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Politik Ausland
05/30/2021

Der Krieg in Syrien ist noch lange nicht vorbei

Die Hauptakteure planen seit Langem neue Offensiven, währenddessen erstarkt die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

von Armin Arbeiter

Die knapp vier Millionen Syrer, die sich in er nordwestlichen Provinz Idlib aufhalten, haben seit einigen Tagen ausreichend Strom. Zum ersten Mal seit sechs Jahren, 24 Stunden am Tag.

Möglich ist das freilich nur durch die Türkei – und deren Präsident Recep Tayyip Erdoğan verfolgt damit nicht nur humanitäre Ziele. Sein Einfluss in Nordsyrien gilt als gefestigt, seine Popularität im eigenen Land sinkt jedoch – nicht zuletzt wegen der fast vier Millionen Syrer, die sich nach wie vor in der Türkei aufhalten. Immer wieder droht Erdoğan in Richtung der kurdisch dominierten „Syrisch Demokratischen Kräfte“ (SDF) mit Angriffen auf ihr Gebiet im Nordosten Syriens, wo er bereits ein 150 mal 30 Kilometer großes Gebiet hält. Erklärtes Ziel des türkischen Präsidenten ist es, auf dem gewonnenen Gebiet syrische Flüchtlinge, die ihm gegenüber loyal sind, anzusiedeln.

Auf USA kein Verlass

Dass bis ins Detail geplante Angriffspläne nur noch auf ihre Durchführung warten, ist kein Geheimnis. Ein Grund für die SDF, enger mit dem Assad-Regime zusammenzuarbeiten. Denn auf die USA ist für die Kurden kein Verlass.

Weder Donald Trump noch der jetzige US-Präsident Joe Biden hatten und haben Interesse, tiefer in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen zu werden. Zwar befinden sich noch US-Soldaten auf kurdisch dominiertem Gebiet, doch bei den vergangenen türkischen Offensiven zogen sie sich zurück.

Regelmäßig verüben Terroristen des IS Anschläge auf Kurdengebiet. Die stetige Bedrohung durch die Türkei lässt es nicht zu, das Hauptaugenmerk auf die Terrororganisation zu richten – die in den vergangenen Monaten sowohl in Syrien als auch im Irak wieder erstarkt ist. Den SDF bleiben somit nur Assad und sein Verbündeter Russland, die seit 2015 weite Teile des Landes zurückerobert haben.

Assad ist jedoch nicht nur von Russland, sondern auch vom Iran abhängig: Das Gros der Bodentruppen stellen schiitische Milizen, die aus dem Iran und Afghanistan stammen.

Mit Hilfe dieser Verbündeten konnte das Assad-Regime die großen Städte Aleppo, Damaskus, Homs und Hama vollständig unter seine Kontrolle bringen. Belagerten Widerständlern stellten die Streitkräfte das Ultimatum: entweder Kapitulation und Umsiedelung nach Idlib oder Vernichtung durch Bombardements. Meist ergaben sich die oppositionellen Milizen und zogen es vor, nach Idlib zu gehen.

Dort wird die nächste Offensive der Assad-Truppen erwartet. Fast täglich bombardieren einander beide Seiten entlang der brüchigen Waffenstillstandslinie, die seit März vergangenen Jahres wieder besteht. Zuvor waren die Regierungstruppen bis auf wenige Kilometer zur gleichnamigen Hauptstadt Idlibs vorgedrungen.

Als ein offener Konflikt zwischen Russland und der Türkei drohte, einigte man sich auf einen Waffenstillstand. Doch beiden Seiten ist klar, dass der Status quo auf längere Zeit nicht anhalten kann. Und auch unabhängig davon ist die Lage in Idlib instabil: Ihren Einfluss in der Provinz teilt sich die Türkei mit der El-Kaida-nahen Terrororganisation „Hay'at Tahrir al-Sham“.

Unruhen im Süden

Seit Anfang des Jahres bildet sich auch im Süden Syriens eine weitere Front gegen Assad: Im Raum der Stadt Daraa greifen immer wieder neu aufgestellte Rebellengruppen Soldaten der syrischen Armee an. Mutmaßlich werden diese von Jordanien finanziert.

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