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Politik Ausland
02/05/2021

Die Republikaner stehen vor der Selbstzerfleischung

Driftet die Partei wegen Trump ins Lager der Verschwörungstheoretiker ab?

von Dirk Hautkapp

Zu Zeiten von Ronald Reagan und Georg H. W. Bush gaben die Republikaner in Amerika viel drauf, eine relativ tolerante Sammlungsbewegung zu sein. Wie ein „großes Zelt“ wollte die Partei vielen verschiedenen Lagern Platz und Beinfreiheit bieten. Die krawallige Giftigkeit der „Tea Party“-Rebellen zog dem „big tent“ erstmalig die Heringe aus dem Boden.

Zehn Jahre später tobt nach dem Verlust beider Kammern des Kongresses und des Weißen Hauses unter Donald Trump ein veritabler Guerilla-Krieg in der Partei Abraham Lincolns. Ob die „Grand Old Party“ auf einen Mitte-Kurs zurückfindet oder – durch Trump und dessen radikale Wählerbasis eingeschüchtert – ins Sektierer-Milieu abgleitet, wird sich symbolisch am Umgang mit zwei Frauen zeigen, die sich ideologisch zueinander wie Feuer und Wasser verhalten.

„Kinnhaken“ für Trump

Vorhang auf für Liz Cheney und Marjorie Taylor Greene: Die Tochter des früheren Vize-Präsidenten Dick Cheney, Abgeordnete zum Repräsentantenhaus, steht für kantigen Klartext und das unter Trump gefledderte Partei-Establishment. Sie gehörte zu jenen Abgeordneten, die nach der Erstürmung des Kapitols am 6. Jänner vehement die Amtsenthebung Trumps verlangten.

Seither hat Trump der fünffachen Mutter politische Bluthunde an den Hals gehetzt. Sie sollen Cheney demontieren. Der Versuch schlug vorerst fehl. Nach stundenlanger Debatte hinter verschlossenen Türen stellte sich die republikanische Fraktion am Mittwochabend mit 145 zu 61 Stimmen hinter Cheney. Ein Kinnhaken für Trump. Aber kein Beleg dafür, dass sich der Durchgriff des Ex-Präsidenten auf die Partei gelockert hat.

Denn Marjorie Taylor Greene ist ja immer noch da. Die Abgeordnete und glühende Bewunderin Trumps hat es in wenigen Monaten zur Galionsfigur des extremistischen Flügels der Republikaner gebracht. Sie spielt Megafon für den Verschwörungskult QAnon.

Sie hält die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 für inszenierte Schock-Ereignisse, um Amerikas Waffengesetze zu verschärfen. Den Demokraten sagt sie nach, einen Kinderschänder-Ring zu unterhalten. Kaliforniens Waldbrände schiebt sie auf einen im Weltall installierten Laser-Strahl, der von jüdischen Banken gelenkt werde.

Mitch McConnell, der mächtigste Republikaner im Senat, bezeichnet ihre Umtriebe als „verrückte Lügen“ und „Krebsgeschwür“ für die republikanische Partei.

Er fürchtet den Verlust der strukturellen Mehrheitsfähigkeit bei kommenden Wahlen. Greene sieht sich als Opfer eines „demokratischen Mobs“. Warum bei ihr, ähnlich wie bei Liz Cheney, keine Abstimmung über ihr Verhalten und ihre Position in der Fraktion angesetzt wurde, erklären Analysten mit „Feigheit“ und „Opportunismus“ in den Reihen um Fraktionsführer Kevin McCarthy. Hätte der Fraktionschef Tacheles geredet und die Abgeordnete relegiert, müsste er ab sofort Breitseiten von Donald Trump und jenen 40 Prozent republikanischer Wähler gewärtigen, die QAnon und Greene laut Umfragen anhängen.

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