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Politik Ausland
09/03/2021

Biologiebuch in Ungarn warnt vor Abtreibungen und Homosexualität

Wer wechselnde Partner habe, laufe im Übrigen Gefahr, sozial abzurutschen.

von Karoline Krause-Sandner

Auf Basis eines umstrittenen Gesetzes zum Umgang mit Homosexualität und Transgender schränkte Ungarn vor wenigen Wochen den Verkauf von Kinderbüchern ein. Demnach sind Buchgeschäfte jetzt verpflichtet, bestimmte Bücher nicht mehr offen auszulegen und in einem Umkreis von 200 Metern um Schulen und Kirchen überhaupt nicht mehr anzubieten.

Das Gesetz betrifft vor allem Kinderbücher, die nach Auffassung der Regierung für Homosexualität oder Geschlechtsumwandlung werben oder anstößige Abbildungen von Sexualität enthalten.

Umgekehrt dürfen offenbar Schulbücher in Ungarn umstrittene Meinungen abbilden. So etwa das Biologiebuch, aus dem laut Lehrplan in allen Teilen Ungarns in Klassen für 14-15-Jährige gelehrt wird. 

In dem Schulbuch, das von einer bekannten ungarischen Journalistin auf Twitter öffentlich gemacht wurde, steht etwa, dass Homosexualität "abnormal" sei. Das sei "offensichtlich", weil das "biologische Ziel von Sex" sei, Nachwuchs zu zeugen.

Vor Abtreibung wird in dem Schulbuch gewarnt: Schwangerschaftsabbrüche sind "gefährlich" für die Mutter, heißt es dort. Sie sollten "um jeden Preis" verhindert werden. Es sei denn, Ärzte "entscheiden", dass das Leben der Mutter oder des Fötus bedroht ist. Abtreibung jedenfalls zerstörten eine "Form des menschlichen Lebens", man müsse sich der "ethischen Frage" stellen.

Das Buch, das als Biologie-Unterrichtsunterlage dienen soll, orientiert sich an dieser Stelle offenbar sehr an ethischen Fragen. So warnt es die Jugendlichen nicht nur vor Abtreibung und Homosexualität, sondern auch vor One-Night-Stands beziehungsweise wechselnden Sex-Partnern:

"Ein Sexleben ohne Emotionen und One-Night-Stands bergen die Gefahr, in eine niedrigere (soziale, Anm.) Position abzurutschen."

Wahlen im Frühling

Vor der Parlamentswahl im kommenden Jahr hat sich Orbán wiederholt gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) und stark für ein konservatives Familienbild ausgesprochen. In die Verfassung wurde der Grundsatz aufgenommen, dass ein Kind das Recht auf Vater und Mutter habe. Der Vater habe ein Mann zu sein, die Mutter eine Frau.

Das im Juni verabschiedete Gesetz, das die Rechte homosexueller Personen in Ungarn stark einschränkt, wird von der EU-Kommission, anderen Ländern sowie von Menschenrechtlern und in der ungarischen Opposition kritisiert.

Orbán regiert seit 2010. In der EU steht er auch wegen seines Umgangs mit Medien und Justiz in der Kritik.

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