© APA/AFP/POOL/JEREMY SELWYN

Politik Ausland
12/13/2021

Boris Johnson kämpft gegen Omikron - und um die eigene Zukunft

In Großbritannien breitet sich die neue Corona-Variante rasant aus. Der Premier will mit Boosterimpfungen gegensteuern - und sich im Amt halten.

von Georg Szalai

Von einem "Notfall" und einer "Flutwelle" sprach Boris Johnson am Sonntag, dem zweiten Jahrestag der Wahl, bei der er die Tory-Partei zur absoluten Mehrheit geführt hatte. Man konnte glauben, der britische Premier rede von seiner politischen Karriere und der Unzahl an Problemen, die auf ihn hereinschwappt. Seine Ansprache galt aber nur einem davon: Omikron.

Die neue Variante des Coronavirus, die am Montag in Großbritannien das erste Todesopfer auf europäischem Boden forderte, breite sich derzeit "mit phänomenaler Geschwindigkeit" aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid: "So etwas haben wir noch nie beobachtet". In London seien bereits 40 Prozent aller Covid-Neuinfektionen auf Omikron zurückzuführen.

Der nationale Gesundheitsdienst NHS warnte vor einer drohenden Überlastung: durch immer mehr Omikron-Infizierte in den Spitälern - und das jüngste Impfversprechen des Premiers.

Johnson hatte am Sonntag mit Blick auf die Omikron-Mutation angekündigt, das Impftempo deutlich zu erhöhen und allen Erwachsenen in England schon bis Jahresende - statt bis Ende Jänner - einen Booster anzubieten. Lange Schlangen vor Apotheken und Impfzentren waren am Montag die Folge.

"Partygate" geht weiter

Johnsons Versprechen klang fast wie ein Versuch, an frühere Phasen der Impfkampagne zu erinnern, als er einen Höhenflug genoss. Dieser Tage ist er im Sturzflug, auch wegen "Partygate", den Berichten über mehrere angebliche Lockdown-Partys von Johnson und Mitarbeitern Ende 2020.

Viele Briten sind empört, dass Teile der Regierung womöglich die eigenen Regeln brachen. 57 Prozent meinen laut einer Opinium-Umfrage, Johnson solle zurücktreten; die oppositionelle Labour-Partei hat mit 41 zu 32 Prozent ihren seit 2014 größten von diesem Institut erhobenen Vorsprung. 

Johnsons "Albtraum vor Weihnachten", so die Medien, ging auch am Wochenende weiter. Der Mirror veröffentlichte ein Foto von einem Weihnachtsquiz im Lockdown im Dezember 2020. Es zeigt Johnson in seinem Amtssitz, flankiert von zwei Kollegen, der eine mit Girlande um den Hals, die andere mit Weihnachtsmütze.

„Ich habe definitiv keine Regeln gebrochen“, kommentierte Johnson das Foto am Montag gegenüber Journalisten. Ein Sprecher hatte bereits zuvor gesagt, der Premier habe nur kurz an dem digitalen Quiz teilgenommen.

Aber auch diese Episode wird jetzt, so wie andere Zusammenkünfte, von Johnsons Kabinettssekretär Simon Case, dem Ex-Privatsekretär von Prinz William, untersucht. Sein Bericht soll noch diese Woche erscheinen. 

"Alles-oder-nichts-Woche"

Schon am Dienstag droht Johnson ein blaues Auge. Da entscheidet das Unterhaus in mehreren Abstimmungen über seine verschärften Corona-Maßnahmen für England. Vor allem beim Thema Covid-Nachweise wird erwartet, dass eine Rekordzahl an Tory-Mandataren rebelliert, auch wenn die Restriktionen dank Labour durchkommen sollten. 

Wie ein Referendum über Johnson, als dessen größte Stärke viele bisher seinen Erfolg bei Wahlen sehen, findet dann am Donnerstag eine Nachwahl für den Unterhaus-Sitz im traditionell den Tories treuen Wahlkreis North Shropshire statt. "Ich kann nicht für den verantwortlichen Scharlatan stimmen", sagte dort etwa die lebenslange Tory-Wählerin Pearl, 77, laut Telegraph. Sollte die Partei verlieren, drohen Hinterbänkler mit Misstrauensbriefen gegen den Premier. 

Der Daily Express spricht bereits von einer "Alles-oder-nichts-Woche" für Johnson. 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.