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Deutschland
10/04/2019

DDR 1989: Das letzte Fest vor dem Fall

Während sich die SED-Spitze am 7. Oktober noch einmal feiert, als sei nichts geschehen, brodelt es auf den Straßen.

von Sandra Lumetsberger

Der Gegensatz könnte nicht größer sein. Hinter der Glasfassade im Palast der Republik dinieren die Spitzen der Sozialistischen Einheitspartei (SED) mit ihren Staatsgästen der "sozialistischen Bruderländer", während draußen die Menschen demonstrieren. Bewacht von Volkspolizei und Stasi feiert die Partei am 7. Oktober 1989 mit Pomp und Parade den 40. Jahrestag der DDR. Es wird die letzte Party sein. Staatsoberhaupt Erich Honecker will Stunden zuvor beim Empfang der Gäste am Flughafen nichts davon wissen: Gefragt nach den Demonstrationen in Leipzig und Dresden, erkläre er, es sei alles normal, "alle gehen ihrer Arbeit nach".

Doch von Normalität kann im Herbst 1989 keine Rede mehr sein. Es gärt. Seit der groß angelegten Fälschung der Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 (die SED kam auf 98,85 Prozent) protestieren an jedem 7. eines Monats Menschen auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz für Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit. Oft werden sie in Nebenstraßen abgefangen, von Genossen vertrieben oder verhaftet. Andere wiederum wagen die Flucht. Ungarn hat die elektronischen Sicherungsanlagen und Stacheldrahtzäune an seiner Westgrenze abgebaut. Mitte 1989 nutzen Tausende DDR-Bürger den Urlaub in Ungarn, um über die Grenze nach Österreich zu flüchten. Oder sie suchen Zuflucht in den bundesdeutschen Botschaften in Budapest und Prag.

"Die Geduld der Leute ist zu Ende"

Die Bilder dringen auch in den abgeschirmten Staat durch und lösen etwas aus: "Es hat knack gemacht in der DDR", wird die Malerin Bärbel Bohley, Mitbegründerin der Bürgerinitiative "Neues Forum", 1989 vom Spiegel zitiert. "Die Geduld der Leute ist zu Ende."

Die Staatsführung unter Honecker ignoriert dies bzw. geht weiter mit Härte gegen die Proteste vor. Auch am großen DDR-Feiertag, als die Menschen nicht seinen, sondern einen anderen Namen rufen: "Gorbi, Gorbi". Ihre Hoffnungen ruhen auf Honeckers Gast Michail Gorbatschow, das Oberhaupt der UdSSR steht für Reformen. Doch von ihm kommen weder Kritik noch Ermahnung in Richtung Parteispitze, wie der Spiegel schreibt. Aus dem Geplänkel mit Journalisten ist ein Satz überliefert, den er so ähnlich gesagt haben soll: "Wer zu spät kommt, denn bestraft das Leben." Ob er wirklich von ihm stammt, darüber wird heute noch debattiert. Er liest sich jedenfalls wie ein Vorzeichen, was noch auf die SED-Führung zukommen sollte.

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