Die Stimmung passt noch, wie hier in London

© REUTERS/HENRY NICHOLLS

Großbritannien
11/27/2021

Brexit und die Folgen: Viel Papierkram, weniger Weihnachten

Beliebte Märkte müssen mit weniger Standlern aus Europa auskommen. Doch wenn der Wein ausgeht, ist es vorbei mit lustig.

von Georg Szalai

Leute mit Glühwein-Häferln und Würsteln, Holzhütten mit Lebkuchen, eine Menschenschlange vor einem Stand namens Almhütte, über dem der Schriftzug „Frankfurt Christmas Market“ prangt – solche Foto-Impressionen teilen in sozialen Netzwerken dieser Tage Besucher des Weihnachtsmarkts in Birmingham.

Brexit hatte dort zwar eine knappe Mehrheit von 50,4 Prozent unterstützt, aber Menschen scheinen in der zweitgrößten Stadt des Vereinigten Königreichs so manche kontinentale Freude weiterhin zu genießen.

Vor einer Corona-Zwangspause 2020 besuchten den, laut Website, „größten authentischen“ vom deutschsprachigen Raum inspirierten Weihnachtsmarkt mehr als fünf Millionen pro Jahr. Aber Brexit, sowie COVID und Bauarbeiten, hinterlassen Spuren am Markt, der 1997 erstmals von Birminghams Partnerstadt Frankfurt organisiert und bald zur Tradition wurde.

Weniger Stände

Die Zahl der Marktstände ist im Vergleich zu 2019 von über 80 auf 56 geschrumpft. „Einige Standbesitzer haben Probleme mit Einreisegesetzen nicht gelöst“, erklärte ein Organisator aus Frankfurt.

Auch in anderen Teilen des Landes fallen Weihnachtsmärkte laut BBC heuer „kleiner und weniger europäisch“ aus. Wegen der Pandemie haben 10.000 Standbesitzer die Branche verlassen; und Brexit erschwert Waren- und Personal-Import.

„Es war viel Papierkram“, sagte die Bremerin Anja Manke, die die 23 Stände des German Christmas Market in Manchester betreibt. „Wir haben für alle Genehmigungen bekommen“, aber insgesamt bieten heuer weniger Europäer ihre Waren an, sagt sie und nennt das „sehr schmerzlich“. Eine Freundin, die auf den Markt in Edinburgh wollte, musste ganz „absagen, weil sie den ganzen Papierkrieg nicht rechtzeitig erledigen konnte“, sagte Manke.

Wein-Zug statt Lkw

Leere Supermarkt-Regale sind für viele Briten wegen Lieferketten-Problemen aufgrund von Brexit und COVID bereits zum Alltag geworden. Nach Spritkrise und Sorgen um Truthahn zu den Festtagen kam diese Woche die Hiobsbotschaft, dass das Land sich auf weniger Auswahl und höhere Preise bei Essen und Alkohol einstellen müsse. Man konzentriere sich auf Leckereien der Saison, aber die Versorgungslage „könnte sich in der Vorweihnachtszeit verschärfen“, sagte der Einzelhandelsverband.

Der Getränkehandelsverband schenkte nach und warnte vor reduziertem Angebot bei Wein und Spirituosen, auch wenn Supermärkte derzeit Wein-Aktionen anbieten und wegen fehlender Lkw jetzt ein wöchentlicher „Wine-Train“, ein Wein-Zug, bis zum Fest 4,5 Millionen Flaschen vom Kontinent ausliefern soll. Nüchtern betrachtet könnte das der fehlende Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Sam twitterte: „Brexit ist Spaß und Spiel, bis dir der Alkohol zu Weihnachten ausgeht“.

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