© REUTERS/Toby Melville

Politik Ausland
12/17/2021

Briten gehen freiwillig in den Lockdown, um Weihnachten zu retten

Die Regierung will das Land um jeden Preis offen halten, auch wegen Johnsons Versprechen aus dem Sommer.

von Georg Szalai

So knapp vor den Feiertagen will die Engländerin Lizzi wegen der sich schnell ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus kein Risiko eingehen. „Ich befinde mich in einem selbst auferlegten Lockdown“, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Auch Shaun in Schottland meinte: „Ich gehe in einen selbst auferlegten Lockdown, um Weihnachten nicht zu ruinieren“. Denn bei den vorgesehenen 10 Tagen Quarantäne würde eine Infektion jetzt Briten und ihren Familien auch die Festtage verderben.

Sogar Queen Elizabeth II. hat da ihr traditionelles vorweihnachtliches Mittagessen mit Mitgliedern der Royal Family abgesagt. Es stünden „Weihnachtspläne zu vieler Menschen auf dem Spiel“, hieß es am Donnerstag. Sie scheint Landsleuten, die ebenfalls mit einem freiwilligen Lockdown ein frohes Fest sicherstellen wollen, aus dem Herzen zu sprechen. Denn die entscheiden immer öfter persönlich, wie die Regierung sich nicht entscheiden will.

Stornierungen von Feiern in Lokalen und Hotels belaufen sich laut britischem Gastro-Verband auf etwa 40 Prozent, in London, das als Omikron-Epizentrum gilt, sogar auf fast zwei Drittel. Und dank Home Office sind BĂĽros laut Telegraph nur mehr zu 12 Prozent belegt. 

Manche erwarten, diese Trends könnten sich noch verstärken. Denn GroĂźbritannien verzeichnete am Mittwoch mit 78.610 Neuinfektionen einen neuen Negativrekord. „Die Omikron-Welle schwappt durch das Land“, warnte Premier Boris Johnson. Letztes Jahr musste er wegen der Delta-Mutante WeihnachtszusammenkĂĽnfte in England kurz vor dem Fest verbieten. Eine Wiederholung scheint er, auch unter Druck von Parlamentariern seiner konservativen Partei, verhindern zu wollen. 

Keine Lockdown-Pläne

Feste zu Weihnachten und soziale Kontakte im Vorfeld will Johnson diesmal also zulassen, wenn auch mit Vorbehalt. „Wir müssen vorsichtig sein“, meinte er. „Ich sagte, dieses Weihnachten würde erheblich besser sein als letztes Jahr. Wir sagen keine Veranstaltungen ab, wir schließen nicht die Gastro. Was wir sagen, ist: denkt gut nach“. Der Premier selbst habe „ziemlich bescheidene“ Weihnachtspläne. Der Mirror titelte: „Wary Christmas“, also vorsichtige Weihnachten.

Lockdown-Pläne gibt es laut Regierung derzeit keine. Im größten Landesteil England besteht etwa Maskenpflicht in Läden und Öffis; für Diskos und Events sind Impf- oder Test-Nachweis nötig. Gastro-Einschränkungen gibt es nicht. Die Wirtschaft kritisiert die Aussagen der Regierung aber als zweideutig und fordert Finanzhilfe. Der Chef des Pubriesen JD Wetherspoon warnt vor einem „Lockdown durch die Hintertür“, die Chefin der Gastro-Vertretung vor „Restriktionen durch die Hintertür“.

Sollte Johnson über die Weihnachtspause das Parlament doch einberufen müssen, um über einen Lockdown abzustimmen, wäre eine Mehrheit der Briten bereit: 51 Prozent befürworten laut einer Umfrage eine zweiwöchige Notbremse noch im Dezember. Da die Omikron-Welle aber so manchen noch vor Weihnachten treffen wird, dichten manche auf Twitter bereits den bei Briten besonders beliebten Chris Rea Song „Driving Home for Christmas“ um, und zwar in „Staying Home for Christmas“.

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