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Politik Ausland
07/12/2021

Blutige Proteste und Eskalation der Gewalt in Südafrika

In Afrikas stärkster Wirtschaftsnation lassen Krise, soziale Gegensätze und ethische Konflikte wieder einmal die Gewalt hochkochen.

von Konrad Kramar

Begonnen hat das Ganz als Protest gegen die Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma. Der heute80-Jährige stand bis 2018 an der Spitze des Landes. Seine Herrschaft war von Korruption, Misswirtschaft und hemmungsloser Bereicherung Zumas und seiner Günstlinge geprägt und wird gerne als "Kleptokratie" bezeichnet. Doch Zumas Anhänger halten ihm die Treue, nicht nur aus politischen Gründen.

"Ethnisch motiviert"

Die Demonstrationen, die vor wenigen Tagen begannen, hätten sich in "ethnisch motivierte Gewalt" verwandelt, warnte Zumas Nachfolger, Präsident Cyril Ramaphosa in einer TV-Ansprache am Sonntagabend.

Zuma gehört der Volksgruppe der Zulu an, während Ramaphosa und große Teile seiner Unterstützer innerhalb der Regierungspartei zur Gruppe der Xhosa gehören. Tribalismus werde in Südafrika nicht geduldet, sagte Ramaphosa; Gewalttäter würden strafrechtlich verfolgt.

 Zugleich wächst die Gewaltbereitschaft. Ein großes Einkaufszentrum stand am Montag im Osten des Landes in Flammen, während Demonstranten in der nördlichen Wirtschaftsmetropole Johannesburg Bus- und Bahnverbindungen lahmlegten, wie der Fernsehsender eNCA berichtete. Zehntausende Berufspendler säßen fest, hieß es. In vielen Städten kam es aus zu Plünderungen.

15 Monate Haft

Zuma war vergangene Woche wegen Missachtung der Justiz zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt worden, die er am späten Mittwoch antrat. Seitdem haben Ausschreitungen nach Angaben der Regierung zu geschätzten Schäden von 100 Millionen Rand (sechs Millionen Euro) geführt.

Schusswechsel mit der Polizei

Bei Schusswechseln zwischen Demonstranten und Polizei seien zwei Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Protestierende blockierten wichtige Nationalstraßen, plünderten Geschäfte und Bankomaten und bewarfen Autos mit Steinen.

 

Zuma muss sich vor einer Untersuchungskommission wegen diverser Korruptionsvorwürfe während seiner Amtszeit (2009-2018) verantworten, war aber einer Vorladung nicht gefolgt. Am Montag prüft das Verfassungsgericht einen Antrag Zumas auf Annullierung der Haftstrafe - ein Verfahren, das bei einem höchstrichterlichen Beschluss eigentlich gar nicht vorgesehen ist.

 

 

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