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Reportage
11/03/2020

Die treuesten Trump-Fans: "Ich will mehr davon"

Reportage aus dem ehemaligen Armenhaus der USA in Pennsylvania, wo Trump-Fans sind: „Wenn Biden gewählt wird, rutschen wir ab."

von Dirk Hautkapp

Auf der Aussichtsplattform an einer Pagode hoch über dem Tal hat sich Grant Miller mit seinen Söhnen Alex und Grant aufgebaut. Sie wollen am Wochenende den Anflug der Regierungsmaschine von Donald Trump auf den kleinen Regionalflughafen der 90.000-Einwohner-Stadt Reading im Herzen Pennsylvanias live miterleben.

Grant (21), Student der Finanzwissenschaften, darf am Dienstag zum ersten Mal wählen. „Das wird die wichtigste Wahl in meinem Leben.“ Er mag „Sozialismus nicht“ und folgt seinem Vater:

Trump. „Der Präsident wird über 320 Stimmen im Wahlmänner-Gremium holen“, sagt der Angestellte einer Firma, die Schilder herstellt, mit Gewissheit in der Stimme, „50 mehr als nötig, und er hat es verdient.“ Gerade weil „viele Medien seine Wiederwahl verhindern“ wollten.

„Biden erhöht Steuern“

Jerry Pawlikowski, ein anderer Schaulustiger, mischt sich ein. Bei Trump habe er um seine Geldbörse keine Sorgen. „Joe Biden würde dagegen die Steuern erhöhen. Nicht mit mir.“

Fehlt noch Beth, die 63-Jährige, die mit ihrem Bruder, einem „hundertprozentigen Trumpianer“, samt Fernrohr gekommen ist. Sie erzählt hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt von einem Amerika, das den „Jordan runter geht“, in dem ungeborenes Leben nicht beschützt wird und illegale Einwanderer machen könnten, was sie wollen. „Wenn Biden gewählt wird, rutschen wir ab. Er ist eine Marionette, andere ziehen die Strippen.“

Mit Trump pflegt die Rentnerin gedanklich eine klare Aufgabenteilung: „Ich mag überhaupt nicht, wie er redet. Aber darüber sehe ich hinweg. Er hat Jobs nach Reading gebracht. Er ist kein Redner, er ist ein Geschäftsmann, der sein Land liebt, die Flagge und das Militär.“

Nichts zu holen für Biden

Während der Flieger des Präsidenten auf die Rollbahn zusteuert, wo ihn 5.000 Menschen in kühler Herbst-Luft zu einer von vier Kundgebungen erwarten, die der Präsident im heftigst umworbenen Pennsylvania abreißt, kommt einem kurz John Updike in den Sinn. Der große Schriftsteller wurde 1932 in Reading geboren. Er nannte seine Heimat einmal die „Stadt der Blumentöpfe“. Für Joe Biden scheint es hier nicht viele zu gewinnen zu geben.

Die Wähler in Reading haben Trump 2016 mit zehn Prozentpunkten Vorsprung vor Hillary Clinton ausgestattet. „Das wird so bleiben“, sagt Grant Miller. Auch wenn die Umfragen für ganz Pennsylvania Herausforderer Biden im Mittelwert just 3,7 Prozentpunkte vorn sehen; nahe an der Irrtumsmarge.

Kathryn Harbus, 60 Jahre alt, zwei erwachsene Kinder, christlich: Die geschiedene Mutter war „erst überhaupt“ nicht für den New Yorker Populisten zu gewinnen, vor vier Jahren hat sie ihn dann aber doch mit Ach und Krach gewählt. Schon, um Hillary Clinton zu verhindern, die sie „korrupt“ und „arrogant“ nennt. „Jetzt muss ich sagen: Trumps Taten haben mich zum absoluten Fan gemacht. Ich hatte wirtschaftlich die besten dreieinhalb Jahre in meinem ganzen Leben. Ich will mehr davon.“

Die zierliche Blondine aus Philadelphia erzählt von mehr Geld in der Haushaltskasse, weniger Steuern, weniger Ausgaben für die Krankenversicherung („Obamacare hat mich gekillt“).

„Ich will Danke sagen“

Wie war das mit der Corona-Krise, die mehr als 230.000 Tote gefordert hat? Konter: „Ich wüsste nicht, was Trump mehr hätte machen sollen.“ Dass Trump sich im Ton vergreift? „Konzentrieren Sie sich auf das, was er macht“, sagt Harbus, „nicht auf seine Worte. Die Wirtschaft läuft, die US-Botschaft in Israel ist nach Jerusalem verlegt worden, Soldaten kamen nach Hause. Hey, Trump ist der Erste, der uns nicht in einen Krieg verwickelt hat. Ich bin hier, um Flagge zu zeigen und mich zu bedanken.“

Dabei sieht es in Reading, wie in vielen anderen Ecken Pennsylvanias, wenig rosig aus. Nach dem Niedergang der Kohle war die Stadt dem Verfall preisgegeben, das Armenhaus der USA. Tausende Einwanderer aus Lateinamerika zogen her. Trumps Versprechen, Industrie-Arbeitsplätze in hoher Zahl zurückzuholen, blieb laut Philadelphia Inquirer ein „Lippenbekenntnis“.

Larry Bowman, ehemaliger Stahlarbeiter, will festgestellt haben, dass es trotz Corona-Krise aufwärtsgeht. Offiziell fiel die Arbeitslosigkeit in Reading von April (17,6 %) auf 7,9 % Ende September.

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