere verletzt. Am Mittwoch nahmen die Ermittler sechs Verdächtige aus zentralasiatischen Ländern fest, die "Terroristen" hätten anwerben wollen. Mit dem U-Bahn-Anschlag hatten diese Festnahmen den Ermittlern zufolge aber nichts zu tun.

Spezialkräfte entschärften Sprengsatz in St. Petersburg

Nach dem Bombenanschlag in der Metro haben die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Spezialkräfte haben einen Sprengsatz in einem Wohnhaus in der russischen Stadt St. Petersburg entschärft. Der verdächtige Gegenstand sei am Donnerstagmorgen in einer Wohnung am Stadtrand der Millionenmetropole gefunden worden, teilte der Geheimdienst FSB der Agentur Interfax zufolge mit. Daraufhin wurde das Gebäude evakuiert. Alle Bewohner waren nach Angaben der Stadtverwaltung in Sicherheit gebracht worden.

Nach Terroranschlag planen zahlreiche Städte Kundgebungen

Nach dem Bombenanschlag in St. Petersburg haben nach Medienberichten zahlreiche russische Städte Friedensmärsche gegen Terrorismus geplant. Sie sollten am Samstag stattfinden, auch Politiker aller Parteien wollten daran teilnehmen, berichtete die russische Zeitung "Kommersant" am Mittwoch. Sie sollen an denselben Orten wie die Massenproteste Ende März stattfinden.

Der Kreml habe nichts mit der Organisation der Kundgebungen zu tun, sagte Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. Ihm sei nicht bekannt, wer dazu aufgerufen habe. "Diese Proteste werden auch nicht benötigt", sagte er. Am 26. März war es nach einem Aufruf des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny in vielen russischen Städten zu Massenprotesten gegen Korruption gekommen. Mehrere Hundert Menschen wurden dabei festgenommen, was international kritisiert wurde.

Präsident Wladimir Putin betonte bei einem Treffen mit Geheimdiensten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), dass Terrorismus weiterhin eine Bedrohung für die gesamte Region sei. Er lobte die Zusammenarbeit der Geheimdienste bei der Terrorbekämpfung. "Es war eine sehr schöne Gemeinschaftsarbeit, eine sehr gute Zusammenarbeit", sagte er in Moskau. Praktisch jedes Land sei ein mögliches Ziel für Terrorangriffe.

Am Montag waren bei einer Explosion in der U-Bahn von St. Petersburg 14 Menschen getötet und 55 verletzt worden. Sechs befänden sich noch in einem kritischen Zustand, teilte die Stadtverwaltung mit. Die russischen Ermittler identifizierten mit Hilfe des Geheimdienstes in Bischkek den 22-jährigen Akbarschon Dschalilow aus Kirgistan als mutmaßlichen Attentäter. Ob er Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte, werde untersucht. Das habe der Leiter des staatlichen Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, angeordnet, teilte die Behörde mit.

Dschalilows Wohnung in St. Petersburg sei durchsucht worden. Sicherheitskreise prüften, ob er in den vergangenen Monaten nach Syrien gereist war. Es gebe Hinweise, dass er über das Internet Anweisungen zum Bau einer Bombe erhalten habe.

Ein Sprengsatz war in einem fahrenden Zug zwischen zwei Stationen gezündet worden. Eine zweite Bombe wurde entschärft. An beiden Bomben waren DNA-Spuren von Dschalilow gefunden worden.

Die Eltern reisten am Mittwoch aus Kirgistan an und sollten ihren Sohn identifizieren. Zudem sollten sie von den Ermittlern befragt werden, berichtete das Staatsfernsehen.

Die Ermittler nahmen in St. Petersburg zudem sechs Männer aus Zentralasien fest, die verdächtigt werden, für Extremisten Anhänger anzuwerben. In deren Wohnung seien islamistische Literatur und weitere Dokumente gefunden worden, teilte das Komitee mit. Ob sie mit dem Anschlag in der Metro in Verbindung stehen, war zunächst nicht bekannt.