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© APA/dpa/Maja Hitij

Politik Ausland
08/18/2020

Einsätze gegen Teenager: Deutsche Debatte über Polizeigewalt

In Hamburg rangen Polizisten einen Jugendlichen nieder, in Düsseldorf knieten Sicherheitskräfte auf einem 15-Jährigen.

In Deutschland sorgen zwei Polizeieinsätze gegen Jugendliche für Debatten. Der eine ereignete sich in der Hamburger Neustadt, der andere in Düsseldorf - und beide wurden auf Handyvideos festgehalten.

In Hamburg rangen sieben oder acht Beamte einen jungen Mann nieder, der vor einer Wand mit „I can't breathe“-Graffitis steht - in Anlehnung an Polizeigewalt in den USA. Eine Passantin filmte den Vorfall mehrere Minuten lang.

Auf ihrem Video ist zu erkennen, dass der Jugendliche sich zuvor gegen zwei Polizistinnen und zwei Polizisten heftig gewehrt hat, und sie immer wieder kräftig zur Seite schubst. Ein Beamter zückt einen Schlagstock. Dann rückt Verstärkung an.

Der groß gewachsene junge Mann, der nach Angaben von Zeugen 15 Jahre alt sein soll, wehrt sich weiter, einer der Beamten schreit den jungen Mann wiederholt an: „Auf den Boden!“. Eine Zeugin ist zu hören, wie sie die Beamten auffordert, ruhig zu bleiben.

Schließlich überwältigen die Beamten den Mann und halten ihn am Boden fest. Auf dem Video ist zu hören, wie er auf dem Boden liegend offenbar ruft: „Ich krieg keine Luft, ich krieg keine Luft.“

Knie im Nacken

In Düsseldorf störte ein 15-Jähriger laut Medien einen Polizeieinsatz gegen randalierende Jugendliche und griff die Einsatzkräfte an. Danach kniete einer der Polizisten mehrere Minuten lang auf dem Nacken des Teenagers.

In sozialen Medien wird der Polizei, die beide Fälle untersucht, nun teils unverhältnismäßige Gewalt vorgeworfen. Im Hamburger Fall teilte die Polizei Dienstagmittag mit, der Vorfall habe sich am Montag ereignet, als ein Stadtteilpolizist den Jugendlichen kontrollieren wollte, der ihm in den vergangenen Tagen bereits mehrfach aufgefallen war. Der Jugendliche habe mit einem Elektro-Roller wiederholt verbotswidrig den Gehweg benutzt. Der Jugendliche kam demnach der Aufforderung sich auszuweisen nicht nach. Es seien dann zunächst drei weitere Beamten dazugekommen.

Eine erneute Befragung nach seinen Personalien habe nichts gebracht, und der Jugendliche habe beim Ergreifen durch die Einsatzkräfte mit den Armen um sich geschlagen, die Beamten von sich weg geschubst. Deshalb seien zum Überwinden des Widerstandes weitere Beamte hinzugerufen werden. Hier setzte das veröffentlichte Video ein.

Im weiteren Verlauf hätten die Beamten versucht, mit einfacher körperlicher Gewalt gegen „den sehr großen und starken Jugendlichen“ vorzugehen und ihn mit zum Kommissariat zu nehmen.
Letztlich sei Pfefferspray eingesetzt worden.

Danach sei es den Beamten gelungen, den Jugendlichen auf den Boden zu halten und zu fesseln. „Dabei wurden die Einsatztechniken so kontrolliert, dass es dem Jugendlichen jederzeit möglich war, zu atmen“, hieß es weiter.

Die Polizei betonte: „Grundsätzlich ist die Polizei in einem ständigen Spannungsfeld, wenn Zwangsmaßnahmen gegen Personen durchgeführt werden, die körperlich sehr groß und stark sowie erkennbar jugendlich sind.“ Das Video zeige deutlich, dass die Polizisten gewillt waren, den Widerstand mit einfacher körperlicher Gewalt zu beenden und den Jugendlichen zu Boden zu bringen.

„Solche Einsätze erzeugen häufig Bilder, die Fragen aufwerfen.“

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